Mit Jugendlichen arbeiten. Bastian Kreitner arbeitet nach seinem Bachelorabschluss in Sozialer Arbeit an der Fachhochschule St. Pölten als Sozialarbeiter in der mobilen Jugendarbeit.

Erstellt am 18. Februar 2021 (10:08)
Seit zwei Jahren ist Bastian Kreitner Sozialarbeiter in St. Pölten. Er unterstützt junge Erwachsene bei allen möglichen Anliegen und führt Projekte wie Kochabende, Ausflüge und Basteltage durch.
Jugend & Lebenswelt

„Eigentlich wollte ich ja Rechtswissenschaft studieren, aber nach meiner Matura und nach dem Zivildienst beim Roten Kreuz wusste ich, dass ich lieber direkt etwas mit Menschen machen will“, erzählt Bastian Kreitner, der seit Jänner 2019 Sozialarbeiter im Team Nordrand des Vereins Jugend und Lebenswelt ist. Er ist sowohl in der Beratungsstelle beim St. Pöltner Bahnhof aktiv als auch viel unterwegs, etwa in St. Pölten und Böheimkirchen. Und das macht er unglaublich gerne. „Ich freue mich einfach jeden Tag, wenn ich in die Arbeit fahre. Das können wohl nicht alle Menschen behaupten“, schmunzelt der 27-Jährige.

Sein erster Weg führte ihn nach der Matura zunächst zum Lehramtsstudium der Fächer Englisch und Psychologie an der Universität Wien. Motiviert und beeindruckt von seinen Lehrern am BORG Krems, wollte er ebenfalls später unterrichten. „Im Studium ist mir dann klar geworden, dass aus mir kein klassischer Lehrer werden würde. Interessiert habe ich mich viel mehr für die Berufsfelder Nachmittagsbetreuer oder Vertrauenslehrer.“

Wunsch nach mehr Praxis

Daher brach Bastian das Lehramtsstudium ab und absolvierte stattdessen einen einjährigen Lehrgang zum diplomierten Lern-, Freizeit- und Vitalcoach. Als besonders lehrreich erachtete er die Praxiszeit des Lehrgangs. „Ich wusste schon damals, dass ich gerne mit jungen Erwachsenen arbeite, und der Lehrgang hat das nur noch mehr bestätigt.“ Beim Diplom kam er zudem immer wieder mit Sozialarbeitern in Kontakt, auch im Bekanntenkreis gab es einige Menschen in diesem Beruf. Der Wunsch, selbst Sozialarbeiter zu werden, wurde daraufhin immer stärker. „Die FH St. Pölten habe ich einerseits aufgrund der für mich perfekten geografischen Lage ausgewählt, andererseits auch wegen des großen Praxisbezugs.“

Ein Berufspraktikum hat Bastian beim Psychosozialen Dienst der Caritas Krems absolviert, dann war er drei Monate im Jugendzentrum Steppenwolf in St. Pölten. Während des Studiums nahm Bastian auch an einem Pilotprojekt teil: Er bekam einen Klienten zugeteilt, den er über acht Monate jeweils zwei Stunden die Woche betreute. „Das war eine tolle Zeit, ich habe den Klienten bei Behördengängen und zu anderen Terminen begleitet, bin aber von FH-Lektoren dabei unterstützt worden.“

In Erinnerung geblieben sind ihm besonders die Fächer „Gruppendynamik“ und „Gesprächsführung“, in denen für seine spätere Arbeit als Sozialarbeiter wichtiges Wissen vermittelt wurde. „Da hat man sich in Situationen, wie etwa beim Jugendamt, hineinversetzt.“ Auch besonders schwierige Situationen wurden geübt, wie mögliche Hilfestellungen in Gewaltsituationen.

Wenn sich Jugendliche kreativ betätigen möchten, stellt das Nordrand-Team die Materialien dafür zur Verfügung.
Jugend & Lebenswelt

Weiters wurden im Studium medizinisches Wissen und Thematiken der Entwicklungspsychologie bei Kindern vermittelt. Eine Zeit, die auch Selbstreflexion ermöglicht hat: „Mit welchen Gruppen von Menschen kann ich umgehen, mit welchen nicht?“ Für Bastian war das Studium erneut eine Bestätigung, dass es Jugendliche waren, mit denen er zusammenarbeiten wollte. Nach seinem Studienabschluss begann Bastian daher beim Verein Jugend- und Lebenswelt zu arbeiten.

