Novum bei der Behandlung von Krebsleiden. St. Pöltner Spital ist das einzige in NÖ, das nun körpereigene Knochenmark-Stammzellen transplantiert.

Von Thomas Werth. Erstellt am 15. Mai 2019 (06:28)
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Alexandra Manhart mit den Oberärzten Gerhard Krajnik und Petra Pichler, Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Primar Martin Wiesholzer in einem der neuen Spezial-Zimmer.

Auf den ersten Blick sehen sie aus wie zwei gewöhnliche Einzelzimmer in der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 1. Doch die von der restlichen Bettenstation getrennten Zimmer sind einzigartig in Niederösterreichs Spital-Landschaft.

Sie ermöglichen nämlich die Transplantation von körpereigenen Stammzellen des Knochenmarks. Derzeit werden rund 50 Patienten in umliegenden Bundesländern behandelt, ab sofort soll dies im Universitätsklinikum geschehen. Die Kapazität reicht, um alle Patienten aus Niederösterreich behandeln zu können.

Angewendet wird das Verfahren vor allem bei Erkrankungen des Knochenmarks sowie bei bestimmten Formen von Lymphdrüsenkrebs und soliden Tumoren. Zunächst wird mit einer Chemotherapie die Erkrankung zurückgedrängt. Danach wird das Knochenmark mittels Wachstumsfaktoren so sehr stimuliert, dass die Mutterzellen der Blutzellen für kurze Zeit aus dem Knochenmark in das Blut ausgeschwemmt werden.

Diese Stammzellen des Knochenmarks können dann gesammelt und tiefgefroren werden. Dann folgt eine weitere, hochdosierte Chemotherapie, um die restlichen Krebszellen abzutöten. Das dadurch schwer geschädigte Knochenmark kann durch die Rückgabe der Stammzellen in wenigen Tagen wiederhergestellt werden.

Infektion der Patienten muss verhindert werden

In den beiden Zimmern, den sogenannten Stammzellen-Transplantationseinheiten, ist Vorsicht oberstes Gebot. Durch eine Reihe von Maßnahmen, wie spezielle Luftfilter, soll eine Infektion der Patienten in der kritischen Phase verhindert werden.

„Der Zugang zu den Zimmern ist stark eingeschränkt und erfolgt über einen eigenen Vorraum, in dem auch das Auftauen der tiefgefrorenen Stammzellen geschieht“, erklärt Ramona Ecker von der Landeskliniken-Holding.

Ein ausschlaggebender Grund, warum das St. Pöltner Spital diese Einheiten bekam, war das hochspezialisierte, in der Behandlung von Patienten mit Bluterkrankungen und stark geschwächtem Abwehrsystem erfahrene Team: „Im Fall von Komplikationen bedarf es nämlich einer Reihe von unterstützenden Fachabteilungen, die hier rund um die Uhr zur Verfügung stehen“, betont Ecker.