Friedrich Hayden: „Reparieren zahlt sich aus“. Dem Trend der Wegwerfgesellschaft wirkt Friedrich Hayden mit seinem Handwerk in St. Pölten entgegen.

Von Teresa Lobinger. Erstellt am 06. März 2021 (03:56)

Beim Rucksack, der einen täglich begleitet, ist eine Niete verloren gegangen? Der Reißverschluss der Lieblingshandtasche hält nicht mehr? Kleinigkeiten, die für den Moment große Dramen darstellen, schafft Friedrich Hayden aus der Welt.

Einer der letzten Taschnermeister im Umkreis lässt sich immer etwas einfallen, egal ob‘s der günstige Rucksack oder das teure Leder-Accessoire ist: „Viele glauben, Reparieren wäre zu teuer oder lohnt sich nicht, aber das ist ein großer Irrtum.“ Er wisse aus 35 Jahren Erfahrung, dass Dinge oft mit minimalem Aufwand wieder funktionstüchtig gemacht werden können. Hayden begutachtet in seiner pittoresken Werkstatt in Stattersdorf so gut wie jedes Problem aus jedem Material und meint, seinen handwerklichen Möglichkeiten seien kaum Grenzen gesetzt. Und er könne den allgemeinen Trend zur Nachhaltigkeit, auch Regionalität, in seiner Branche erkennen. Junge Leute fragen um Rat und wenden sich immer mehr von der Wegwerfgesellschaft ab. Der Bezug zur Arbeit wurde lange nicht gesehen: „Eine Handtasche um 20 Euro, oft aus Fernost, aus Billigproduktionsländern, fliegt um die halbe Welt und steht im Geschäft, das ja auch noch daran verdienen möchte.“

Friedrich Hayden repariert Verschiedenstes. Das Argument oder die Sorge des Kunden, dass es sich nicht um Leder handle, zählt für ihn nicht: „Man kann auch billigen Produkten wieder neues Leben einhauchen.“

In diesem Sinne „upcycelt“ er gerade Transparente – „heutzutage muss immer alles auf Englisch sein“– eine gemeinsame Idee mit Stadträtin Renate Gamsjäger. Mit dem Business- und dem Markt-„Shopper“ ist man also wiederverwertend en vogue unterwegs und trägt ein bisschen altes Handwerk.