FH-Sektor wächst weiter. Elmar Schüll ist Senior Researcher an der Fachhochschule Salzburg. Seine Dissertation verfasste er zu dem Thema „Perspektiven und Herausforderungen der österreichischen Fachhochschulen“.

Erstellt am 23. Februar 2017 (15:09)
Heiko Berner
Durch die gezielte Entlastung von Unis wird ein Wachstum der FHs erwartet, informiert Elmar Schüll im Interview.

Sie haben sich im Rahmen Ihrer Dissertation mit dem österreichischen Fachhochschulsektor auseinandergesetzt: Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein?
Elmar Schüll: Der Fachhochschulsektor ist ein „Moving Target“. Wenn man versucht, ihn zu analysieren und Prognosen abzugeben, ist man mit der Herausforderung konfrontiert, dass sich der Gegenstandsbereich ständig dynamisch entwickelt. Das ist gerade in den letzten Jahren der Fall. Prinzipiell ist festzuhalten, dass sich Veränderungen an Universitäten auch auf Fachhochschulen auswirken. Im Wesentlichen wird es in Zukunft darum gehen, den Fachhochschulsektor auszubauen und Universitäten in den Bereichen zu entlasten, in denen das einvernehmlich möglich ist. Die Zeichen stehen auf Wachstum.

Welche Herausforderungen und Möglichkeiten gehen mit dem Zuwachs im Bereich der Fachhochschulen einher?
Ich halte es für essenziell, das quantitative Wachstum als eine Chance für eine qualitative Entwicklung zu betrachten – das ist auch ein Ergebnis der Studie, die ich durchgeführt habe. Dabei zeigte sich unter anderem, dass sich Fachhochschul-Angehörige eine Entwicklung zu mehr Hochschulformigkeit wünschen. Das bedeutet eine Entwicklung der Fachhochschulen hin zu mehr Zeit für Reflexion, mehr Zeit zum Nachdenken im Unterricht und intensivere Forschung innerhalb der Fachhochschulen. Auch klarere Laufbahnmodelle für Fachhochschul-Angehörige wurden dabei angesprochen.

Welche Studienrichtungen werden Ihres Erachtens in den nächsten Jahren am stärksten wachsen?
Das ist einer der Punkte, die momentan innerhalb der Initiative „Zukunft Hochschule“ in Form eines Entwicklungsplanes für den gesamten Hochschulraum verhandelt werden. Deshalb steht das noch nicht fest. In den letzten Jahren konnte aber ein starker Zuwachs im Bereich der Gesundheitsberufe festgestellt werden, weil diese akademisiert wurden.
Nach wie vor machen klassische Fachhochschulrichtungen wie Wirtschaftswissenschaften und Ingenieurwissenschaft den größten Anteil aus. Es ist daher anzunehmen, dass in diesem Bereich auch weiterhin großes Potenzial liegt.

Zwischen Universitäten und Fachhochschulen wird oft ein konkurrierendes Verhältnis wahrgenommen. Worauf ist das zurückzuführen?
Man vergleicht sich, glaube ich, ganz automatisch, sowohl Fachhochschulen untereinander als auch mit Universitäten. In der Tat wird oft ein Konkurrenzverhältnis wahrgenommen. Man steht ja auch im Wettbewerb, unter anderem um gute Mitarbeiter, um gute Forscher, teilweise auch um Forschungsmittel und Fördergelder. Es gibt aber auch viele Kooperationen zwischen Universitäten und Fachhochschulen, gerade diese sollen in Zukunft ausgebaut werden.

Was wäre das zum Beispiel?
Kooperationen, die etwa die Durchlässigkeit verbessern. Das heißt, dass zum Beispiel Absolventen von Fachhochschulen ein Doktorat an einer Universität machen können. Grundsätzlich geht das schon heute, aber praktisch findet es kaum statt. Also das Verhältnis zwischen den beiden nur als Konkurrenz zu sehen, ist deshalb zu einseitig. Man konkurriert an einigen Stellen miteinander, man kooperiert aber genauso und häufig ignoriert man sich auch höflich.

Junge Menschen wandern für ihr Studium oft in Großstädte ab. Können Fachhochschulen im ländlichen Raum diesem demografischen Wandel entgegenwirken?
Hochschulentwicklung und Regionalentwicklung sind zwei Bereiche, die oft miteinander gedacht werden. Wenn man sich ansieht, wo in Österreich die Sitzregionen der Fachhochschulen sind und wo sich die „demografischen Gewinnregionen“ befinden, so deckt sich das meistens.

Das ist positiv für die Fachhochschulen, weil ihnen die Studierenden nicht so schnell ausgehen werden. Es ist also eher so, dass die österreichischen Fachhochschulen einen weiteren Pull-Faktor für junge Menschen darstellen, in Wachstumsregionen zu ziehen.