Film von St. Pöltner über Nazi-Gräuel im ORF

Erstellt am 07. Mai 2022 | 15:33
Lesezeit: 3 Min
Ein neuer Dokumentarfilm des St. Pöltner Regisseurs Alexander Millecker beschäftigt sich mit Euthanasie in Mauer-Öhling.
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2.400 Menschen wurden zwischen 1940 und 1945 in Mauer-Öhling im Zuge des Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten ermordet. Aber obwohl diese Anstalt eine der grausamsten in der damaligen „Ostmark“ war, wird die Geschichte des heutigen Landesklinikums erst seit wenigen Jahren vom Institut für jüdische Geschichte Österreichs in St. Pölten erforscht. So war etwa bei ersten Aufarbeitungen 2019 noch von 1.800 Opfern die Rede. Mittlerweile sind viele Namen dazugekommen.

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Die idyllische Anliege lässt von Außen nicht erahnen, welche Gräuel sich dort abspielten.
Foto: Ostfilm

Jetzt widmet sich der St. Pöltner Regisseurs Alexander Millecker in seinem Film „Die verdrängten Toten – NS-Euthanasie in Mauer-Öhling“ der dunklen Geschichte der Klinik. Die 50-minütige Dokumentation wird am Sonntag, 8. Mai, in ORF 3 erst ausgestrahlt.

Viele St. Pöltner Opfer

Unter den Euthanasie-Opfern Mauer-Öhlings finden sich auch zahlreiche Menschen aus St. Pölten. So wurden viele Menschen aus dem Altersheim nach Mauer-Öhling transportiert. "Oft auch einfach um Betten freizumachen", beschreibt Millecker die traurige Realität

Exemplarisch für die vielen St. Pöltner Opfer steht im Film die Geschichte von Emil Reiss. Der Sohn eines jüdischen Herrenausstatters aus St. Pölten wurde 1940 im Alter von 37 Jahren ermordet. Für ihn wurde in der St. Pöltner Innenstadt ein Gedenkstein gesetzt.

Auch aus Milleckers Verwandtschaft wurde jemand nach Mauer-Öhling gebracht. "Deswegen war mir die Anstalt immer ein Begriff", erzählt der Regisseur.

"Kein aktives Gedenken"

Millecker könnte sich auch öffentliche Screenings in der Region vorstellen. Denn: „Die meisten Opfer waren aus der unmittelbaren Umgebung.“ Aber nicht nur deswegen gibt es viele Betroffene in der Region. Sondern die Menschen schienen durchaus über die Gräueltaten Bescheid zu wissen. Millecker und sein Team haben mit vielen Verwandten von Akteuren und Opfern gesprochen.

Eine heute 86-jährige Zeitzeugin berichtet etwa, wie sie mit eigenen Augen die Todestransporte in die Vernichtungsanstalt Hartheim gesehen hat. Zur Einordnung kommen Experten und Expertinnen im Film zu Wort. „Wir kennen alle Namen von den Opfern, aber es gibt kein aktives Gedenken“, verweist Millecker zum Beispiel auf den nicht gekennzeichneten Euthanasie-Friedhof bei der Klinik.

Nach dem Krieg habe wie überall ein Verdrängen und Vergessen stattgefunden. Aber die jetzige Klinikleitung sei überaus kooperationsbereit und wolle das Geschehene aufarbeiten, erzählt der Regisseur von der Zusammenarbeit.

„Die verdrängten Toten – NS-Euthanasie in Mauer-Öhling“: Erstausstrahlung am Sonntag, 8. Mai, um 16.10 Uhr auf ORF III.

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