Gemüse wächst in St. Pölten in den Himmel . Im Rahmen von „Smart Pölten“ untersucht Institut Möglichkeiten für Anbau an und in Gebäuden.

Von Nadja Straubinger. Update am 05. September 2017 (16:43)
Symbolbild
Vertical Farming

Gemüse, Fisch und Champignons von der Ernte in wenigen Minuten auf den Tisch – das ist eine der Visionen, des laufenden Projekts „Smart Pölten“. Umsetzbar soll das mittels Vertical Farming, einer urbanen Form der Landwirtschaft, sein.

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Gebäude für die Projektstudie stehen in der Eybnerstraße, ....

Vier Gebäude in St. Pölten stehen dem Team rund um den Architekten Daniel Podmirseg vom „vertical farm institute“ (vfi) für eine einjährige Projektstudie zur Verfügung. In dieser Zeit soll geklärt werden, was umsetzbar ist. Die Wohnhäuser müssen in den nächsten fünf bis zehn Jahren saniert werden. Ziel dabei ist es, die Energieeffizienz zu steigern. „Die Gebäude sind aus den 1960er und 1970er Jahren.

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.... der Josefstraße, .....

Sie sind schlecht isoliert, haben eine schlechte Deckung, und auch die Bausubstanz ist oft nicht mehr so gut“, berichtet Podmirseg. Als einfachste Lösung könnte er sich ein Gewächshaus auf dem Dach vorstellen. „Das hat den positiven Effekt, dass der Energiebedarf gesenkt wird – und gleichzeitig Lebensmittel lokal wachsen“, so der Architekt.

„Es wird ein partizipativer Prozess, bei dem viel in Abstimmung mit den Bürgern stattfinden wird.“ Stefan Parnreiter Mathys, Geschäftsführer vfi

Neben dem Glashaus auf dem Dach bietet Vertical Farming zwei weitere Möglichkeiten zur Umsetzung: „Vor die dreigeschoßigen Gebäude könnte einer Fassade ein Glashaus vorgelagert werden. Dann schaut jeder Bewohner in seinen vertikalen Garten. Es gibt aber auch die Möglichkeit, ein ganzes Geschoß oder auch nur einen Teil davon zu nutzen“, führt Podmirseg aus. Man könne die Planung mit einem Legospiel vergleichen bei dem mit grünen Blöcken für die Pflanzen und mit weißen Blöcken für die Wohneinheiten die optimale Lage für beide Ansprüche ermittelt wird.

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... der Linzer Straße und ...

„Wir haben von der Österreichischen Forschungs- und Förderungsgesellschaft die Zusage für das Projekt erhalten. Das Projekt wird also aller Voraussicht nach wie geplant im Oktober starten und zwölf Monate dauern“, so Rathaussprecher Heinz Steinbrecher. Es handle sich dabei um eine Machbarkeitsstudie, erst danach könne um die Förderung für eine mögliche Umsetzung angesucht werden.

NOEN, privat
der Mariazeller Straße.

Interaktion mit Bewohnern

„Es wird ein partizipativer Prozess, bei dem viel in Abstimmung mit den Bürgern stattfinden wird“, so Geschäftsführer Stefan Parnreiter-Mathys. Insbesondere stelle sich die Frage nach dem späteren Betreiber der Vertikalen Farm: Ob die Bewohner sich selbst einbringen wollen und die Farm mieten oder ob es ein Service der Gemeinde werden soll. Die erste Infoveranstaltung für Bürger soll noch heuer stattfinden.

NOEN, Grafik: vertical farming institute
So könnte eine vertikale Farm aussehen. Das Projekt wurde für Innsbruck entwickelt.

Im Rahmen des Projekts in St. Pölten möchte das vfi auch den Nutzpflanzenkatalog für Vertical Farming erweitern. „Bisher werden vor allem Blattsalate und Kräuter angebaut. Kartoffeln, Aquaponic-Systeme für die Fischaufzucht und so weiter sind Ziele“, sagt Podmirseg. Damit könnten sogar proteinreiche und energiereiche Nahrungsmittel in der Stadt produziert werden. Auch in St. Pölten wären in den Häusern Aquaponic-Systeme denkbar.

„Das hängt aber von der Statik ab. Die Wassertanks haben ja ein hohes Gewicht“, erklärt Podmirseg. Eine Möglichkeit dafür wäre die Nutzung der Keller. Die sind besonders in alten Häusern oft kalt, feucht und ungemütlich. „Die Fische stört das nicht. Die Keller bieten außerdem einen guten Lebensraum für Pilze“, sagt der Architekt.

Die Kosten für die Umsetzung einer Vertikalen Farm hängen von der Nutzung ab. „Die Amortisierung beträgt zwischen sieben und 20 Jahren. Im Durchschnitt kann ein Investor rechnen, dass er in zwölf Jahren sein Geld zurückhat“, so Parnreiter-Mathys.

Verbaute Fläche besser ausnützen

Ein wesentlicher Vorteil von Vertical Farming ist es, die verbauten Flächen besser auszunützen. Ein frühes Beispiel dafür ist etwa der Ruthner Turm von Othmar Ruthner. Vor mehr als 50 Jahren entstand einer in Wien, bei dem es darum ging, den Erntearbeitern die Arbeit zu erleichtern, weil sie sich nicht mehr so oft bücken mussten. „Heute hat die Umstellung auf die Vertikale andere Gründe. Die Nutzflächen für die Landwirtschaft gehen mit der Zeit aus. Neue können nur mittels Landrodung geschaffen werden“, so Podmirseg.

Warum eine Verlagerung der Landwirtschaft in die Vertikale Sinn macht, zeigt Podmirseg an einem Beispiel: Die „Kornkammer Österreichs“, das Marchfeld, hat eine Anbaufläche von 7.000 Hektar. Jeder Österreicher brauche eine landwirtschaftliche Anbaufläche von rund 2.300 m², um sich mit Lebensmittel zu versorgen. Das Marchfeld könne also rund 30.500 omnivore Menschen über das gesamte Jahr versorgen. Das sind 56 Prozent der St. Pöltner.

 

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