Menschen horten Holz: Rundblick im Bezirk St. Pölten

Erstellt am 02. August 2022 | 20:05
Lesezeit: 3 Min
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In Markersdorf-Haindorf bewirtschaftet Felix Montecuccoli seinen Wald. Die Menschen würden sich mit Holz eindecken, meint er.
Foto: Montecuccoli
Hohe Nachfrage sorgt für Preissteigerungen und Versorgungsengpässe.
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Besitzer von Holzheizungen haben sich zu Beginn der Spannungen rund um die russischen Gaslieferungen wohl noch in Sicherheit gewogen. Doch das ist jetzt vorbei: Es häufen sich die Beschwerden wegen Lieferproblemen und Teuerungen beim Holz.

Felix Montecuccoli vom Forstbetrieb Mitterau meint dazu: Mittelfristig gesehen gebe es zwar genug Holz, aber heuer komme es durch die enorme Nachfrage zu Versorgungsengpässen. „Die Menschen horten ihr Heizmaterial und besorgen sich teilweise die dreifache Menge von ihrem normalen Verbrauch.“

Er verweist außerdem auf den langen Produktionszeitraum von Holz, da es ein Jahr im Vorhinein geerntet werden muss. Gerade wer einen Scheitholzofen hat, müsse sich der langen Vorlaufszeit bewusst sein. Wer bereit ist, etwas anderes als Buchenscheite zu nehmen, dürfte in nächster Zeit allerdings kein Problem haben. Montecuccoli bevorzugt Hackgut, da Pellets viel Energie zum Herstellen benötigen würden.

Unsicherheit treibt Preise in die Höhe

Auch Geschäftsführer Harald Hummer vom Raiffeisen-Lagerhaus moniert eine hohe Nachfrage aufgrund der derzeitigen Unsicherheit. Das Risiko bestehe, dass die Preise noch weiter steigen. Er gibt den Rat, Holz-Pellets jetzt zu bestellen, auch wenn diese deutlich teurer als im Vorjahr sind. Die Preisentwicklung in den nächsten Jahren ist unklar. „Wir werden unsere Kunden beliefern können, Wartezeiten sind jedoch einzuplanen.“

Die Anfragen an die Arbeiterkammer wegen der Preissteigerungen häufen sich generell, jetzt rückt immer mehr das Thema Heizen in den Fokus. St. Pöltens Bezirksstellenleiter Andreas Windl verweist auf die Mehrfachbelastung in vergangener Zeit durch Kurzarbeit oder sogar Arbeitslosigkeit.

Bei den derzeitigen Preisen beim Holz würden oft externe Faktoren wie Energiekosten oder Lieferschwierigkeiten den Verbrauchern als Begründung genannt werden. Derweil könne Brennholz, das vor Jahren gefällt wurde, nicht wegen der gestiegenen Energiekosten teurer werden, sagt Windl. „Es liegt daher die Vermutung sehr nahe, dass auf dem Rücken der Verbraucher ein gutes Körberlgeld gemacht wird.“

Dürnrohr als Option, FFF will Modernisierungsoffensive

Die Stadt beteuert, die Versorgungssicherheit sei für die kommende Heizperiode gesichert – zumindest für die rund 40 Prozent der Haushalte, die an die Fernwärme angeschlossen sind. Die kommt zu zwei Drittel aus der Müllverbrennungsanlage Dürnrohr. Die restliche Wärmeenergieaufbringung erfolgt über eine KWK-Anlage (Strom und Abwärmenutzung) mit Dampfturbine sowie in der Spitzenabdeckung mit Erdgas-Heißwasserkesseln.

„Bei Bedarf können wir aber auch bis zu 80 Prozent der Wärme aus Dürnrohr beziehen und es könnte Öl statt Gas zum Einsatz gebracht werden“, sagt Bürgermeister Matthias Stadler.

Nicht begeistert davon ist Fridays for Future St. Pölten und schlägt vor: „Die Umstellung auf Erneuerbare in Kombination mit einer Modernisierungsoffensive (Senkung der Vorlauftemperaturen) würde die Wärmeversorgung in St. Pölten ökologischer, ökonomischer und zusätzlich auch unabhängiger machen.“

In St. Pölten sind auf Stadtgebiet derzeit 19 Windkraftanlagen, 22 Kleinwasserkraftwerke und rund 1.000 Photovoltaikanlagen in Betrieb, informiert die Stadt. Die Aktivistengruppe begrüßt die Pläne der EVN für die Errichtung eines Biomassewerkes, dessen Energie mittelfristig rund zwölf Prozent des benötigten Wärmeaufkommens für die Fernwärme liefern soll. Doch auch hier müsse auf Holz aus der Region gesetzt werden.

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