Region St. Pölten: Trend geht zur Waffe. Durch Lockdown stieg Interesse an Jagd. Waffenverkäufer bekommen als Systemerhalter kaum Entschädigung.

Von Nadja Straubinger, Beate Steiner, Marlene Greifeneder und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:07)
Der Rabensteiner Profischütze Alexander Schmirl wünscht sich mehr Akzeptanz für den Schützensport in Österreich. Der Umgang mit der Waffe schule die Konzentrationsfähigkeit. Streibel
Matthias

Der Kauf und Besitz von Waffen liegt im Trend. Der setzte sich auch im Corona-Jahr fort, wenngleich es für Jäger, Waffenhändler und Sportschützen geänderte Vorzeichen gibt. Die NÖN fragte nach, wie die steigende Liebe zur Waffe zu erklären ist.

Von einem Boom beim Waffenverkauf will Waffenhändler Jörg Eibl nicht sprechen. Im Vergleich zu 2019 sei der Verkauf gerade einmal um zehn Prozent gestiegen. „Ich führe das darauf zurück, dass die Leute mehr Zeit hatten, ihrem Hobby nachzugehen, und sich im Internet darüber informiert haben“, erklärt Eibl. Die Kunden holten die Ware direkt beim Geschäft in der Wiener Straße ab, denn der Versand von Waffen ist verboten. Im zweiten Lockdown hatte Eibl sein Geschäft offen, bei einem Umsatz von zehn Prozent zum Normalumsatz: „Wir verkauften an Berufsjäger Munition.“ Was einen Haken hat, denn die Jäger müssten damit das Gewehr einschießen, was nicht möglich war, weil die Schießstände geschlossen hatten. „Als Systemerhalter fallen wir bei Entschädigungen wahrscheinlich durch den Rost, obwohl wir keine Umsätze haben“, so Eibl.

„Das Schießen ist ein technischer Sport, er erfordert viel Selbstdisziplin, Konzentration und perfekte Körperbeherrschung“,

Fast täglich hat der Rabensteiner Sportschütze Alexander Schmirl mit seiner Waffe zu tun. „Ich kann mir schon vorstellen, dass die Menschen im Lockdown alternative Tätigkeiten suchen und sich eventuell für die Jagd interessieren“, glaubt Schmirl. Er selbst hatte schon in jungen Jahren aus sportlichen Gründen Kontakt zur Waffe. Es sei gut, schon früh in den Schützensport einzusteigen. Das fördere die Disziplin und lehre den Respekt vor der Waffe. Den Schützensport findet nicht jeder gut. Schmirl zufolge gebe es diesbezüglich in Österreich ein Ost-West-Gefälle. In Tirol und Vorarlberg sei es Tradition. „Das Schießen ist ein technischer Sport, er erfordert viel Selbstdisziplin, Konzentration und perfekte Körperbeherrschung“, so Schmirl. An der Akzeptanz seines Sports arbeitet der Rabensteiner gemeinsam mit dem Sportland NÖ mit einer Infobroschüre zur Bewusstseinsbildung.

Im Lockdown fanden viele den Weg zum Hobbyjäger, aber auch schon einige Jahre davor stieg die Anzahl. Insgesamt gibt es 34.470 Jäger in Niederösterreich und Wien. Davon sind aktuell 55 aktive Berufsjäger. „Das Interesse ist steigend. Das zeigt sich an der zunehmenden Zahl an Absolventen der Kurse und Prüfungen“, erklärt Bezirksjägermeister Johannes Schiesser.

Umfrage beendet

  • Habt ihr eine Waffe?