Stadtsäle abgedeckt, viele Überflutungen und Blitze. Am Dienstagabend gingen erneut schwere Unwetter nieder. In St. Pölten wurden Teile des Blechdachs der Stadtsäle abgetragen. In Stadt und Bezirk rückten die Freiwilligen Feuerwehren zu insgesamt 270 Einsätzen aus. Keller und Straßen waren überflutet. Hotspots waren etwa erneut St. Georgen und Pyhra.

Von Redaktion noen.at und Gila Wohlmann. Update am 02. August 2020 (17:26)

Zahlreiche Schäden hat das Unwetter der letzten Nacht in der Stadt St. Pölten und Bezirk hinterlassen und die Feuerwehren ordentlich gefordert. Vielerorts gab es Überflutungen. Bäume und Äste stürzten auf Straßen, Autos und Leitungen. Bäche sind über die Ufer getreten, auch Sandsäcke kamen zum Einsatz, berichtet Landes- und Stadtfeuerwehrkommandant Diemar Fahrafellner. Von gestern 20 Uhr bis in die heutigen Morgenstunden waren 500 Mann von 45 Feuerwehren im Einsatz, ergänzt Bezirksfeuerwehrkommandant Georg Schröder. Am Morgen arbeiteten die Feuerwehren noch im Bereich Ober-Grafendorf, Haunoldstein und St. Pölten-Stadt.

In St. Pölten wurden durch das Unwetter Teile des Blechdachs der Stadtsäle beim Cityhotel D&C abgedeckt, die Decke drohte sogar einzustürzen. Es hat laut Fahrafellner auch extrem viele Blitze in der Region gegeben. In Waitzendorf wurde durch einen Blitzschlag der Kamin einen Hauses regelrecht weggesprengt und das halbe Dach weggerissen. In Viehofen stürzte ein Baum  auf ein Auto. 

Insgesamt bewältigten die Feuerwehren in Stadt und Bezirk 270 Einsätze, alleine 100 davon in der Landeshauptstadt. „Kurzzeitig dachten wir, die Welt geht unter. Sechs Disponenten schafften es in der Bezirksalarmzentrale fast nicht mehr, die im Sekundentakt eintreffenden Notrufe abzuarbeiten", berichtet Bezirkskommandant Georg Schröder. Es habe aber alles gut funktioniert, so Dietmar Fahrafellner, die Disponenten waren zeitgerecht eingesetzt. "In dieser Nacht haben unsere Feuerwehren wieder einmal ihre Schlagkraft unter Beweis gestellt und unter oft gefährlichen Bedingungen rasch geholfen. Jede einzelne Feuerwehr ist wichtig, nur deshalb können wir hunderte Einsätze fast gleichzeitig bewältigen und niemand muss stundenlang auf Hilfe warten“, unterstreicht Schröder.

 Straßen und Keller in St. Georgen unter Wasser

 Schwer vom Unwetter betroffen war auch St. Georgen/Steinfelde. Innerhalb kürzester Zeit gingen zwischen 60-80 Liter/m² nieder. Diese Wassermassen brachte das Kanalsystem an seine Grenzen.

Um 20.38 Uhr wurde die Feuerwehr St. Pölten-St. Georgen zu mehreren Unwettereinsätzen im Ortsgebiet gerufen. Den Schwerpunkt bildeten Auspumparbeiten, so stand in der Georg-Sigl-Straße ein Pferdehof komplett unter Wasser, auch mussten Gebäude, in erster Linie die Kellerbereiche, in der Karl Kraus-Straße, Salpetergasse, Hauptstraße, Fridauerstraße und Siegfried-Marcus-Straße von den Wassermassen befreit werden. Ein Industriebetrieb in der Ghegastraße wurde ebenso im Keller komplett geflutet.

„Hier kamen insgesamt fünf Tauchpumpen und mehrere Nasssauger zum Einsatz“, schildert Christoph Eque von der Feuerwehr St. Pölten-St. Georgen. In der Josef-Weidmann-Straße stürzte ein Baum auf die Straße.

Die Feuerwehren St. Pölten-Stadt und Wilhelmsburg unterstützten aufgrund der hohen Anzahl  der Einsätze die St. Georgener Kameraden.

Keller in Pyhra mussten ausgepumpt werden

Pyhra zählte aufgrund der hohen Niederschlagsmengen zu einer der am meisten betroffenen Gemeinden. „Kurz vor 21 Uhr begann die Einsatzserie mit einem Notruf aus Schnabling.

FF Pyhra-Markt

Von den um­liegenden Feldern konnte das Wasser nicht mehr auf­ge­nommen werden. Auch die Kanäle waren mit der großen Menge von 56 Litern pro Stunde und Quadratmeter über­fordert. Die Folge waren mehrere geflutete Keller, die ausgepumpt werden mussten“, schildert Ronald Boda von der FF Pyhra-Markt.

Parallel dazu trafen mehrere Notrufe sowohl über das Handy als auch über die Bereichs­alarm­zentrale ein. Insgesamt wurden gestern Abend 17 Einsatz­adressen angefahren. „Die Bewältigung der not­wendigen Arbeiten war nur mit der Hilfe aller Feuer­wehren in unserer Gemeinde möglich. Etliche Sandsäcke, Tauch­pumpen und Not­strom­aggregate waren so in kürzest möglicher Zeit verfügbar und einsatz­bereit“, bilanziert er, denn auch die Feuerwehren aus Perersdorf und Wald standen im Einsatz.

FF Pyhra-Markt

Nach Stunden herausfordernder Arbeit  wurden noch noch alle ver­wendeten Gerät­schaften gereinigt, Treib­stoff­tanks der Geräte nach­gefüllt und die Einsatz­bereit­schaft wieder­her­gestellt.

Zwölf Einsätze in Pottenbrunn

FF St. Pölten-Pottenbrunn

In Pottenbrunn fielen in kurzer Zeit rund 45 Liter pro Quadratmeter.  Aufgrund der starken Regenfälle konnten die Kanalisation und der Boden die Niederschläge nicht mehr aufnehmen und so traten hauptsächlich im Bereich der Bundesstraße 1 und des Hofkellerweges Überschwemmungen und Vermurungen auf, einige Keller wurden unter Wasser gesetzt. Die Freiwillige Feuerwehr St. Pölten-Pottenbrunn war mit vier Fahrzeugen und 20 Mann im Einsatz, um der Bevölkerung zu helfen. Unterstützt wurde sie von den Feuerwehren St. Pölten-Ratzersdorf, St. Pölten-Wagram und Obertiefenbach. Innerhalb von vier Stunden wurden zwölf Schadensereignisse abgearbeitet.