Ein Masterstudium sei für ihn eines Tages auch denkbar. „Aber aktuell habe ich noch nicht den Drang dazu.“ Er warte eher auf einen Master mit einer Spezialisierung im Bereich Soziale Arbeit, die ihn anspricht – und an der Fachhochschule St. Pölten würden ohnehin regelmäßig neue und interessante Studiengänge hinzukommen.

Bei Nordrand ist Bastian nun „Beauftragter für Kreativität und Gesundes“. Er arbeitet mit den Jugendlichen gerne an kreativen Projekten, gestaltet mit ihnen die Wände der Anlaufstelle um und kocht gerne gesundes Essen. Für die Beschäftigung mit Gesundheit wurde der Verein Jugend & Lebenswelt auch mit einer Plakette für „gesundheitskompetente Jugendarbeit“ ausgezeichnet.

„Wir sind sechs Personen bei Nordrand, drei Frauen und drei Männer, und jeder hat andere Schwerpunkte, um den Jugendlichen ein möglichst differenziertes Angebot zu ermöglichen.“ Der Verein richtet sich an junge Erwachsene zwischen zwölf und 23 Jahren, das Angebot besteht aus vier Säulen, wie Bastian erklärt. Es gibt Beratungstermine, die Anlaufstelle als Ort für die Freizeitgestaltung, den umfangreichen Aspekt des Streetworks sowie die Projektarbeit.

„Bei allen vier Säulen ist die Beziehungsarbeit das Um und Auf“, erklärt Bastian. Niederschwelligkeit, Anonymität, Akzeptanz und Kostenlosigkeit sind vier der Grundsätze des Vereins Jugend & Lebenswelt. „Jeder wird hier akzeptiert, so wie er ist, die Angebote sind freiwillig und selbstverständlich gratis, und die Anliegen der Jugendlichen werden anonym und vertraulich behandelt.“ Bastian betont, dass es sich bei den jungen Erwachsenen keinesfalls stets um Problemfälle handle. „Das ist ein falsches Bild, das in der Öffentlichkeit besteht. Die Beratungsstelle ist für kleinere Anliegen in der Schule oder Konflikte in einer Freundschaftsclique genauso da und auch einfach nur ein geschützter Ort, um die Freizeit zu verbringen.“

Arbeit auf Augenhöhe mit den Jugendlichen

Besonders stolz ist Bastian Kreitner auf den Oktopus, den er mit Jugendlichen in der Anlaufstelle St. Pölten gestaltet hat. 
Nordrand

Wichtig sei in der Arbeit als Sozialarbeiter, den Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen. „Die jungen Erwachsenen sind Experten ihrer eigenen Lebenswelt, und jedes Anliegen verdient es, gehört und respektiert zu werden.“ Wenn die Sozialarbeiter selbst nicht helfen können, wird an andere Einrichtungen vermittelt.

Es sind die kleinen Momente, die Bastian die meiste Freude bereiten. „Zum Beispiel, wenn man mit einem Jugendlichen ein Bewerbungsgespräch übt und dieser dann den Job tatsächlich bekommt, da fiebere ich ja auch immer sehr mit und  freue mich dann für den Jugendlichen.“ Auch wenn prekäre Situationen glimpflich ausgehen oder wenn die Anlaufstelle am Bahnhofsplatz in St. Pölten gut gefüllt ist, ist das ein Grund zur Freude. Vor der Corona-Pandemie gab es eine Gruppe von Jugendlichen, die regelmäßig zum FIFA-Spielen in die Beratungsstelle kam. Freizeitaktivitäten sind aktuell natürlich nicht möglich, dennoch ist die Beratungsstelle für die Jugendlichen geöffnet, wenn sie Fragen haben, Hilfe bei Bewerbungen und Co. brauchen oder wenn es akute Krisen gibt.

„Ich kann es kaum erwarten, wenn in der Anlaufstelle wieder Leben herrscht, es Koch- und Spieleabende gibt und ich wieder unter Menschen sein kann“, sagt Bastian.