Todesdrohung im Rausch am Handy. Wilhelmsburger soll seine Lebensgefährtin immer wieder gedemütigt haben. Richterin verhängt bedingte Freiheitsstrafe.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 15. Juli 2019 (22:07)
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Weil er seiner etwa gleichaltrigen Lebensgefährtin mit dem Tod gedroht haben soll, sitzt ein 53-jähriger Wilhelmsburger vor dem Richter. Auch zu Gewaltvorwürfen bekennt er sich „nicht schuldig“.

2016 hatten sich die beiden über eine Online-Partnervermittlung kennengelernt. „Für sie war es die große Liebe, für mich nur Sex“, sagt der Mann vor Gericht. Einige Monate später zogen sie zusammen. In der alkohol- und sexbetonten Beziehung hätten Streitereien immer wieder in gegenseitigen Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten geendet. Zu Auseinandersetzungen sei es aber immer nur unter Einfluss von Alkohol gekommen, betont der Angeklagte immer wieder.

„Meine Freundin war gleich eifersüchtig. Sie hat gesagt, wehe du brätst dort Thailänderinnen an“

Schließlich war ein gemeinsamer Thailand-Urlaub geplant. „Meine Freundin war gleich eifersüchtig. Sie hat gesagt, wehe du brätst dort Thailänderinnen an“, schildert der Angeklagte. Die Lebensgefährtin berichtet anderes. Er habe gesagt, er wolle dort etwas mit blutjungen Huren haben, und: „So ein schiaches Weib im Wechsel will sowieso keiner.“ Die Wilhelmsburgerin berichtet von vielen Demütigungen. Immer wieder habe er ihr Bier ins Gesicht geschüttet. Oft sei er bereits betrunken aus der Arbeit gekommen. Zu Handgreiflichkeiten sei es immer wieder gekommen.

„Wenn du mir noch einmal mit der Polizei drohst, bring’ ich dich um“

Dann wird ein mitgeschnittenes Telefonat vorgespielt: „Wenn du mir noch einmal mit der Polizei drohst, bring’ ich dich um“, sagt darauf der Angeklagte. Außerdem: „Du bist keine Frau zum Leben, du kannst die Kinder nicht erziehen, kochst nichts und willst immer nur im Wirtshaus fressen.“

Zwischendurch betonte die Lebensgefährtin, dass sie Angst vor ihm habe. Vor Gericht will er sich nicht erinnern. Warum sie die Beziehung solange aufrecht erhalten hat, will der Verteidiger wissen. „Es war eine Mischung aus Hoffnung und Angst.“

„Er hat meine Mutter als Hure beschimpft und gesagt, dass sie jedem einen bläst“

Die Tochter des Opfers bestätigt, dass der Mann oft betrunken aus der Arbeit kam. „Er hat meine Mutter als Hure beschimpft und gesagt, dass sie jedem einen bläst“. Einmal sei sie dazwischengegangen, da habe er sie zu Boden geschmissen.

Die Richterin hebt die Aggressivität auf den Tonbändern hervor. Von einer Vollberauschung geht sie nicht aus, weil der Mann örtlich und zeitlich orientiert war. Wegen Nötigung, schwerer Nötigung und Körperverletzung verhängt sie acht Monate bedingte Freiheitsstrafe und eine Geldstrafe von 8.640 Euro. Anti-Gewalttraining und Psychotherapie kommen dazu. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.