Erstellt am 23. Mai 2011, 00:00

 „Wir lassen kein Gras über.  IM GESPRÄCH / Claudia Tobias und Samir Kesetovic wollen mit überparteilicher Liste

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VON SANDRA RAMSAUER-HOFER

UND MARIO KERN

ST. PÖLTEN / Claudia Tobias zündet sich ihre Gauloises an, dreht das orange Feuerzeug in ihrer Hand und legt es wieder auf’ Zigarettenpackerl. BZÖ steht darauf, sie versucht nicht, ihre Parteizugehörigkeit zu verbergen. Auch wenn sie nicht gerne als BZÖ-Frontfrau bezeichnet wird, sagt sie. Immerhin habe die Mitgliedschaft nichts mit ihrem politischen Engagement in der Stadt St. Pölten zu tun. Kandidiere sie doch als „überparteiliche Liste“ - gemeinsam mit dem Grüne-Gewerkschafter Samir Kesetovic. Das Duo spricht von Einigkeit - nur, einig ist sind sich die Geschäftsfrau und der gebürtige Bosnier nicht immer. Bei der Frage nach der Wahlkampf-Finanzierung zum Beispiel. „Nein, Claudia, das sagen wir nicht.“ Konter: „Warum nicht? Jeder weiß, dass ich beim BZÖ bin.“ Halbe-halbe also. 50 Prozent werden privat finanziert, 50 Prozent vom BZÖ.

NÖN: Welche Wahlgeschenke werden damit finanziert?
Kesetovic: Es gibt bei uns keine Feuerzeuge und keine Kulis . . .

Tobias: Wir haben „give aways“ in Rittersport-Größe, also Rasensamen in einer Box. Darauf sind Samir und ich als Comics.

NÖN: Und was soll das bedeuten?
Tobias: Wir lassen kein Gras über die St. Pöltner Probleme wachsen.

NÖN: Welche Probleme hat St. Pölten aus Ihrer Sicht?
Kesetovic: Das Problem ist, wenn es Probleme gibt, dann gibt es kaum Ansprechpersonen seitens der Stadt. Beste Beispiele: Frequency, Lärm, Parkplätze. Es hapert an der Diskussionsbereitschaft und der Akzeptanz dieser Probleme.

NÖN: Tobias-Kesetovic - umgangssprachlich Twinni-Partei genannt - kann diese Partei die Probleme lösen?
Tobias: Alle Oppositionsparteien gemeinsam können die Probleme lösen. Die Absolute der SPÖ gehört gebrochen. Die Absolute ist das, was die Stadt schädigt.

NÖN: Warum soll die Bevölkerung am 3. Juli ein Kreuzerl für Tobias-Kesetovic machen?
Kesetovic: Weil wir uns wirklich für die Bevölkerung einsetzen und die Probleme und Anliegen ernst nehmen.
Tobias: Wir werden kreative Lösungsvorschläge erarbeiten, nachhaltige.
Kesetovic: Ich bin einfach da für die Leute, ich begleite sie jetzt schon zu Ämtern, Anwälten und Co.

NÖN: Wie ist es um die Stärke der Liste bestellt?
Tobias: Derzeit sind wir zehn. Mit Unterstützern aller Couleurs, nur Freiheitliche und Kommunisten zählen wir nicht in unseren Reihen.

NÖN: SP-Bürgermeister Matthias Stadler hat sich für den ersten möglichen Wahltermin entschieden. 3. Juli, erstes Ferienwochenende. Wie geht es Ihnen damit?
Kesetovic: Das hat er schlau gemacht. Für uns wird sich das nicht negativ auswirken, uns kennt man schon. Aber für neue Spitzenkandidaten wie VP-Vizebürgermeister Matthias Adl oder die Grünen wird das ein Problem sein. Die sind in ihren Positionen noch nicht so bekannt.

Tobias: Eines ist fix, der Wahlkampf wird nicht günstiger, nur weil weniger Zeit dafür bleibt.

 

NÖN: Ihre Liste heißt „Für St. Pölten“, was ist Ihr Wahlziel?

Kesetovic: Drei Mandate.

Tobias: Wir wollen als Opposition Kontrolle ausüben. Je stärker die Opposition ist, desto stärker ist gewährleistet, dass etwas Neues, Konstruktives passiert. In St. Pölten ist der Bedarf dafür stark da.

 

NÖN: Auf Ihren Wahlplakaten haben Sie Boxhandschuhe an. Warum?

Kesetovic: Weil wir für die Bevölkerung kämpfen.

NÖN: Beispiel?

Tobias: Wir starten ab sofort eine Unterschriftenaktion.

 

NÖN: Für oder gegen was?

Tobias: Es geht um die Verbesserung der Verkehrssituation beim Spital. Durch den Weiterbau des Krankenhauses und der Neuerrichtung der Arbeiterkammer wird die ohnehin prekäre Parkplatzsituation noch verschlimmert. Wir fordern drei Stunden gratis Parken im Parkhaus.

 

NÖN: Wie passt orange-grün, sprich BZÖ und Grün, zusammen? Kann das gut gehen?

Kesetovic: Ich hab‘ mich auch bei den Grünen nicht an die Ideologie gehalten. Mir geht es um die Themen.

Tobias: Ich seh das genauso.

Überparteiliche Vision: Grüne-Gewerkschafter Samir Kesetovic und BZÖ-Landesgeschäftsführerin Claudia Tobias machen mit der Liste „Für St. Pölten“ gemeinsame Sache.ZVG

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