St. Pölten sammelte Tipps aus der Schweiz. Unternehmer knüpften Kontakte und informierten sich bei Betrieben mit St. Pölten-Bezug.

Von Beate Steiner und Daniel Lohninger. Erstellt am 26. Oktober 2016 (17:37)
NOEN, Martin Koutny
Besuch im Siemens-Headquarter in Rapperswil-Jona: Bernadette Schwab, Hannes Zederbauer, Hans Kirchknopf,Ulli Wagner, Alexander Rechberger, Helge Haslinger, Daniel Lohninger, Thomas Lauber, Gernot Prem, ThomasDewina, Christoph Schwarz, Ferry Krug, Christoph Gruber, Franz Proksch, Helmut Schwarzl, Franz König, Matthias Weiländer, Beate Steiner, Josef Wildburger, Eva Prischl, Dieter Nusterer, Michael Aufhauser, Gregor Glatz, Roman Eberstaller, Hubert Steigerwald, Franz Frosch, Dominik Mesner, Jörg Summer, Reinhard Reisinger, ChristianGroissmaier, Markus Mayer und Richard Mader.

Auf den ersten Blick mögen St. Pölten und Zürich nicht viel gemeinsam haben. Auf den zweiten Blick ist es eine ganze Menge. Das war die Erkenntnis der etwa 40 Teilnehmer, die mit der St. Pöltner Wirtschaftsdelegation in der stärksten Wirtschaftsregion der Schweiz zu Gast waren. Auf dem Programm stand die Besichtigung von zwei Betrieben mit starkem Bezug in die Landeshauptstadt: Siemens ist seit 1987 in St. Pölten vertreten, war federführend bei der Entwicklung der Gebäudetechnologie im Landhaus und in der Fachhochschule, hat bereits Aufträge für den Ausbau des Landessportzentrums und der FH in der Tasche und auch bei der Errichtung des ÖBB-Campus und des Hauses der Geschichte.

In der Weltzentrale der Siemens-Gebäudeautomation in der Schweiz gaben Europa-Geschäftsführer Carsten Liesener und Cheftechniker Wolfgang Hass Einblick in die aktuellen Trends bei Smart Building. Grundlage für ein „smartes“ Gebäude ist die Erhebung und Analyse von Daten.

Dabei hilft ein neuartiges System, das auch das St. Pöltner Vermessungsbüro Schubert seit wenigen Tagen im Einsatz hat: Ein BIM-Trolley, der mit dem Navis-System ausgestattet ist, wird durch ein Gebäude gerollt und digitalisiert die Gebäudedaten in hoher Geschwindigkeit. „Wir haben das erstmals in den Räumlichkeiten unter den Türmen am Neugebäudeplatz angewandt und konnten so innerhalb kurzer Zeit ein auf Fakten basiertes Rendering erstellen“, erklärt Schubert-Geschäftsführer Dominik Mesner den Vorteil.

Gesucht: Fachkräfte und innovative Lösungen

Zweiter starker Player aus dem Raum Zürich mit St. Pölten-Bezug ist Geberit. Die Österreich-Zentrale in Pottenbrunn zählt mit mehr als 470 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern der Stadt und ist innerhalb des Weltkonzerns das Kompetenzzentrum für alles rund um Siphone und Dachentwässerung.

Die Herausforderungen sind in Zürich und St. Pölten ähnlich: die Ausbildung von Fachkräften, aber auch die Suche nach innovativen technischen Lösungen und neuen Vertriebswegen. „Der Erfolg eines Unternehmens ist die Summe aller menschlichen Bestandteile“, beschreibt Geberit-Personalchefin Gabriele Stehlin die Philosophie des Schweizer Sanitär-Spezialisten. Genau deshalb bewerte Geberit die Sozialkompetenz von Mitarbeitern höher als die reine Fachkompetenz. Dass sich die Suche nach engagierten jungen Menschen in der Region Zürich ähnlich schwierig gestaltet wie in der Region St. Pölten, lässt Stehlin nicht als Ausrede gelten: „Es liegt an uns, die richtigen Jugendlichen anzuwerben und für unsere Berufsfelder zu interessieren.“ Gelingen soll das mit Schnupperlehren, Online-Aktionen, aber auch der richtigen Öffentlichkeitsarbeit. Soziale Medien hätten sich als nicht zielführend erwiesen: „Unsere Erfahrungen sind keine guten.“

International vernetzter Co-Working-Space

Co-Working, einen Wirtschaftstrend der Zukunft, gibt es in Ansätzen auch in St. Pölten, etwa in Co-Working-Spaces in der Box, in der ehemaligen Glanzstofffabrik sowie in Gerersdorf. Die Zahl der dadurch neu geschaffenen Arbeitsplätze ist noch überschaubar. Züricher Start-ups sind da schon weiter: Mehr als 300 Jobs wurden im Impact-Hub bereits geschaffen, der Trend zeigt stark nach oben. Größter Unterschied zu den St. Pöltner Projekten: Die Züricher Spaces sind mit weltweit 80 Impact-Hubs vernetzt.

NOEN, privat
In Bern: Josef Kolarz-Lakenbacher, Hannah Schrieverhoff, Carole Egger und Hans Kirchknopff.

St. Pöltens Bildungsbeauftragter Josef Kolarz-Lakenbacher besuchte auch Schweizer-Bildungsinstitutionen, etwa in Zürich die SITECO (Assosciation for Swiss International Technical Connection) und in Bern einen Empfang im Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. Detailliert wurden dabei die Grundsätze des Bildungssystems, die Systematik der Berufsbildenden Schulen sowie die Internationalisierung besprochen. Wobei die Schweiz dank der verschiedenen Landessprachen im Vorteil ist, weil junge Menschen zunächst zwei und mit Englisch dann eine dritte Sprache erlernen.

Einig waren sich die Vertreter des „Bildungsgipfels“ darin, dass eine qualitativ hochstehende Ausbildung wesentliche Auswirkungen auf die Standortentwicklung einer Stadt hat. „Ohne ein breit gefächertes Bildungssystem und Internationale Schulen vom Kindergarten bis zum universitären Abschluss ist die Internationalisierung einer Stadt oder einer Region nicht möglich“, fasst Kolarz-Lakenbacher zusammen.