Schädel-OP bei vollem Bewusstsein miterlebt. Um wieder hören zu können, wäre Eingriff mit Vollnarkose notwendig gewesen. Patient vertraute aber auf Lokalanästhesie.

Von Maria Prchal. Erstellt am 23. Februar 2017 (12:11)
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Schon bald nach der OP konnteAnton Ullram wieder hören.

Jahrelang musste Anton Ullram miterleben, wie sein Gehör immer schlechter wurde. Bis schließlich der Punkt kam, an dem der 72-Jährige gar nichts mehr hörte.

NOEN, Eduard Riedl
Schon bald nach der OP konnteAnton Ullram wieder hören.

Eigentlich wird in so einem Fall ein Cochlea-Implantant eingesetzt, in St. Pölten ist das rund 120 Mal im Jahr der Fall – genauso oft wie im Wiener AKH. Doch bei Ullram gab es ein Problem: „Er war schon in einem ziemlich schlechten Allgemeinzustand. Die für den Eingriff nötige Vollnarkose wäre zu gefährlich gewesen“, erklärt Georg Sprinzl, Leiter der HNO-Abteilung des Universitätsklinikums.

Der Verlust seines Gehörs stürzte den Unter-Oberndorfer in Depressionen. „Wir waren komplett verzweifelt, wer macht so eine OP schon ohne Vollnarkose?“, befürchtete Ullram. Nach langem Hin und Her erklärte sich Sprinzl aber schließlich doch bereit, nur auf eine Lokalanästhesie zu setzen. „Er war total verzweifelt, wir waren seine letzte Hoffnung“, so der Arzt. Nervös war Ullram nicht, schlimmer hätte es für ihn nicht werden können.

Sorge war auch nicht nötig: Die Operation verlief nicht nur ohne Komplikationen, der Hörerfolg stellte sich auch sofort ein, obwohl das normalerweise bis zu einem halben Jahr dauern kann. „Zu Weihnachten kamen die Kinder zu Besuch und sie waren es schon gewohnt, dass sie nur mit Stift und Zettel mit mir kommunizieren können“, so der 72-Jährige, „es war ein emotionaler Moment als sie gesehen haben, dass wir normal miteinander reden können.“