Missstände in Schweinezucht im Bezirk St. Pölten. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) erhebt Vorwürfe gegen eine Schweinezucht im Bezirk St. Pölten-Land.

Von APA / NÖN.at und Gila Wohlmann. Erstellt am 07. April 2021 (10:57)
Symbolbild
APA (Webpic)

Verletzte Schweine, etliche Ferkel sind bereits tot: Das zeigen Aufnahmen, die der Verein gegen Tierfabriken (VGT) am Mittwoch veröffentlichte. Diese wurden der Tierschutzorganisation zugespielt. Sie sollen zum Teil bis um Weihnachten zurückreichen. Der VGT gegen hat Anzeige wegen Tierquälerei bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten eingebracht. "Die Mutterschweine in dem Betrieb waren dauerhaft in Kastenständen eingesperrt, bei der Kastration wurden sichtlich die Vorgaben zur Betäubung nicht eingehalten", sagt VGT-Sprecher David Richter zur NÖN.

Kastration ohne Betäubung ist in Österreich erlaubt, jedoch muss zumindest eine wirksame Schmerzlinderung durch die Verabreichung eines Schmerzmittels erfolgen. Dies soll rund 30 Minuten vor dem Eingriff, so Richter, geschehen. "Auf den Videoaufnahmen sieht man zwar, dass irgendetwas gespritzt wird; die Kastration folgt aber bereits kurz darauf", kritisierte Richter die Methoden in diesem Betrieb. Überdies seien dort allen Schweinen die Schwänze abgeschnitten worden, für den VGT ein klarer Verstoß gegen die EU-Richtlinie. Die Tiere seien auf Vollspaltenboden ohne Stroheinstreu gehalten worden - Missstände gegen die der Tierschutzverein schon lange wettert.

Weil Schweine in der Leistungszucht teilweise mehr Ferkel bekommen, als sie Zitzen haben, verletzen sich die Jungtiere im Kampf um Muttermilch oft gegenseitig. Aufnahmen von Tieren mit blutigen Kratzern würden darauf Rückschlüsse lassen. Auch mehrere tote Ferkel sind am Bildmaterial zu sehen. Einige Tierkadaver wiesen bereits starke Verwesungsspuren auf. Weiters wird gezeigt, wie Arbeiter tote Ferkel in Kübeln einsammeln. "Die Behälter der Tierkörperverwertung vor der Zuchtanlage sind randvoll mit verstorbenen Schweinen", wettert der VGT-Sprecher. Leopold Bien, Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten, bestätigt, dass Anzeigen gegen einen Betrieb eingegangen seien, diese würden aber erst gesichtet und daher noch nicht kommentiert.

Bezirkshauptmann Josef Kronister erfuhr am Mittwochvormittag erst über die Medien über die vermeintlichen Verstöße „Wir haben jetzt die Polizei beauftragt, Erhebungen einzuleiten.“  Verstöße gegen das Tierschutzgesetz anzuzeigen, sei wichtig, die Vorgangsweise der Tierschützer stellt er aber infrage. Das Bild- und Videomaterial, das dem Verein gegen Tierfabriken zugestellt wurde,  soll, wie man beim VGT bestätigt, zum Teil schon vom Jahresende und danach sein. "Wieso meldet man das nicht gleich? Wenn Tierquälerei im Raum steht, kann die Behörde sofort agieren und etwaige Missstände umgehend abstellen", wirft er in den Raum. So würden Tiere,  sollten Verstöße vorliegen, nur unnötig länger einem Leiden ausgesetzt.