Tiere sind im Sparmodus. Hirsche und Co. brauchen auch in St. Pöltens Wäldern und Parks ihre Ruhe.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 27. Dezember 2019 (03:29)
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Zögerlich kommt der Damhirsch näher, dreht die Ohren nach vorne und senkt den Kopf. „Ein ungewöhnlicher Anblick wenn der Hirsch majestätisch mit funkelnden schwarzen Augen friedvoll neugierig sein Leckerli abholt“, beschreibt Robert Wotapek die Fütterung im Stadtpark.

Besonders liebt der Stadtgärtner den alljährlichen Rundgang am Weihnachtsmorgen. Da sei es nämlich still und friedlich wie selten, vor allem zeitig in der Früh. Wotapek kümmert sich um die Tiere und verwöhnt sie nicht nur mit Futter, sondern auch ausreichend Streicheleinheiten. Insgesamt versorgt der Gärtnereibetrieb in St. Pölten zehn Gänse, drei Ziegen etliche Hühner und 16 Stück Damwild. Neben dem Hirsch gibt es noch zwölf Muttertiere und drei Kälber, die im heurigen Frühjahr geboren wurden.

Wotapek und seine Mitarbeiter kümmern sich auch um Futterstellen für Eichhörnchen, die laufend mit Nüssen aufgefüllt werden. Die Pflege von 170 Vogelnistkästen und einer Brutbox für den Waldkauz liegen ebenfalls im Aufgabenbereich der Stadtgärtner. „Zur Weihnachtszeit wird besonders darauf geachtet, dass unsere Tiere gut versorgt sind“, so Robert Wotapek.

Gerade in den Wintermonaten ist die Versorgung der Tiere wichtig. Rehe, Hirsche, Hasen und Wildschweine sind winteraktiv und schalten auf Energiesparmodus. Die Nahrung ist knapp und nährstoffarm, die Tiere fressen nur noch die halbe Menge und zehren von ihren Fettreserven. Sie reduzieren Körpertemperatur, den Herzschlag und auch die Atmung und versuchen, sich möglichst wenig zu bewegen, um ihre Kräfte zu sparen. Richtiges Verhalten bei einem winterlichen Spaziergang ist daher besonders wichtig. Werden Wildtiere gestört oder gar aufgescheucht, dann verbrauchen sie unnötig viel Energie. „Das kann zu Krankheiten führen oder sogar lebensbedrohlich sein, wenn die Tiere den Energieverlust aufgrund fehlender Nahrung nicht mehr decken können“, erklärt Ingrid Leutgeb-Born vom städtischen Referat für Umweltschutz und Lebensraum. Sie rät daher, bei Winterspaziergängen in Wald und Flur die Wege nicht zu verlassen. Vor allem sei es wichtig, die Hunde im Wald anzuleinen.

Leise sein bei den Spaziergängen

Besonders aufpassen sollte man bei den Fledermäusen, die aufgrund des Futtermangels in eine Art Winterruhe verfallen. Plötzlicher Lichteinfall oder laute Geräusche reichen, um ein Tier aufzuwecken. „Das kann für sie gefährlich werden, weil das viel Energie kostet“, erklärt Leutgeb-Born. Winterquartiere wie Höhlen oder Stollen sollten daher gemieden werden.

Auf die Vögel wird in St. Pölten nicht vergessen. Gerade wurde am Linzer Tor vor dem Haus der städtischen Betriebe ein Futterhaus angebracht. Bei der „Stunde der Wintervögel“ von Samstag, 4., bis Montag, 6. Jänner, können sich Vogelfreunde aktiv am Tierschutz beteiligen. BirdLife Österreich ruft zur Vogelzählung an diesen Tagen auf. Anfang dieses Jahres beteiligten sich 312 Teilnehmer in der Region an der Aktion. Der Feldsperling belegte Platz 1, der Haussperling, besser als Spatz bekannt, Platz 2. Die Kohlmeise landete auf Platz 3, gefolgt von der Blaumeise. „Naturbeobachtung tut gut“, kann Leutgeb-Born eine Teilnahme an der Vogelzählung nur empfehlen.