Weiter Weg bis zum Süd-See in der Landeshauptstadt. SPÖ gibt Details zu Projekt bekannt. Opposition sieht Prioritäten falsch gesetzt. Grüne erkennen darin Hochwasserschutz.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 18. November 2020 (04:11)
Blick vom Altmannsdorfer Bogen auf den Sportplatz des ASV Spratzern. Geht es nach der SPÖ, wird hier in fünf bis zehn Jahren ein See entstehen.
Nadja Straubinger

Mit einer Vision wandte sich die SPÖ letzte Woche an ihre Wähler: Im Süden soll ein neuer See entstehen. In fünf bis zehn Jahren soll dort geplanscht werden, wo heute noch die Traktoren die Felder bestellen. Bis aus dem Luftschloss auch tatsächlich Realität wird, wird noch einiges Wasser die Traisen hinablaufen. Konkrete Pläne gibt es zum neuen Naturerholungsgebiet nicht, lediglich ein paar SPÖ-Gedanken, wie dieser See umgesetzt werden könnte.

Fünf bis zehn Jahre soll es laut SPÖ dauern, bis der neue See im Altmannsdorfer Bogen liegt. Abhängig von der Anzahl und Argumentation der Einsprüche. Bürgermeister Matthias Stadler hofft, nicht auf großen Widerstand zu stoßen. Erste Gespräche hätte es bereits gegeben. „Wegen Schotterentnahme und allen wasserrechtlichen Gegebenheiten ist ein Umweltverträglichkeitsverfahren notwendig“, erklärt Stadler. Das Verfahren bestimme dann auch die Größe des Sees, der aber kleiner sein wird als jene im Norden. Es gebe im Süden weniger Infrastruktur und es werde daher ein naturnäheres Badeerlebnis sein. Befüllt werden soll der See durch den Grundwasserstrom der Traisen. Bei der Ausgestaltung soll auch die Meinung der Bevölkerung in die Entscheidung einfließen. Zusätzlich zum See plant die SPÖ an dieser Stelle auch gleich einen verbesserten Hochwasserschutz.

ÖVP und FPÖ orten andere Probleme

„Die Idee ist nett. Grün mit Blau zu ersetzen hilft uns aber nicht gegen das Grau der exzessiven Wohnbau-Arbeiten in der Stadt“, sieht VP-Vizebürgermeister Matthias Adl die Prioritäten der SPÖ falsch gesetzt. Das Problem seien nicht die Äcker, die Landwirte mit Traktoren bearbeiten, sondern Baufelder, die mit Baggern, Betonmischwägen und anderen Baumaschinen versiegelt werden, so Adl.

Falsche Prioritätensetzung ortet auch die FPÖ. Kinderkunstlabor und Domplatz würden ohnehin schon Millionen verschlingen, da brauche es kein weiteres Millionen-Liebhaberprojekt, kritisiert Klaus Otzelberger. „Wir brauchen einen Gutschein von der Stadt im Wert von 1.000 Euro für jeden St. Pöltner. Damit können wir die lokale Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze sichern und unsere Bürger beim privaten Konsum unterstützen“, fordert Otzelberger anstatt eines Sees im Süden.

Als „Wahlkampfmanöver“ bezeichnet die Spitzenkandidatin der Grünen Christina Engel-Unterberger die SPÖ-Version. Der See solle vom Beton-Boom ablenken. Außerdem fehlen Engel-Unterberger noch weitere Angaben. Die Fläche, auf der der See entstehen soll, ist als Gewerbegebiet gewidmet. Es ist die Erweiterungszone des Gewerbegebietes Noe Central.

„Drei Viertel der Fläche liegen im Bereich eines 100-jährigen Hochwassers. Bevor dieser Bereich verbaut werden darf, muss die Stadt Hochwasserschutzmaßnahmen setzen. Das dafür offensichtlich geplante Rückhaltebecken dürfte als Badesee vorgesehen sein“, vermutet Engel-Unterberger.