Hinter den Kulissen der Musik-Industrie. Ulrich Raab hat nach seinem Medienmanagement-Studium an der FH St. Pölten eine steile Karriere im Musik-Business hingelegt, zunächst bei Warner Music und später bei Universal Music, zuletzt als Marketing-Leiter.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 18. Februar 2020 (00:00)
Auf Augenhöhe mit den Stars: Unter anderem betreute Ulrich Raab während seiner Zeit bei Universal MusicMusikgrößen wie Robbie Williams.
Conny de Beauclair

„Irgendwas mit Medien“ zu machen war schon früh der Wunsch von Ulrich Raab, der in Steinakirchen am Forst im Bezirk Scheibbs aufwuchs. Bereits in der Schulzeit, zunächst am Gymnasium Wieselburg, dann an der HAK Ybbs, war das Medieninteresse groß. „Als Schüler habe ich nebenbei Interviews geführt für den Lokalradiosender Radio DigiHit, den es mittlerweile gar nicht mehr gibt“, lacht Ulrich Raab.

Mit den ersten Praxiserfahrungen im Gepäck wollte er daher nach der Matura auch ein praxisnahes Studium beginnen und entschied sich für das Diplomstudium Medienmanagement an der Fachhochschule St. Pölten. „Aus der heutigen Sicht die beste Entscheidung, die ich genauso wieder treffen würde.“
2004 begann er also das achtsemestrige Diplomstudium, das mittlerweile ein Bachelorstudium geworden ist, und zog dafür nach St. Pölten. Seine Diplomarbeit hatte schließlich den Titel: „Der Wandel der Musikindustrie“ und das Studium konnte er 2008 mit ausgezeichnetem Erfolg abschließen.

Noch immer auf Sendung: das Campus Radio der Fachhochschule St. Pölten. 
Martin Lifka Photography

„Als Streber würde ich mich aber nicht bezeichnen. Vielmehr war das Interesse an den Studieninhalten einfach sehr groß.“ Was ihn am meisten an der FH St. Pölten gereizt hat, waren die vielfältigen Möglichkeiten, sich journalistisch zu betätigen. „Besonders das Ausbildungsradio der FH war ein Grund, warum ich nach St. Pölten gegangen bin. Man konnte als Student mit interessanten Stories schnell on air gehen.“ In Folge übernahm er ein Jahr lang die Redaktionsleitung und arbeitete auch in den Sommerferien für eines seiner Lieblingsmedien an der FH. Zusätzlich schrieb er auch für das Studentenmagazin SUMO und moderierte beim eigenen Campus Fernsehsender. „Man kann sagen, dass ich alle Ressourcen der Fachhochschule ausgenützt habe.“ Und: Er schrieb auch neben dem Studium immer wieder für kleine Musikmagazine.

Pflichtpraktikum als Sprungbrett

Da Ulrich Raab im Zuge seiner Tätigkeit beim Campus Radio öfters mit Warner Music in Kontakt kam, kannte er dort bereits einige Leute und konnte so ein Pflichtpraktikum bei der Plattenfirma ergattern. „Ich habe einfach nachgefragt, ob sie Praktikanten suchen, und das war quasi der erste Fuß in der Tür der Musikindustrie.“
Auch nach Ende des Praktikums konnte er als Freelancer im Bereich Promotion und Marketing weiterarbeiten – immer noch während des Studiums. In dieser Zeit plante und betreute er PR-Termine und arbeitete mit Musikgrößen wie Jason Mraz, Billy Talent und der Band Linkin Park zusammen.

„Eine unvergessliche Zeit und für mich eine große Motivation, im Musikbusiness weiterzumachen.“ Als sich seine Studienzeit zu Ende neigte, bewarb er sich als Artist & Repertoire Manager bei Universal Music Wien. „Irgendwann im Sommer 2008 bin ich daheim gesessen bei meinen Eltern in Steinakirchen und habe das E-Mail bekommen mit der Job-Zusage. Und das war eindeutig einer der glücklichsten Tage meines Lebens.“

Zwei Jahre übte er diesen Job dann aus mit Aufgabengebieten wie beispielsweise Akquisition und Betreuung von österreichischen Künstlern sowie Planung von Videodrehs. „Ich durfte die Produktionsplanung mit Christina Stürmer machen, mit STS zusammenarbeiten oder auch das posthume Live-Album von Georg Danzer mitfinalisieren.“

