Julia Mascherbauer ist dem "Ruf des Herzens" gefolgt. Julia Mascherbauer übernimmt als Primaria eine der größten kardiologischen Abteilungen Österreichs.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 05. März 2021 (03:13)
MedUni Wien/AKH

Bei Herzproblemen sind die Spezialisten ganz nah. Mit der Abteilung für Innere Medizin 3 beherbergt das Universitätsklinikum St. Pölten eine der größten und renommiertesten kardiologischen Abteilungen Österreichs. „Die Fußstapfen von Harald Mayr sind groß – diese Abteilung ist sein Lebenswerk“, weiß Nachfolgerin Julia Mascherbauer, was die Koryphäe „Großes und Bedeutendes“ hier aufgebaut hat. Das war für sie ein Grund sich dem Auswahlprozess für Mayrs Nachfolge zu stellen.

Seit rund zwei Monaten ist sie nun die neue Primaria. „Alles ist hier gut organisiert und höchst effizient. Angefangen von hervorragend ausgebildeten Mitarbeitern bis hin zur apparativen Infrastruktur“, schwärmt sie. Alle invasive als auch nicht invasive Behandlungsmöglichkeiten der modernen Kardiologie werden hier angeboten“, erläutert die Herzspezialistin. Außerdem streicht sie die guten Kooperationen in In- und Ausland hervor. Aber auch die Zusammenarbeit innerhalb des Krankenhauses, beispielsweise mit Herzchirurgie, Anästhesie und Radiologie biete ein ideales Umfeld.

„Ich kann mir vorstellen, dass hier eine Art Studienzentrum entsteht.“ Primaria Julia Mascherbauer

Neu für sie ist die Notaufnahme. „An der Med Uni Wien gehörte die nicht zur Kardiologie.“ Ein Notfall bedeute immer Stress und dieser sei gerade an einer Herzabteilung alltäglich. In solchen Situationen gelte es, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich seine Kräfte gut einzuteilen. „Stress gehört dazu. Glücklicherweise gibt es auch den Eustress, den man verspürt bei Dingen, die zwar anstrengend sind, man dennoch gerne macht“, betont Mascherbauer. Dazu zählen bei ihr auch lebensrettende Eingriffe, die sowohl geistig als auch körperlich fordern. In St. Pölten wird eine vergleichsweise hohe Zahl dieser Eingriffe durchgeführt.

Nicht zu kurz kommen darf bei Mascherbauer die Forschung. Die will sie noch weiter ausbauen, die Kooperation mit der Karl Landsteiner Universität soll mehr genutzt werden. „Ich kann mir vorstellen, dass hier eine Art Studienzentrum entsteht. Es laufen bereits einige Projekte, die großes Potenzial haben.“ Als überregionales Zentrum für Klappeneingriffe und Behandlung der Herzinsuffizienz ist St. Pölten bereits gut etabliert.

Eine nicht zu vernachlässigende Rolle in ihrer Eingewöhnungszeit spielt natürlich auch Corona. Es gibt Hinweise, dass sich manche Patienten wegen COVID später mit ihren Beschwerden an ihre Hausärzte wenden. „Das ist ein großes Problem. Je schneller ein Herzinfarkt erkannt wird, desto größer ist die Chance auf Heilung“, erklärt die Spezialistin. Es besteht die Gefahr, dass die Patienten aus Angst vor einer Infektion später und in schlechterem Zustand ins Spital kommen und daher auch mit einem schlechteren Ergebnis wieder nach Hause gehen müssen. „Die Leute brauchen sich vor dem Spital nicht fürchten. Die Corona-Verdachtsfälle werden bereits im Eingangsbereich getestet und abgesondert“, versichert Mascherbauer. Geplante stationäre Aufnahmen sind überhaupt nur mit negativem Corona-Test möglich. Außerdem sei das Personal bereits durchgeimpft, und das Risiko einer Ansteckung so minimiert.

Corona kann auch Spuren am Herzen hinterlassen. Die Forschung stecke aber noch in den Kinderschuhen. Bei einigen Patienten sei durch die Virusinfektion neben der Lunge auch der Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen worden. Genaueres werde man in ein paar Jahren mit Sicherheit sagen können.

Eines kann Mascherbauer aber mit Sicherheit behaupten: „In St. Pölten kann man als Herzpatient beruhigt sein, denn es gibt die beste Versorgung des Landes gleich direkt vor der eigenen Haustür.“