„Das Lehrlingswesen ist mir ein großes Anliegen“. Seit Mai ist Andreas Kandioler Landeslehrlingswart. Im Interview spricht er über seine neue Funktion und die Herausforderungen eines Landeslehrlingswartes.

Erstellt am 16. November 2020 (13:47)
Der Wilhelmsburger Ingenieur Andreas Kandioler ist Ansprechpartner der Wirtschaftskammer in Lehrlingsfragen.
 
Josef Bollwein

Sie sind Niederösterreichs neuer Landeslehrlingswart. Was sind die Aufgaben eines Landeslehrlingswarts?

Andreas Kandioler: Der Landeslehrlingswart ist quasi der Sprecher der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) zu Lehrlingsthemen. Er bündelt die Anliegen der einzelnen Branchen zu diesem Thema und vertritt sie im Rahmen der Interessenvertretung gegenüber den Sozialpartnern und der Politik.

Wie sind Sie zu dieser Funktion gekommen? Was ist das Spannende, Schöne, Herausfordernde für Sie dabei?

Kandioler: Ich wurde von Wolfgang Ecker, dem Präsidenten der Wirtschaftskammer Niederösterreich, gefragt, ob ich diese Funktion übernehmen möchte. Da mir das Lehrlingswesen immer schon ein großes Anliegen war, habe ich nicht lange überlegt und zugesagt. Die Wirtschaft benötigt gute Fachkräfte, um am regionalen, nationalen und internationalen Markt bestehen zu können. Die Lehrlingsausbildung ist ein Garant für gute Fachkräfte und dementsprechend enorm wichtig. Nicht umsonst beneiden uns viele Länder um diese Form der beruflichen Qualifikation. Es ist daher die Aufgabe der Interessenvertretung, besonders auf die optimalen Rahmenbedingungen für die Lehrlingsausbildung zu schauen und noch mehr (junge) Menschen zu gewinnen, die eine Lehre absolvieren. Das macht die Aufgabe eines Landeslehrlingswarts besonders spannend, denn mit dieser Funktion obliegt es mir, hier initiativ und aktiv einen Beitrag für das Lehrlingswesen in Niederösterreich leisten zu können.

Haben Sie schon konkrete Pläne?

Kandioler: Gemeinsam mit Stefan Gratzl, dem Leiter der Abteilung Bildung in der WKNÖ, habe ich erste Zielgespräche geführt, wir haben Themen abgesteckt und über mögliche Maßnahmen geredet. Da die Ausschusssitzung aber noch aussteht, möchte ich hier nicht vorgreifen.

Lehrlinge zu bekommen stellt viele Betriebe vor große Herausforderungen? Haben Sie Tipps, wie es die Unternehmen schaffen könnten, sich attraktiver zu machen?

Kandioler: Ja, es stimmt, es ist für Unternehmen oft nicht leicht, den passenden Lehrling zu finden. Besonders erfreulich ist, dass sich immer mehr junge und auch ältere Menschen entscheiden, eine Lehrlingsausbildung zu machen. Auch wenn durch die Covid-19-Situation derzeit ein kleiner Dämpfer besteht, so hatten wir bis Mai dieses Jahres steigende Lehrlingszahlen im ersten Lehrjahr. Immer mehr Menschen erkennen die Chancen, die mit einer Lehre verbunden sind: tolle fachliche Qualifikation und Erweiterung der sozialen Kompetenzen. Nach der Lehre stehen einem alle Wege offen.