Forschergeist: Herzgewebe aus dem 3D-Drucker?. Florian Richter absolviert zurzeit das letzte Semester des Master-Studiengangs „Medical and Pharmaceutical Biotechnology“ an der IMC FH Krems. In seiner Karriere als FH-Student erhielt er schon einige Preise: 2019 nahm der mittlerweile 24-Jährige den „Young Pharma Award“, den „PTS Präsentations Award“ und 2020 den „Krems Cooperation Research Award“ entgegen.

Von Brigitte Wimmer. Erstellt am 18. Februar 2021 (08:54)
Florian Richter absolviert zurzeit für seinen Master-Lehrgang ein Praktikum am „Ludwig-Boltzmann-Institut für Experimentelle und Klinische Traumatologie“ im Forschungszentrum des Unfallkrankenhauses Lorenz Böhler in Wien.
Brigitte Wimmer

Gekürt wurde Florian Richter von einer Expertenjury und per Publikumsvoting für das Projekt „3D-Bioprinting von Herzzellen“. Hierbei handelt es sich um personalisiertes, dreidimensionales Herzgewebe, welches im Labor mittels eines 3D-Druckers erzeugt werden soll. Das Gewebe könnte zukünftig Patienten, die ein neues Herz brauchen, einen alternativen Therapieansatz bieten.

Die Idee zu diesem Projekt kam den gebürtigen Wiener, als er sein 20-wöchiges Pflichtpraktikum an der „University of Sydney“ in Australien im „Kolling Institute of Medical Research“ absolvierte. Dort forschte er gemeinsam mit dem australischen Team an im Labor hergestellten Modellen des menschlichen Herzens, an Herz-Muskel-Erkrankungen und deren Therapieansätzen.

Richter überlegte, ob diese Modelle, welche direkt aus von Patienten gespendeten Zellen hergestellt werden, vielleicht auch als „Bausteine“ für personalisiertes Herzgewebe verwendet werden könnten. Diesem Thema widmete der gebürtige Wiener schließlich auch seine Bachelorarbeit.
Richter wurde aber nicht schon als Naturwissenschaftler geboren. Sehr lange wusste der jetzige Masterstudent nämlich nicht, was er eigentlich werden möchte.

FH-Workshop in der AHS war die Initialzündung

Erst mit 17 Jahren, als die Fachhochschule Krems einen naturwissenschaftlichen Workshop an seiner AHS in Wien abhielt, entdeckte er seine Leidenschaft. Nach der Matura und einer Interrail-Reise von Norwegen über Schweden, Dänemark und Belgien bis nach Nizza absolvierte der mittlerweile preisgekrönte Jungforscher seinen Zivildienst in einem Wiener Seniorenheim.

Zu dieser Zeit war Richter schon klar, dass er ein Studium in Richtung Medizin und Naturwissenschaft machen möchte. „Es hätte hierfür einige potenzielle Fachhochschulen in Österreich gegeben“, meint der erfolgreiche Student. Für die IMC FH Krems hat er sich aus zwei Gründen entschieden. Erstens, weil in Krems in englischer Sprache unterrichtet wird und somit auch international viele Türen offenstehen, und zweitens, weil diese Fachhochschule großen Wert auf „Networking“ zwischen Schülern aller Semester, den Studienleitern und den Vortragenden legt.

Internationales Flair an der IMC FH Krems

„In Krems“, so der junge Forscher, „ist der kulturelle Austausch groß. Hier studieren zum Beispiel Slowenen gemeinsam mit Zentralamerikanern und auch Personen aus vielen Teilen Asiens gemeinsam mit österreichischen Studenten.“
Sein Studiengangsleiter und Institutsleiter Harald Hundsberger lege, laut Richter, besonderen Wert auf das „Networking“ in der Fachhochschule.

Höhere Semester stellen sich für Fragen der Jüngeren zur Verfügung. Vor der Pandemie fanden am Beginn des Semesters Heurigentreffen statt, und jedes Jahr wird eine wissenschaftliche Konferenz, das „Life Science Meeting“, mit vielen internationalen und nationalen Forschungs- und Industriepartnern von der Fachhochschule veranstaltet. „Das sind tolle Events zum Kennenlernen von Mitstudenten, aber auch, um potenzielle Arbeitgeber zu treffen“, weiß der Master-Student.
Zurzeit wird über Teams, Skype oder über andere Onlineplattformen miteinander kommuniziert. Die Professoren haben Richters Talent zur Wissensvermittlung schon früh entdeckt. Darum gehörte er auch bis Dezember dem Studententeam für Schülerworkshops an: Gymnasiasten können bei dieser „Science Academy“ naturwissenschaftliche Luft in der FH Krems schnuppern. Im letzten Schülerworkshop haben Jugendliche bei einem Experiment Zellen zum Leuchten gebracht, erzählt der Tutor stolz.

„Ich bin ein offener Mensch und spreche auch gerne mit neuen Studenten der Institution“, meint Richter, der die große „FH-Familie“ in Krems sehr schätzt. Seine drei Schwestern haben sicherlich auch etwas dazu beigetragen, dass er leicht Kontakte knüpfen kann und sich dadurch zu einem guten Wissensvermittler entwickelte.

Für seinen Master-Lehrgang absolviert Richter zurzeit ein Praktikum am „Ludwig-Boltzmann-Institut für Experimentelle und Klinische Traumatologie“ im Forschungszentrum des Unfallkrankenhauses Lorenz Böhler in Wien. Hier lernt der FH-Krems-Student Neues im Forschungsbereich der Knochenregeneration.

Und Richter hat noch einiges vor. Nach dem Masterstudium strebt er das Doktorat an, welches er möglicherweise gerne im Ausland absolvieren möchte.