Eines seiner schönsten Projekte aus dieser Zeit hat jedoch nichts mit den Größen der österreichischen Musik zu tun. Mit der Ernährungsberaterin Sasha Walleczek, bekannt aus Fernsehsendungen wie „Du bist, was du isst“, produzierte er ein Ernährungshörbuch. Das erste und bis dato einzige Hörbuch, das jemals den Goldstatus („Goldene Schallplatte“) in Österreich erreicht hat. „Da haben wir im Team ein sehr schönes Projekt auf die Beine gestellt. Das war ein riesiger Erfolg damals, auf den ich heute noch sehr stolz bin.“

U2, Rolling Stones und Robbie Williams

Die nächste Sprosse auf der Karriereleiter bei Universal Music war die Tätigkeit als Product Manager. „Da hieß es, Ulrich, hast du nicht Marketing studiert, das wäre doch was für dich?“, erzählt Raab. Planung und Durchführung von Marketingkampagnen und Vermarktung von internationalen Künstlern wie Robbie Williams, U2, Take That, Enrique Iglesias, David Garrett und Amy Macdonald waren Teil seiner Aufgaben. Der Wechsel ins Produktmanagement hat auch einen Traum von Ulrich Raab erfüllt, nämlich die Betreuung von britischen Bands und Musikern. „Da denke ich ganz besonders an die Sängerin Amy Winehouse zurück“.
Ein Erlebnis, das Raab ebenfalls gut im Gedächtnis geblieben ist, war die erste „Starnacht aus der Wachau“ 2012, wo Amy Macdonald, die auch privat zu seinen Lieblingskünstlern zählt, einen Auftritt hatte.

„Da stand diese schottische Folk-Pop-Sängerin mit ihrer Band umgeben von österreichischen Schlager-Stars im Backstage-Bereich und verstand kein Wort. Nach einiger Zeit aber machte sie nichtsdestotrotz Party zu Austropop und Co. Da war es einfach schön zu sehen, dass Musik auch sprachen- und genreübergreifend verbindet“, erzählt Raab. Von 2016 bis 2019 war er schließlich Marketing-Leiter bei Universal Music und für ein Team von zwölf Personen zuständig. „Eine der schönsten Zusammenarbeiten aus diesem Karriereabschnitt war bestimmt mit der Ausnahmekünstlerin Helene Fischer, die auch ein großartiges Management hinter sich hat.“

Die schwierigste Frage für Ulrich Raab ist übrigens die nach dem Lieblingslied oder nach dem Lieblingskünstler. „Berufsbedingt hört man da alles Mögliche und entwickelt so einen sehr breit gefächerten Geschmack. Man kann also sagen, ich höre wirklich alles, auch privat“, lacht er.
Seit einem Jahr ist Ulrich Raab nun „Head of Marketing International“ bei Rauch Fruchtsäften und zog dafür von Wien nach Vorarlberg. Ihn habe schlichtweg die Abenteuerlust gepackt, sagt er. „Nach über zehn Jahren bei Universal Music war es auch mal Zeit für eine Veränderung, und wie sagt man so schön: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“

Ressourcen nutzen und offen sein

Die Leidenschaft zur Musik ist aber natürlich nicht verloren gegangen. „Aber wenn ich mich mit alten Kollegen aus Wien unterhalte, dann merke ich schon, dass ich nicht mehr ganz so up to date bin.“ Die Materie ist nun eine ganz andere, die Kommunikation mit vielen Menschen ist geblieben. „Da ich bei Rauch auch für das Sponsoring zuständig bin, arbeite ich nun mit Ski- statt mit Musikstars zusammen: etwa mit Anna Veith und Katharina Liensberger.“

Der Fachhochschule St. Pölten ist er nach seinem Studienabschluss übrigens treu geblieben, einerseits als Alumni-Beirat der Bachelor- und Masterstudiengänge Medienmanagement, andererseits als FH-Lektor. Davor war er immer wieder für studentische Fachvorträge unterwegs. Seit 2012 unterrichtet er das Fach „Musikwirtschaft“ an der FH St. Pölten. „Es ist schön, wenn man an seine Fachhochschule zurückkommt und seine Berufserfahrungen an Studierende weitergeben kann.“
Seine allgemeinen Ratschläge an aktuelle und zukünftige Studierende: „Nutzt die Ressourcen der Hochschule, seid für alles Mögliche offen und vernetzt euch!“