Vision entwickelt sich immer weiter. Geschirrmuseum-Gründer Manfred Schönleitner bewahrt Porzellan-Tradition in Wilhelmsburg und öffnet Ort für weitere Projekte.

Von Inge Moser. Erstellt am 09. Januar 2021 (03:43)
Manfred Schönleitner verfasste etliche Publikationen und erhielt den Österreichischen Museumspreis.
Christa Stangl

„Mit Wehmut blicke ich heute in das goldene Zeitalter der Wilhelmsburger Steingut- und Porzellanfabrik zurück“, erzählt Manfred Schönleitner. Zehn Jahre nach Schließung des Werks gründete er 2007 das Geschirrmuseum. Ganze Autobusse mit Besuchern und viele Schulen kamen bis zur Corona-Pause hierher, um die Geschichte des Geschirrs zu sehen.

„Mit gerade zehn Jahren führte mich meine erste Exkursion unserer Schule in dieses Herzstück der österreichischen Porzellanindustrie. Knapp 1.000 Beschäftigte arbeiteten damals dort“, blickt er in die Vergangenheit. Lilien-Porzellan hatte Weltruf. Knapp 45 Jahre später ist nichts mehr übrig geblieben. Der Traditionsbetrieb verschwand nach über 200 Jahren durchgehender Produktion.

„Die Menschen waren unglaublich enttäuscht“, erinnert sich Schönleitner. Er beschloss, die Bewahrung des Kulturguts Lilien-Porzellan und des Steinguts samt Firmengeschichte in die Hand zu nehmen. In der Geburtsstätte des Porzellans, der Winckelmühle, fand das Geschirrmuseum seinen Platz.

Zur Unterstützung gründete Schönleitner den Verein „Freunde der Wilhelmsburger Keramik“. Mit 53 Jahren begann er an der Donau-Universität das Studium „Collection Studies and Management“. Mit der New Design University besteht seit einigen Jahren eine Partnerschaft. „Man kann sich hier vor Ort mit dem Material Keramik auseinandersetzen“, so der Museumsdirektor. Der Kauf der alten Steingutfabrik 2013 ermöglicht eine weitere Öffnung des Geländes. So fand die Künstlergruppe „Stachel“ hier ihr neues Zuhause.