Vom Gasthaus direkt in den LKW. Angelika Winter hat nach 20 Jahren im Gastgewerbe umgeschult und holt nun als Berufskraftfahrerin Milch von Bauernhöfen.

Erstellt am 12. November 2020 (14:34)
Angelika Winter hat als Berufskraftfahrerin ihren Traumjob gefunden.
Florian Engel

„Nach 20 Jahren im Gastgewerbe wollte ich etwas Neues ausprobieren – so bin ich zur Berufslenker Akademie gekommen“, erzählt Angelika Winter über ihren Werdegang. Die zweifache Mutter hat im Oktober 2018 eine komplette berufliche Neuorientierung hingelegt und die vom Arbeitsmarktservice (AMS) NÖ und der Wirtschaftskammer NÖ betriebene „Berufslenker Akademie“ absolviert.

„Ich empfehle jungen Menschen das, was ich auch meinen Kindern sage: Horcht in euch hinein und hört darauf, was ihr machen wollt.“ Angelika Winter

Bereut hat Angelika Winter diese Entscheidung nicht. Doch wie kam es überhaupt dazu? „Ich wusste gar nicht, was ich genau machen möchte, nur, dass ich nicht mehr im Gastgewerbe arbeiten will“, erzählt Winter. Durch das Programm FIT des AMS habe sie dann verschiedene Berufe ausprobieren können, bis sie auf die Berufslenker Akademie gestoßen ist.

Sie begann daraufhin ihre praktische Ausbildung im Oktober 2018 bei der Firma BichlerTransporte, die sie im Juni 2020 abschloss. Nach wie vor arbeitet Winter bei der Firma Bichler- Transporte: Sie holt Milch von Bauernhöfen ab und transportiert sie zur Verarbeitung nach Baden.

Highlight ist die Selbstständigkeit

Was sie an ihrem neuen Job besonders mag? „Mein Highlight ist nach wie vor das Fahren. Und dass ich den ganzen Tag auf mich alleine gestellt bin. Das Alleinesein an sich – das genieße ich wirklich sehr“, so Winter. Auch die Arbeitszeiten gefallen ihr: „Ich arbeite immer unterschiedlich, manchmal auch am Wochenende. Das empfinde ich als sehr angenehm. So kann ich auch unter der Woche viel für meine Kinder da sein.“ Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer würde sie in jedem Fall empfehlen. „Es ist super, weil man auch von rundherum sehr viel mitbekommt. Ich habe zum Beispiel auch in der Werkstatt, im Lager oder im Büro gearbeitet. Ich kann jedem raten, diesen Weg zu gehen, da man als Lehrling schon sehr an der Hand genommen wird“, meint Angelika Winter.

Wer überlegt, diese Ausbildung zu absolvieren, sollte ein grundlegendes Interesse an Lkws, Flexibilität und Selbstständigkeit mitbringen. „Gerade in der Spedition, aber auch bei der Lehrabschlussprüfung muss man beispielsweise die Routen selbst planen – das setzt schon ein gewisses Maß an Selbstständigkeit voraus“, so Winter.

Was sie jungen Menschen empfiehlt, die sich für einen bestimmten Berufsweg entscheiden? „Ich kann jedem jungen Menschen nur das ans Herz legen, was ich meinen eigenen Kindern auch sage: Horcht in euch hinein und hört darauf, was ihr machen wollt. Macht es, wenn es euch Spaß macht. Im Endeffekt müsst ihr glücklich damit sein.“