Lehre nach schwerer Krankheit. Mit 15 Jahren kämpfte Luca A. um sein Leben. Diesen Herbst, fast zwei Jahre später, startete er seine Lehre zum Personaldienstleistungsassistent beim AMS Baden. Mit seiner Erkrankung geht er offen um.

Von Bettina Kreuter. Erstellt am 15. November 2019 (11:08)
Luca A. (17) an seinem Arbeitsplatz beim
AMS Baden.

Luca A. weiß viel über Autos. So lag sein Berufswunsch nahe: Autoverkäufer. In seinem letzten Schuljahr hatte er sich bei einem Autohaus für eine Lehrstelle vorgestellt – doch dann änderte sich sein Leben schlagartig.

Die ersten Symptome der Krankheit traten vor zwei Jahren auf: Müdigkeit, Schwindel, wochenlang hohes Fieber. Die Diagnose kam im Jänner 2018, da erfuhren Luca und seine Mutter: Es ist Lymphknotenkrebs. Im St. Anna-Kinderspital konnte er geheilt werden, der Weg zurück ist lang und noch nicht vorbei. Den Schulabschluss holte der junge Mann nach und er wünschte sich eine Lehrstelle. Lange suchen musste er sie trotz seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht: „Lucas Mutter war auf einer Veranstaltung des Service für Unternehmen im AMS Baden. Nebenbei hat sie mir erzählt, dass ihr Sohn einen Arbeitsplatz sucht“, erinnert sich Claudia Schweiger, Geschäftsstellenleiterin vom AMS Baden.

Gleich am nächsten Tag rief Luca bei ihr an, in der kommenden Woche traf man sich zum Bewerbungsgespräch. „Das Arbeiten im Büro gefällt mir sehr gut“, schildert der heute 17-Jährige.

AMS-Geschäftsstellenleiterin Claudia Schweiger und Jana Kleppek, stellvertretende Abteilungsleiterin Service für Unternehmen, stehen voll und ganz hinter ihrem Lehrling.
NOEN

„Beim AMS sind wir es gewohnt zu helfen. Gemeinsam mit der Landesgeschäftsstelle haben wir nach einer guten Lösung für Luca gesucht. So wird Luca nun aufgrund seiner körperlichen Beeinträchtigungen seine Lehre als Personaldienstleister in vier statt in drei Jahren absolvieren“, so Schweiger. Bevor Luca am 21. Oktober 2019 mit seiner Lehre begann, absolvierte er ein fünfwöchiges Praktikum beim AMS Baden. Hier lernte er alle Abteilungen kennen. Auch das ist nicht selbstverständlich. Gelandet ist er schließlich bei Jana Kleppek im Service für Unternehmen.

Hier wird er in vier Jahren zum Personaldienstleistungsassistent ausgebildet. „Wir sind vom ersten Arbeitstag an offen mit Lucas Bedürfnissen umgegangen. Das macht es für uns alle
leichter“, erklärt Kleppek. Vom Lymphknotenkrebs ist er geheilt, es ist der Körper, der
noch ein bisschen Zeit braucht, denn Luca hat 51 Kilo abgenommen. Nächstes Jahr möchte Luca seinen Führerschein machen, dafür müssen aber die Beine mitspielen. Bis dahin fährt er täglich mit dem Bus nach Baden zu seiner Lehrstelle. Er arbeitet Teilzeit, sechs Stunden am Tag, 30 Stunden in der Woche.

Im November kommt er für zehn Wochen in die Berufsschule. Die lange Abwesenheit von daheim macht ihm nichts: „Ich war gerade erst fünf Wochen lang auf Reha“, verrät Luca. In der Schule wird er von einer Berufsausbildungs-Assistenz und einer Lernbegleitung unterstützt. Sein Wissensdurst und sein Zugehen auf Menschen sind trotz der Krankheitserfahrung stark ausgeprägt. Das erkennt auch seine Lehrlingsausbilderin Jana Kleppek, die ihn mit der Vielfalt seines Berufs vertraut macht.