Alltag kehrt langsam in Ordination zurück. Wilhelmsburgs Allgemeinmediziner durchlebten spannende Zeiten. Oft waren sie über ihre Pflichten hinaus im Einsatz.

Von Inge Moser. Erstellt am 15. Mai 2020 (04:54)
Allgemeinmedizinerin Viktoria Mellauner in ihrer Praxis in der Oberen Hauptstraße in Wilhelmsburg.
privat

Für die Hausärzte waren die letzten Wochen nicht einfach. Finanzielle Einbußen und die mangelhafte Ausstattung mit Schutzausrüstung sorgte für einige Verunsicherung. Doch neben all dem Corona-Trubel kam bei den Wilhelmsburger Allgemeinmedizinern die Menschlichkeit nicht zu kurz.

Viktoria Mellauner kümmerte sich mit vollem Einsatz um eine 86-jährige Patientin. Die Dame hatte im Herbst einen Schlaganfall erlitten. Bisher verlief die Suche nach einem Heimplatz erfolglos. Ausgerechnet am Karwochenende kam die Dame auch noch zu Sturz. Ihre Tochter Helene Ziegler wohnt in Unterradlberg und war über die Hilfe von Viktoria Mellauner dankbar. „Mellauner unterstützte mich in jeder Weise, war mir eine wertvolle Hilfe. Ich konnte sie jederzeit auf ihrem Privat-Handy erreichen“, schildert Ziegler die schwere Zeit. Für die Hausärztin war das aber selbstverständlich: „Ich habe mich über diese Wertschätzung und Dankbarkeit aber sehr gefreut.“

"Akutfälle werden aber jederzeit behandelt“

Groß seien die Ängste und Sorgen seiner Patienten aufgrund des Coronavirus, erklärt Allgemeinmediziner Franz Holzhauser. Bei seinen Visiten bekommt er das alles hautnah mit. In seiner Ordination nähere sich allmählich alles wieder einer normalen Frequenz an. Dennoch gab es Änderungen. Nach vorherigem Anruf werden die Patienten auf mehrere Räume aufgeteilt, um direkten Kontakt zu verhindern. „Akutfälle werden aber jederzeit behandelt“, stellt Holzhauser klar.

Fast schon übervorsichtig arbeitet seit einiger Zeit Erwin Weber. Zu Beginn der Coronakrise musste er seine Ordination wegen der Erkrankung eines Patienten sperren und sich selbst anschließend in Quarantäne begeben. „Ich bin ein gebranntes Kind“, sagt er. Seit 22. März kann er in seiner Ordination aber wieder Patienten empfangen.

Von der Politik fühlen sich die Hausärzte im Stich gelassen. „Die Regierung sollte sich nach der Krise fragen, warum ein in der Bevölkerung so beliebtes Modell wie das der Hausärzte an die Wand gefahren wird“, ärgert sich Mellauner.