Antwort auf Hassplakat am St. Pöltner Rathaus. St. Pöltens Muslime reagieren auf Identitären-Aktion: „Liebe ist stärker als Hass“.

Von Maria Prchal. Erstellt am 08. Januar 2021 (03:37)
Obmann Aziz Pek befürwortet friedliche Reaktionen auf Hass.
IGGÖ

Kurz vor Weihnachten griff ein Hassplakat am Rathaus St. Pöltens islamische Religionsgemeinschaft an. In der Nacht hatten es Unruhestifter aufgehängt, am Morgen nahm es Vizebürgermeister Harald Ludwig ab. Wie der SP-Politiker verurteilt auch die Islamische Glaubensgemeinschaft unter Aziz Pek die Aktion aufs Schärfste: „Ein von Rassismus vergiftetes Klima gefährdet alle.“ Daher müsse man solchen Gesinnungen Paroli bieten: „Es geht in dieser Welt um die Anstrengung für das Gute“, sagt der Obmann der Islamischen Glaubensgemeinschaft Niederösterreich.

Solch einen Konter bot ein ehemaliger Schüler von Pek mit einem Youtube-Video. Es sei eine Friedensbotschaft, so der 19-jährige Yasin. „Mit dem Video wollten wir euch nur zeigen, dass Rassismus keine Art von Respekt verdient. Aber man sollte auch nie auf Hass mit Hass reagieren. Je mehr Liebe man zeigt, desto mehr Liebe kriegt man auch zurück“, heißt es in der Videobeschreibung.

„Es geht in dieser Welt um die Anstrengung für das Gute.“ Aziz Pek, Obmann Islamische Glaubensgemeinschaft NÖ

In der Aufnahme betont der St. Pöltner, dass keine Diskriminierung seine Nächstenliebe schwäche: „Auch wenn mich einige mit Hass bewerfen, werde ich auf sie Rosen regnen lassen.“ Pek ist über diese Reaktion erfreut: „Das gibt mir natürlich Hoffnung für die Zukunft, denn diese Schüler haben gelernt, auch dem Hass mit Liebe zu entgegnen.“

Vizebürgermeister Ludwig nimmt in der Stadt eine Atmosphäre der Toleranz wahr: „Wir können stolz sein auf unser Miteinander und dafür sind die St.Pöltner verantwortlich.“ Ein paar Ausreißer würden nicht das gesellschaftliche Gesamtbild darstellen. Zudem ist nicht klar, ob es sich bei den Störenfrieden überhaupt um St.Pöltner handelte. Denn: Am Plakat prangte das Zeichen der als rechtsextrem eingestuften Gruppierung der Identitären.

„Wir können stolz sein auf unser Miteinander und dafür sind die St.Pöltner verantwortlich.“

Doch St. Pölten habe keine aktive Identitärengruppe, so der Soziologe Johannes Mayerhofer, der zu der Gruppierung forschte. Das Interesse in der Stadt sei zu gering gewesen, er bekam während seiner Feldforschung mehrere gescheiterte Versuche der Gruppe mit, in St.Pölten Fuß zu fassen. Die Identitären würden seit geraumer Zeit generell Boden verlieren. Einzelne Splittergruppen, die sich zu ihrem Gedankengut bekennen, seien zahlenmäßig kaum ernst zu nehmen.

Trotzdem findet es Mayerhofer gut, dass die Identitären vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Denn selbst wenn die Gruppe klein ist, schafft sie es, ihre radikalen Ideen wirksam in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Deswegen gestaltet sich auch die Berichterstattung zu den Identitären schwierig. Auch für diesen Artikel wurden die Identitären von der NÖN kontaktiert, es erfolgte aber keine Stellungnahme. Mayerhofer empfiehlt: So wenig Öffentlichkeit wie möglich, aber so viel als nötig.

Radikalisierung sei beiderseits ein Problem, so Pek: „Einerseits leiden wir an den Hasskampagnen der Rechtsradikalen, andererseits schänden einige Muslime, die in die radikale Szene abrutschen, den Ruf aller.“