Krankenpflegeschulen: Den Menschen als Ganzes sehen. Die Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung fällt zukünftig in den Bereich der Fachhochschulen.

Erstellt am 23. Februar 2017 (15:10)
IMC FH Krems
Die Akademisierung der Pflege ist international längst üblich. Seit 2016 ist die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege nun auch in Österreich gesetzlich verankert.

Österreich war eines der wenigen Länder Europas, das die Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung nicht im tertiären Bildungsbereich verwurzelt hatte, sondern in Krankenpflegeschulen.

IMC FH Krems
Karin Klas, Studiengangsleiterin an der IMC FH Krems.

Bis 2016. Seither ist das Studium an Fachhochschulen gesetzlich verpflichtend verankert und soll nach derzeitigem Stand bis spätestens 2024 von den Fachhochschulen übernommen werden. Grundsätzlich möglich ist das Bachelorstudium der Pflege bereits seit 2008, in NÖ seit 2012, als die FH Krems mit dem ersten Bachelorstudiengang startete. Die FH Wiener Neustadt folgte 2014 und ein Jahr später, 2015, auch die FH St. Pölten.

„Die sich rasant verändernden gesundheitlichen Herausforderungen der Gesellschaft bedeuten für die Gesundheits- und Krankenpflege auch eine Erweiterung ihrer Tätigkeiten und einen Zuwachs an Verantwortung“, erklärt Bettina Koller-Resetarics, Studiengangsleiterin an der FH Wiener Neustadt, diesen notwendigen Schritt in der Ausbildung.

Hälfte der Ausbildung ist praktisch angelegt

In diesem Studium lernen sozial ambitionierte Menschen, den Menschen ganzheitlich zu sehen. „Genau zu wissen, was ein Mensch braucht, Kleinigkeiten zu erkennen und den Menschen als Ganzes zu sehen − in der Form kann das nur die Pflege“, so Karin Klas, Studiengangsleiterin an der IMC FH Krems und betont, dass Pflege eine eigene Profession und kein Teilbereich der Medizin sei.

Eine Konkurrenz zur bisherigen Ausbildung gebe es in dem Sinn nicht. „Es wird lediglich die Ausbildung von der einen Form in die andere überführt“, erklärt Klas, räumt jedoch ein, dass das Thema enorme Emotionen auslöste, da man die Praxiserfahrung der Studierenden anzweifelt. „Es muss keine Sorge da sein, nur weil man Gesundheits- und Krankenpflege studiert, dass man keine Leute hat, die praktisch arbeiten wollen“, betont Petra Ganaus, Studiengangsleiterin an der FH St. Pölten, dass die Hälfte der Ausbildung praktische angelegt ist.

„Genau zu wissen, was ein Mensch braucht, Kleinigkeiten zu erkennen und den Menschen als Ganzes zu sehen − in der Form kann das nur die Pflege!“
Karin Klas, Studiengangsleiterin an der IMC FH Krems

privat
Bettina Koller-Resetarics, Studiengangsleiterin an der FH Wiener Neustadt.

Die Studierenden müssen bereits ab dem ersten Semester Berufspraktika in unterschiedlichen Fachbereichen absolvieren. Dazu zählen Pflichtpraktika in der Akut-, Langzeit- und Mobilen Pflege sowie in Prävention und Rehabilitation nach aktuellen wissenschaftlichen Standards. Und da die Ausbildung nicht an ein einzelnes Krankenhaus gebunden ist, sei auch die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, breiter aufgestellt als beim herkömmlichen Ausbildungsweg.

„Zusätzlich zu praktischen Fertigkeiten haben wir den Anspruch, die Studierenden zum kritischen Denken anzuregen und verschiedene Herangehensweisen zu überlegen“, sagt Karin Klas. Das werde in der Praxis auch sehr geschätzt, wodurch die Jobaussichten hervorragend seien.

"Bilden für die Praxis aus"

privat
Petra Ganaus, Studiengangsleiterin an der FH St. Pölten.

„Wir bilden die Studierenden für die Praxis aus und die Praktika werben um unsere Absolventen. Jobs gibt es in allen Bereichen. Von der Akutpflege über die Langzeitpflege und mobile Pflege. Auch eine freiberufliche Tätigkeit oder die Mitarbeit in Praxisgemeinschaften ist möglich“, erklärt Bettina Koller-Resetarics.
Zusätzlich ermöglicht das Bachelorstudium der Gesundheits- und Krankenpflege den FH-Absolventen die Chance, in ganz Europa zu arbeiten. Bei der herkömmlichen Ausbildung ist zum Teil eine zusätzliche Nostrifizierung notwendig.

Die verpflichtende Überführung der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung in den akademischen Bereich ist nur ein Schritt für die Zukunft: „Der Pflegesektor wird sich allgemein sehr verändern. Fakt ist, dass viele Gesundheits- und Krankenpfleger Tätigkeiten ausüben, für die sie eigentlich überqualifiziert sind“, führt Klas aus.

Die zukünftige Arbeitsunterteilung im Pflegebereich soll Klarheit schaffen. Möchte jemand ohne Hochschulzugang in einem Pflegeberuf arbeiten, so ist dies in der Pflegeassistenz oder Pflegefachassistenz, deren Ausbildung an den Krankenpflegeschulen stattfinden wird, möglich. Diesen werden anderen, ebenfalls sehr wichtigen Aufgaben zugeteilt, als den Gesundheits- und Krankenpflegern.

Für diese und jene zähle: „Der Pflegebereich ist ein toller Beruf, bei dem man Menschen in schwierigen Lebenslagen hilft. Ich würde nichts anderes machen wollen!“, so Klas.