Urteil für „Meth-Kocher“ und Cannabis-Plantagen-Züchter. Geld- und Haftstrafen setzte es für die Angeklagten in einem Drogen-Prozess am Landesgericht St. Pölten. Die beiden Männer haben Methamphetamine hergestellt und Cannabis gezüchtet, konsumiert und verkauft.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 18. Dezember 2020 (19:27)
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In einem versteckten Kellerraum in einem Wohnhaus im Bezirk St. Pölten beschlagnahmte die Polizei im Sommer 140 Cannabis-Pflanzen. Der 47-Jährige, dem das Haus gehört, baute größtenteils für den Eigenkonsum an und rauchte das „Gras“ mit seiner Frau, insgesamt soll er rund zwei Kilo geerntet haben, fast ein halbes Kilo davon verkaufte er auch um eine Stromrechnung zu bezahlen, wie er sagt. Auch in der letzten Verhandlung im Dezember war er dazu geständig, die Menge wurde diesmal aber korrigiert.

Unter den Pflanzen, die die Polizei fand, sollen auch CBD-Pflanzen gewesen sein – das sagt der Angeklagte allerdings zum ersten Mal, die Polizei kann dazu keine genauen Angaben machen. Der Staatsanwalt sieht darin einen Versuch das Strafmaß abzumildern. Ein Zeuge, der in seinem Geschäft alles rund um Hanf verkauft, bestätigt immerhin, dass er dem Angeklagten einige Samen mit einer sehr niedrigen (und damit legalen) THC-Anteil zur Aufzucht gegeben hat.

"Drogenlabor im Baucontainer"

Der Angeklagte tauchte allerdings noch an einem anderen interessanten Ort auf. Und zwar in einem weißen Baucontainer in Böheimkirchen, den die Polizei über längere Zeit observierte. Ein „Drogenlabor“, in dem sowohl er als auch ein 31-jähriger Erstangeklagte „Crystal Meth“ gekocht haben soll – allerdings nicht zusammen, sondern zu verschiedenen Zeitpunkten betonen die Verteidiger. Der Erstangeklagte soll auch im Haus des 47-Jährigen „gekocht“ haben sowie an der Indoor-Plantage beteiligt gewesen sein. Beiden werden Drogendelikte im Zeitraum von 2018 bis Frühjahr beziehungsweise Sommer 2020 vorgeworfen.

Der 31-Jährige, der Meth und Cannabis auch aus Tschechien eingeführt haben soll, hatte außerdem auch in Wohnungen verschiedener anderer Freunde „gekocht“, etwa in Traisen, Hofstetten, Wien und Böheimkirchen. Einige Male soll es beim Versuch geblieben sein, da das „Kochen“ scheiterte. „Ich will von dem Zeug wegkommen und eine Therapie machen“, sagt der Mann, der seit seinem 18. Lebensjahr abhängig von Meth ist. Sein Verteidiger nennt es einen „Hilfeschrei“. Beide Verteidiger sagen, ihre Mandanten hätten größtenteils für den Eigenkonsum produziert und gehandelt.

Strafmaßbestimmung als Rechenaufgabe

Das glaubt ihnen der Richter. Doch die Beratung des Senats dauert lange. Weil die Angeklagten bei den Vernehmungen unterschiedliche Mengenangaben gemacht haben, muss der Richter so einige Rechenaufgaben lösen. Nach einer Stunde steht das Urteil fest: Der 31-jährige Hauptangeklagte muss wegen Suchtgifthandels für zwei Jahre ins Gefängnis. Weil er schon mehrmals einschlägig verurteilt wurde darf er keine Fußfessel beantragen. Der 47-Jährige Mitangeklagte muss 5.000 Euro Strafe zahlen und bekommt zwölf Monate bedingte Haft sowie eine Weisung für eine ambulante Drogenentwöhnungstherapie.