Bezirk St. Pölten: 49 Wehren an 132 Orten im Einsatz. Im Bezirk St. Pölten waren am Wochenende bis zum Sonntagabend 49 Feuerwehren mit rund 600 Mitgliedern im Einsatz.

Von Gila Wohlmann. Update am 22. Juli 2021 (11:34)

Hauptschwerpunkte waren letztlich die Gemeinden Inzersdorf ob der Traisen, Nußdorf ob der Traisen, Statzendorf, Traismauer sowie Wölbling. Was kleinräumig begann, weitete sich binnen kürzester Zeit auf größere Gebiete aus und immer mehr Bürger waren von den starken Regenfällen betroffen.

„Straßen wurden zu reißenden Bächen, Regenwasser konnte nicht mehr versickern, Schlammmassen wälzten sich über Felder und Wiesen, eine Vielzahl von Kellern war mit Wasser vollgelaufen“, schildert Feuerwehr-Bezirkssachbearbeiter Florian Schmidbauer.

Um 18 Uhr waren 49 Feuerwehren an 132 Einsatzadressen im Einsatz. Zur Unterstützung der lokalen Kräfte wurden Feuerwehren aus dem gesamten Bezirk St. Pölten zur Unterstützung alarmiert.

„Die rund 600 eingesetzten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren werden auch noch die nächsten Stunden alle Hände voll zu tun haben“, kündigte Schmidbauer am Sonntagabend an.

Wir hatten seit Samstag berichtet:

Straßen, Keller und Gärten überflutet. Bislang kein größerer Schaden.

Die heftigen Regenfälle seit Samstagmorgen führten bereits zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen im Bezirk St. Pölten-Land. Straßen und Gärten waren überflutet, Kanäle konnte die Wassermassen nicht mehr fassen, Keller mussten ausgepumpt werden.

„Ab 07.30 Uhr  läutete der Feuerwehrnotruf im Minutentakt, die Bereichsalarmzentrale wurde aufgrund der Wetterprognose vorsorglich mit vier Disponenten besetzt, die alle Hände voll zu tun hatten“, berichtet FF-Bezirkssachbarbeiter Florian Schmidtbauer.

Vorbeugende Maßnahmen in St. Pölten und Wilhelmsburg

In der Landeshauptstadt wurden vorsorglich Sandsäcke befüllt, um neuralgische Punkte zu schützen. Die Feuerwehr Wihelmsburg-Stadt baute in der Freiligrathstraße vorbeugend einen mobilen Hochwasserschutz auf, in Pömmern räumten die Wilhelmsburger Feuerwehrmitglieder einen Kanal zu einem Teich frei. Auch die Feuerwehr Harland musste zu einem Unwettereinsatz ausrücken, so wie viele andere Feuerwehren im Bezirk.

Obergrafendorf: Feuerwehr half beim Sickergraben

In Ober-Grafendorf unterstützte die örtliche Feuerwehr einen Hausbesitzer beim Anlegen eines Sickergrabens, da dessen Garten unter Wasser stand und half andernorts  beim Auspumpen eines Kellers am "Pfarried". "Wir machen laufend Kontrollfahrten", schilderte Kommandant Karl Lechner. Einen verstopften Kanal musste indes die Feuerwehr Weinburg freilegen; bislang hielten sich im Pielachtal laut Abschnittskommandant-Stellvertreter Walter Bugl die Einsätze noch in Grenzen. 

FF Herzogenburg musste Entwässerungsgraben ausheben

Einen Unwettereinsatz gab es am Samstagmorgen auch in Herzogenburg. Ein Innenhof eines Gebäudes stand unter Wasser.

Die Feuerwehr hob einen Entwässerungsgraben aus, um das stehende Wasser abfließen zu lassen und einen weiteren Wassereintritt in die umliegenden Keller zu verhindern.

Neunlengbach: Laabenbach trat über die Ufer

In Neulengbach trat der Laabenbach im Bereich der Sturmbrücke über die Ufer. Die Straße wurde überschwemmt, Anrainer hatten das das Wasser im Keller und im Garten.

100mm/Quadratmeter  zeigte der Regenmesser eines Feuerwehrmannes in Totzenbach am Samstagvormittag an. Die Feuerwehr wurde zu Hochwassereinsätzen gerufen. 15 Mann arbeiteten gleichzeitig drei Stunden an mehreren Einsatzorten. Bei der Schlosswiese trat der Totzenbach aufgrund einer Verklausung der unterirdisch geführten Strassenquerung des Baches  über die Ufer.

"Es bestand die Gefahr, dass das angrenzende Wohngebäude geflutet wird", so die Info der Feuerwehr. Vier Mann gelang es, die Verklausung zu entfernen. Im Bereich der Bruckfeldsiedlung wurden vier Keller ausgepumpt und mit Unterstützung der FF Neulengbach mit einem Nasssauger auch die restlichen Wassermengen entfernt.

In der Landeshauptstadt hatte die St. Pöltner Stadtfeuerwehr am Samstag in erster Linie Auspumparbeiten zu bewältigen.

Überschwemmungen in Türnau

Am Sonntag war die Regen- und Hochwasser Situation in ganz Niederösterreich noch sehr angespannt. Bis in die späten Abendstunden blieb St. Margarethen an der Sierning verschont. Dann gab es jedoch gleich zwei Einsätze: Einerseits mussten die Florianis nach Rametzhofen in die Nachbargemeinde Bischofstetten ausrücken, ebenso nach Türnau. Auch die Feuerwehr Weinburg kam zur Unterstützung nach Ramtzhofen hinzu.
In Türnau ging der Bach über, wodurch es zu mehreren Verklausungen im Bereich von  Garagen und Hallen kam. Zum Wegpumpen der Wassermassen setzte die Feuerwehr ein Tauchpumpe ein. Meldungen aus Nachbargemeinden, dass die Sierning über die Ufer getreten sei, bestätigten sich laut Feuerwehr nicht.

FF Karlstetten hilft im Bezirk Melk

 

Die Feuerwehr Karlstetten ist mit allen Fahrzeugen und rund 20 Mitgliedern in den Nachbarbezirk Melk ausgerückt und unterstützt in Kochholz die dortigen Kameraden beim Unwettereinsatz.

Mehr als 50 Schadenstellen

Die bis dato 25 alarmierten Feuerwehren arbeiteten mehr als 50 Schadensstellen ab. 43 Feuerwehrfahrzeuge mit 222 Einsatzkräften stehen bzw. standen dabei im Einsatz. Ab 11 Uhr war das Unwetter vorübergezogen und die ersten Feuerwehren konnten wieder einrücken.

Am Sonntag-Nachmittag herrschte dann Starkregen im Fladnitztal. Im Unwettereinsatz stehen die Freiwilligen Feuerwehren Kleinrust-Fugging, Statzendorf, Kuffern, Schweinern, Oberwölbling und Hausheim-Noppendorf.

St. Pöltener Florianis halfen auch in Belgien

Fünf Mitglieder der Stadtfeuerwehr St. Pölten rückten zum Hochwassereinsatz in Belgien aus. „Wir danken den Firmen, dass sie ihre Mitarbeiter für den Unwettereinsatz freigestellt haben“, sagt Kevin Luger von der Stadtfeuerwehr.