St. Pölten-Süd: Eigentümer-Widerstand in der Schutzzone

Hauseigentümer in der „Voith-Siedlung“ wehren sich. Die Stadt will genauer informieren.

Martin Gruber-Dorninger
Martin Gruber-Dorninger Erstellt am 22. September 2021 | 05:05
Voith-Siedlung - St. Pölten-Süd: Eigentümer-Widerstand in der Schutzzone
Rudolf Estermann ärgert sich über Schutzzonen-Einstufung seines Hauses in der „Voith-Siedlung“. Auch weil benachbarte Gebäude wie das Kinderhort nicht betroffen seien. Foto: Gruber-Dorninger
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Erhaltenswerte Gebäude in St. Pölten soll die Schutzzone schützen. In einigen Bereichen der Stadt ist das Konzept mit neu verordneten Teilbebauungsplänen bereits umgesetzt.

Im Süden regt sich in der „Voith-Siedlung“ aber Unmut über die Einstufung bei den Hauseigentümern. Rudolf Estermann kündigt mit etwa 70 Personen Protest an. „Wir werden bis zum Verfassungsgerichtshof gehen.“

Estermann-Ärger über „willkürliche Einteilung“

Die Einstufung schränke die Eigentümer massiv ein, meint Estermann. Carport, Sonnensegel oder Fassadenbegrünung wären nur noch mit Einverständnis eines Gremiums erlaubt, meint Estermann. Sein Haus ist als Stufe drei kategorisiert, ist damit ein ensemblebedeutsames Objekt.

„Manche meiner Nachbarn hat es schlimmer erwischt“, erklärt Estermann. In Kategorie zwei sind schutzwürdige Objekte, in Kategorie eins denkmalgeschützte Objekte. Für Estermann kommen auch die anderen Kategorien „einem Denkmalschutz gleich. Da kann man als Eigentümer nichts mehr machen.“

Besonders ärgert ihn aber die seiner Meinung nach „willkürliche Einteilung“. Er habe sich als ehemaliger Geschäftsführer der Karton- und Verpackungssparte der Firma Voith genau mit der „Voith-Siedlung“ beschäftigt. Manche Häuser hätten mit der Voith überhaupt nichts zu tun. „Das benachbarte Gebäude des Kinderhorts wurde beispielsweise nicht miteingerechnet“, so Estermann.

Durch Konzept soll mehr Klarheit entstehen

Die Schutzzone sieht die Stadt als Notwendigkeit. Oft sei es zu einem Aufschrei in der Bevölkerung gekommen, wenn ein altes Gebäude geschleift wurde. „Mit dem Schutzzonenkonzept soll das künftig verhindert und nachvollziehbar werden. Dieses ist genau nach der Empfehlung des Landes ungesetzt worden“, erklärt Stadtplaner Jens de Buck.

Bei vielen Teilbebauungsplänen in der Stadt sei die Akzeptanz groß gewesen, in dem Gebiet im Süden gebe es nun mehr Einwände, bestätigt de Buck. Die Siedlung sei eine ganzheitliche Siedlung mit Häusern von Mitarbeitern bis zu Direktorenvillen, erklärt der Stadtplaner. Die Erhebung sei durch fachlich geschulte Kräfte durchgeführt worden. Eine wissenschaftliche Grundlage liefere die Österreichische Kunsttopographie aus dem Jahr 1999.

Der Verantwortliche dürfe aber gar keine Gutachten mehr für die Stadt machen, ist Estermann überzeugt. Er sitze seit Beginn 2021 im Baubeirat. Sein letztes Gutachten habe er noch am 9. Mai 2021 abgezeichnet. Das Gutachten sei allerdings bereits im Vorjahr in Auftrag gegeben worden und man könne froh sein, dass man diese Koryphäe dann für den Gestaltungsbeirat gewonnen habe, entgegnet de Buck.

Der Stadtplaner will über die Bürgerinfo hinaus ein weiteres Mal bei einer öffentlichen Veranstaltung informieren, bevor die Verordnung in den Gemeinderat kommt. „Der Erfahrung nach führt die Einstufung immer zu einer Aufwertung und nicht Abwertung, weil auch die Nachbarn die Strukturen erhalten müssen.“