Vom Studenten zum Lektor. Andreas Schachenhuber war Wirtschafts-Student der IMC Fachhochschule Krems und ist dort nun nebenberuflich Lehrender für Export-oriented Management, International Business and Export Management und International Wine Business.

Erstellt am 23. Februar 2017 (15:07)
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Der Kremser Andreas Schachenhuber, Strategieberater spezialisiert auf Einkauf, Beschaffung und Supply Chain Management, lehrt an der FH Krems.

Sie haben an der IMC Fachhochschule Krems studiert und sind dort jetzt Lektor. Wie ist es dazu gekommen?
Andreas Schachenhuber: Nach der Ausbildung zum Biotechnologen und Chemiker und einer Zwischenstation am elterlichen Weingut wechselte ich in einen international tätigen Konzern. Dieser Job eröffnete mir neue Perspektiven und ich entschloss mich ein internationales, englischsprachiges Wirtschaftsstudium zu starten. Trotz großer Auswahl an Hochschulen im Raum Wien hat nur das IMC in Krems all meine Anforderungen erfüllt.

Und wie kam es dazu, dass Sie zu lehren begonnen haben?
Das ging sehr schnell und es ergab sich eins nach dem anderen. Ich hielt nach meinem Master-Abschluss immer engen Kontakt zur Hochschule, dann planten wir eine Gastvorlesung und dann fiel kurzfristig ein Lektor aus, für den ich eingesprungen bin. Da war auch schon der Start in die Lehre getan.

Hätten Sie sich vorstellen können, dass Sie einmal Lehrender an einer Uni sein werden?
Geplant hatte ich das nie, es hat sich ergeben und es macht unglaublich viel Spaß, meine Erfahrungen und mein Wissen mit den Studenten zu teilen.

Wie haben Sie die Fachhochschule damals als Student erlebt und wie jetzt?
Als Student stehen andere Dinge im Fokus. Da war es immer sehr bereichernd, mit Lehrenden die unterschiedlichen Perspektiven der Theorie zu betrachten und dadurch die Auswirkungen auf die Praxis zu verstehen. Als Lektor liegt es nun an mir, dieses Interesse in den Studenten zu wecken und kritisches Denken zu fördern und Raum dafür zu schaffen.

Welches Bestreben nehmen Sie aus Ihrer Studienzeit für Ihre Tätigkeit als Lektor mit?
Theorie und Praxis bestmöglich zu verbinden. Es waren jene Lektoren, die Theorie mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis verbinden konnten, die in mir großes Interesse und Neugierde geweckt haben. Diesen Ansatz versuche ich zu integrieren.

Sie haben vermutlich aber auch Beispiele erlebt, wie es nicht gehen soll?
Damit Lernende Wissen verdauen können, ist es wichtig, nicht vorhandenes Wissen mit vorhandenem Wissen zu verknüpfen. Es gibt Vortragende, denen gelingt das sehr gut und man versteht komplexe Sachverhalte sehr einfach, während anderen es nicht so gut gelingt.

Wie vereinbaren Sie Ihre beiden Berufstätigkeiten als Strategieberater und Lektor an der IMC Fachhochschule Krems?
Mit Beginn des Wintersemesters konnte ich meine hauptberufliche Beratungstätigkeit etwas reduzieren, um Zeit für die Vorlesungen zu haben. Somit bringe ich alles unter einen Hut.

Welche Botschaft ist Ihnen, neben den vorgegebenen Inhalten, wichtig zu vermitteln?
Die Studenten werden nach ihrem Abschluss in der Praxis vor großen Herausforderungen stehen, die sie nur durch innovative und kreative Lösungsansätze meistern können. Es ist oft ein Schritt zurück, der das Problem erst klar werden lässt, und der berühmte Blick über den Tellerrand, der mögliche Lösungen hervorbringt. Die Studenten sollen sich ihr kritisches Hinterfragen und ihre Wissbegierigkeit auch in ihrem zukünftigen beruflichen Alltag bewahren. Manchmal ist es gut, der unangenehme Zeitgenosse zu sein, der immer wieder eine neue Frage stellt. Nur so gelangt man an den Kern des Problems. Genau das möchte ich ihnen mit auf den Weg geben.

Was ist Ihnen bei der Vorlesungsgestaltung wichtig?
Mein Fokus liegt darauf, die Studenten zu Beginn einer Vorlesung möglichst gut abzuholen und sie auf eine Reise mit neuen Inhalten mitzunehmen. Ich versuche, diesen Weg so zu gehen, dass er für die Studenten nachvollziehbar ist und sie gut folgen können. Meine Vorlesung ist als „Sandkiste“ zu sehen. Die Studenten sollen hier Raum und Zeit haben, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen, Lösungen zu erarbeiten, zu verwerfen und zu verändern. Wir verknüpfen Theorie und Praxis und beleuchten sie aus unterschiedlichsten Blickwinkeln. Gemeinsam tauchen wir in diese unterschiedlichen Blickwinkel ein und analysieren die verschiedenen Aspekte. Dafür versuche ich eine Diskussionsplattform anzubieten, in der es selten ein Richtig oder Falsch gibt.

Was brauchen Fachhochschulen, um in Zukunft weiterhin erfolgreich zu sein?
Absolventen mit kritischem, praxisbezogenem Verständnis auszubilden. Nichtsdestotrotz mit einer fundierten theoretischen Grundlage, um auch die zugrunde liegenden Probleme analysieren und verstehen zu können.