30 Jahre Flucht aus Bosnien: Fotos erzählen Geschichte

Erstellt am 23. Juni 2022 | 04:56
Lesezeit: 3 Min
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Eines der Bilder, die Jasmina Dzanic im Stadtmuseum zeigen wird.
Foto: Foto Dzanic, Stefan Grauf
Die St. Pöltner Fotografin Jasmina Dzanic arbeitet in einer Fotoausstellung ihre Flucht aus Bosnien auf.
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Die Idee schleppt die St. Pöltner Berufsfotografin Jasmina Dzanic schon einige Jahre mit sich herum. Durch Corona war dann viel Zeit.

„Ich habe im Keller meiner Eltern zu stöbern begonnen“, sagt Dzanic, die vor 30 Jahren mit ihren Eltern aufgrund des Krieges aus Bosnien fliehen musste. Die Ankunft in ihrer neuen Heimat ist auch namensgebend für die Ausstellung ab Freitag, 1. Juli, im Stadtmuseum: „Novi Dom“.

Dzanic war acht Jahre alt, als sie flüchten musste. Über verschiedene Stationen kam sie mit ihrer Familie schließlich in ein Flüchtlingslager in St. Pölten – dorthin, wo heute der Sonnenpark viele Menschen erfreut.

Schöne Erinnerungen ans erste Weihnachten in der Stadt

„Ich habe gemischte Erinnerungen an die Zeit. Es war nichts vorbereitet und es war alles sehr chaotisch. Wir hatten zwei Zimmer für 14 Personen“, erinnert sie sich. Täglich ging sie mit ihrer Familie zum damaligen KGM-Markt, denn dort gab es zwei Telefonzellen. „Wir sind oft nicht durchgekommen und dann reichte das Geld nicht, um länger zu reden.“

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Jasmina Dzanic
Foto: Dzanic, Stefan Grauf

Schöne Erinnerungen hat sie an das erste Weihnachten in St. Pölten. Dzanic ist Muslima und kannte die Tradition in Österreich nicht. Umso größer war die Freude über ihren ersten Adventkalender. Und auch kleine Geschenke haben die Kinder erhalten. Umso schlimmer das Erlebnis zu Silvester. „Als das Feuerwerk begonnen hat, sind wir rausgelaufen und hatten Angst, dass jetzt hier auch der Krieg ausbricht.“

Es sind viele emotionale Geschichten, die Dzanic nun in Bildern präsentiert. Gezeigt werden Originalfotos aus ihrem Familienfundus, einige wenige aus dem Flüchtlingslager und einige Bilder, die sie für ihre Abschlussarbeit an der FH St. Pölten nachgestellt hat. „Diese sind stark künstlerisch bearbeitet, entsättigt mit viel Rauschen“, so die Fotografin.

Die Ausstellungseröffnung findet am 1. Juli um 19 Uhr im Stadtmuseum statt. Dann wird sie die Werke und deren Hintergründe auch erklären.

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