Theater-Kritik: Herr Puntila und sein Knecht Matti

Erstellt am 19. Januar 2022 | 01:36
Lesezeit: 2 Min
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Bertolt Brechts „Matti“ Tim Breyvogel als Hahn im Korb im Landestheater. Im Bild mit Marthe Lola Deutschmann, Tobias Artner und Philip Leonhard Kelz.
Foto: AlexiPelekanos
„Bekommen Sie diese Anfälle von Nüchternheit regelmäßig?“, fragt der treuherzige Chauffeur Matti (flott gespielt von Tim Breyvogel mit Vokuhila). „Regelmäßig“, antwortet sein betrunkener Chef Puntila (Tilman Rose).

Und tatsächlich: So gemütlich Puntila im Suff ist, so unerträglich ist er nüchtern – ein Ausbeuter, ein Schuft. Ganz so wie sich Bertolt Brecht den Kapitalisten vorstellte.

Aus diesem Stoff macht Ruth Brauer-Kvam am Landestheater in St. Pölten ein lebendiges Bühnenstück, das mit scheinbarer Verspieltheit und eingängigen Couplets den Blick auf die Zeitlosigkeit der Botschaften lenkt – auf die Mechanismen der Ausbeutung, die 2022 nicht viel anders funktionieren als zur Zeit der Uraufführung 1948.

Mittendrin hat einzig der einfache Matti den klaren Blick auf die Wirklichkeit: Das Träumen können sich nur die oberen Zehntausend leisten – und davon nur die Männer.

Fazit: Packend-buntes Bühnenstück – mit zeitloser Botschaft.