Vandalen in VP-Büro hinterließen Joints. Einbrecher / Bezirkszentrale am Völklplatz wurde verwüstet. Die Täter hatten es nicht auf Computer abgesehen, sondern auf Zerstörung.

Von Mario Kern und Daniel Lohninger. Erstellt am 18. Mai 2015 (07:49)
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Vandalen in VP-Büro hinterließen Joints

Bezirkszentrale am Völklplatz wurde verwüstet. Die Täter hatten es nicht auf Computer abgesehen, sondern auf Zerstörung

Nach wie vor keine Spur gibt es zu den Tätern, die in der Vorwoche in die ÖVP-Bezirkszentrale am Völklplatz eingebrochen sind. Sie hatten dort – NÖN.at berichtete exklusiv – in der Nacht von Montag auf Dienstag massive Verwüstungen angerichtet.

Ob es einen Zusammenhang mit den Einbrüchen in mehreren Wiener Parteibüros im Palais Epstein in der Nacht auf Sonntag gibt, war zu Redaktionsschluss nicht bekannt.

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„Das war ein reiner Zerstörungsakt“, ärgert sich ÖVP-Bezirksgeschäftsführer Matthias Adl. Das bestätigen auch erste Ermittlungen der Polizei, die von einem Vandalenakt ausgeht. Die Einbrecher verwüsteten das Büro, rissen Laden heraus, zertrümmerten (leere) Sparschweine, zerstörten fünf Türen, meißelten sogar einen Türstock heraus und rissen einen Teil des Fußbodens auf. Auch zwei angefangene Grappa-Flaschen tranken die Vandalen aus. Kein Interesse hatten die Täter hingegen an Computern und Laptops. Stattdessen hinterließen sie am Tatort „ausgedrückte“ Joints, die die Polizei sicherstellte.

Der angerichtete Schaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf mehrere tausend Euro. Es ist nicht das erste Mal, dass die ÖVP-Bezirkszentrale in St. Pölten zum Ziel von Einbrechern geworden ist – zuletzt war das 2006 der Fall.


Hakenkreuz am SJ-Bus

Sozialistische Jugend bringt Nazi-Schmierage mit Pickerl-Verteil-Aktion der Identitären in Verbindung. Diese empfehlen der SJ, "auch in den eigenen Reihen zu suchen".

Die vielen Aufkleber und Transparente der Identitären Bewegung (IB), die vor etwa einer Woche in der Stadt auftauchten, sind der Sozialistischen Jugend mehr als nur ein Dorn im Auge: „Just am Sonntag, als wir am Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus in Mauthausen waren, haben sie St. Pölten mit ihren Naziparolen zugemüllt“, zeigte sich SJ-Landesvorsitzender Boris Ginner erbost.

SJ-Bus wurde mit Hakenkreuz beschmiert

Auf den SJ-Bus wurde zudem ein Hakenkreuz gemalt, die Jungsozialisten haben deshalb beim Landesamt für Verfassungsschutz Anzeige gegen Unbekannt eingebracht. „Wir halten einen Zusammenhang mit den Aktivitäten der rechtsextremen Identitären für möglich. Wir vermuten, dass es kein Zufall war, dass die Bewegung ihre Pickerl verteilt hat und am selben Tag ein Hakenkreuz auf unserem Bus auftaucht“, so Ginner.

Identitären  als „Gruppierung am rechten Rand“

In ihrer Einordnung der Bewegung stützt sich die SJ auf das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands, das sie als rechtsextrem einstuft. Zurückhaltender ist die Exekutive: Sie ordnet die Identitären lediglich als „Gruppierung am rechten Rand“ ein. Das Landesamt Verfassungsschutz ermittelt bereits wegen der Aktionen, darunter auch ein beim Landtagsschiff angebrachtes Plakat.

Die Identitären hingegen weisen den Nazi-Vorwurf von sich und betonen, grundsätzlich keine NS-Parolen zu verbreiten. Man wisse nicht, wer den Bus beschmiert habe, bedauere den Vorfall. „Wir empfehlen der SJ nicht zu versäumen, auch in den eigenen Reihen nach den Tätern zu suchen“, da es in der Vergangenheit False-Flag-Aktionen dieser Art gegeben habe, betonen Österreich-Obmann Alexander Markovics und Landesleiter Thomas Sellner. Die Plakatier-Aktion wiederum sei Teil einer bundesweiten Kampagne gewesen. Und: St. Pölten habe seit dem ersten IB-Treffen eine aktive Gruppe.