Gutes Klima in der Brauerei. In der Brauerei Schwechat starteten jetzt im Herbst 2020 ein Brau- und Getränketechniker sowie ein Mechatroniker ihre Ausbildung.

Erstellt am 16. November 2020 (13:49)
Mechatronik-Lehrling Daniel sieht Lehrmeister David Prostojevsky beim Kontrollieren der Ventile in der Füllanlage zu.
Brigitte Wimmer

Daniel Schwarz trat im September 2020 mit 15 Jahren seine Lehre zum Mechatroniker in der Brauerei Schwechat an. Sein Lehrbeauftragter, David Prostejovsky (er ist erst 27 Jahre alt), bereitet seinen Schützling in dreieinhalb Lehrjahren für die Lehrabschlussprüfung vor und ist im Betrieb seine erste Ansprechperson. Schwarz besuchte zuvor die HTL in Mödling, fand aber bald heraus, dass er mehr der praktische Typ ist, und wechselte in die Polytechnische Schule nach Himberg. Die Lehrstelle bei der Brauerei Schwechat fand er schließlich im Internet.

Bei Gespräch auf Herz und Nieren geprüft

Vier verschiedene Personen aus dem Betrieb waren bei Daniels Bewerbungsgespräch dabei und stellten Fragen an den potenziellen Zuwachs der Firma. „Sie wollten wissen, ob ich mich schon informiert habe über die Schwechater Brauerei, welche Schulbildung ich vorweisen kann und welche Hobbys und Sportarten ich betreibe“, erinnert sich der Lehrling. Skifahren und Mopedfahren stehen übrigens an erster Stelle in Daniels Freizeit. Es wurde auch nach den Erwartungen des 15-Jährigen an diesen Job gefragt und wie er sich den Ablauf der Ausbildung so vorstelle.

In den ersten Monaten erlernt Daniel die mechanischen Grundkenntnisse wie Feilen, Bohren und Schweißen, Gewindeschneiden und Metalldrehen. Dabei beobachtet der Lehrmeister, wie genau der junge Mann arbeitet und wie sauber er seinen Arbeitsplatz hält.

In der Brauerei Schwechat gibt es keine Lehrwerkstatt. Alles wird direkt vor Ort an den Maschinen erklärt und gemacht. Da Mechatronik-Lehrlinge in der Berufsschule erst nach dem zweiten Lehrjahr die Elektronik durchnehmen, wird auch im Betrieb ungefähr zu dieser Zeit mit der elektronischen Schulung begonnen. Übrigens absolviert Daniel die Berufsschule in drei Zehn-Wochen-Blöcken in der Landesberufsschule Amstetten. Im vierten Jahr kommen noch fünf Wochen Schule hinzu.

Die Brauerei zahlt Lehrlinge sehr gut

Der Verdienst des angehenden Mechatronikers ist beachtlich. Er bekommt schon jetzt im ersten Lehrjahr 1.090 Euro brutto. Davon können viele andere Lehrlinge nur träumen.

Die Schwechater Brauerei ist ein Teil der Brauunion Österreich, welche wiederum zum internationalen Unternehmen Heineken gehört. Heineken besitzt 110 Brauereien in der ganzen Welt. Mechatronik-Meister Prostejovsky leitete schon einige Projektschulungen, international zum Beispiel auf Jamaika und in Ungarn und kürzlich auch national in der neuen kleinen Brauerei Kaltenhauser Botschaft Fünfhaus in Wien-Mariahilf.

Elf Mechatroniker und 15 Getränketechniker arbeiten in der Brauerei Schwechat. Insgesamt gibt es 300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Standort. „Das Arbeitsklima ist super“, berichtet Daniel Schwarz. „Es rennt der Schmäh, und es wird gut gearbeitet“, bestätigt auch Lehrherr Prostejovsky. Mechatroniker müssen in der Bier-Produk tionshalle und in der Abfüll anlage Maschinen, Pumpen, Kessel und Motoren warten und reparieren. Das Abfüllwerk läuft 24 Stunden täglich von Montag bis Freitag und im Sommer auch am Wochenende.

Zurzeit sind keine Frauen im technischen Bereich der Brauerei beschäftigt – nur im Labor ist eine Mitarbeiterin tätig, die für die Qualitätssicherung des Hopfensaftes verantwortlich ist.
Schwechat hat übrigens die größte Dosenabfüllanlage Österreichs, hier werden 60.000 Stück 0,5-Liter-Dosen in der Stunde befüllt. Zweimal die Woche ist Anlagen-Großreinigung angesagt – dann werden Fehler behoben oder Verschleißteile getauscht. Auch beim Sortenwechsel besteht die Möglichkeit, etwas an den Maschinen zu reparieren. Nur im höchsten Notfall wird der Füllbetrieb gestoppt, um einen Fehler zu beheben.

Wie sucht der Betrieb seine Lehrlinge aus?

Zuerst bekommt die Brauerei schriftliche Bewerbungen. Diese sortieren die Lehrbeauftragten nach den Zeugnissen und den Lebensläufen aus. „Ich kann diese Google-Bewerbungen nicht mehr sehen! Mir ist wichtig, dass der Lebenslauf ordentlich formatiert ist, keine Fehler enthalten sind und ein Foto hinzugefügt wurde. Wenn jemand Lücken (Jahre ohne Definition) im Lebenslauf hat, dann möchte ich, dass diese erklärt werden, damit ich mir ein Bild machen kann von dem Bewerber/der Bewerberin“, erklärt der 27-jährige Meister. Prostejovsky mag es auch nicht, wenn langatmige „Romane“ in Bewerbungen enthalten sind. „Mir ist lieber, es wird kurz und klar erklärt, warum man in dieser Firma Mechatroniker werden möchte und wie man auf diese Firma gestoßen ist“, meint der Brauereiangestellte.

Eine Lehre zum Brau- und Getränketechniker begann Andreas Tamedl (32) am 1. Oktober 2020. Sein Bruder, der ebenfalls in der Brauerei Schwechat arbeitet, hat ihn dazu bewogen, in diesem Unternehmen noch einmal neu zu starten. „Hier herrscht ein sehr gutes Arbeitsklima, und hier habe ich auch Aufstiegschancen“, erklärt der Neuzugang.

Mit 32 Jahren eine Lehre gestartet

Nachdem Tamedl Maschinenschlosser bei den ÖBB gelernt hat, über neun Jahre in einem Pharmabetrieb tätig war und drei Jahre in der Lebensmittelerzeugung gearbeitet hat, kann er seine Brau- und Getränketechniker-Lehre in 2,5 Jahren absolvieren. Er bekommt auch schon den Lohn in der Höhe des dritten Lehrjahres, wird aber natürlich auch im Schichtbetrieb eingesetzt (Schichtarbeit ist erst ab 18 Jahren erlaubt). Sein Arbeitsplatz sind das Sudhaus, die Filtration sowie der Gär- und Lagerkeller.

Da die Brau- und Getränkeausbildung sehr speziell ist, gibt es einige Lehrlinge, die eine Doppelausbildung anstreben und zusätzlich gleichzeitig noch die Elektriker- oder Mechaniker- Lehre absolvieren.
https://www.brauunion.at