Lage weiterhin angespannt. Corona-Krise schlägt auf den Lehrstellenmarkt durch. „Wir müssen gemeinsam mit den Sozialpartnern und dem Land für junge Menschen wieder Perspektiven und Chancen schaffen“, so AMS-NÖ-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich.

Erstellt am 12. November 2020 (12:28)
zVg

Die Corona-Krise hat vor keiner Branche und keiner Gruppe von Beschäftigten in NÖ Halt gemacht. Besonders betroffen sind junge Menschen. Das Arbeitsmarktservice, das Land NÖ und die niederösterreichischen Sozialpartner setzen alle Kraft ein, um Stabilität in das turbulente Arbeitsmarkt- und Lehrstellenmarktgeschehen zu bringen und für junge Menschen Einstiegschancen zu eröffnen.

Vor der Corona-Krise: NÖ mit österreichweiter Top-Performance

2019 verzeichnete Niederösterreich mit einem Rückgang von 10,1 % bei jobsuchenden Jugendlichen den österreichweit stärksten Rückgang. Jahresdurchschnittlich waren 4.678 Personen im Alter bis 24 arbeitslos. Die Lücke an fehlenden Lehrstellen mit „nur“ 335 war 2019 so klein wie zuletzt 2001 (324). Im Jahresdurchschnitt standen insgesamt 1.119 Lehrstellensuchende 784 beim AMS angebotenen freien Lehrstellen gegenüber.

Jugendliche von der Corona-Krise besonders hart getroffen

Zum Höhepunkt der Corona-Krise (April) lag die Arbeitslosenquote von Jugendlichen bei 11,6 %. Damit verzeichneten hier junge Menschen im Vorjahresvergleich den stärksten Anstieg (+ 6,1 Prozentpunkte) von allen Altersgruppen. Besonders betroffen: Jugendliche im Alter zwischen 20 und 24 Jahren.

Die Schere zwischen Lehrstellenangebot und -nachfrage hat sich wieder deutlich geöffnet. Die Zahl der beim AMS gemeldeten freien Lehrstellen sank im Monat Juni im Vergleich zum Vorjahr um 10,6 % (auf 674). Gleichzeitig nahm die Zahl der Lehrstellensuchenden mit einem Plus von 12,3 % (auf 1.048) stark zu.

Herbst 2020: Leichte Besserung, aber Lage weiterhin angespannt

Ende September lag die Arbeitslosenquote der Jugendlichen in NÖ bei 6,8 %. Im
Vergleich zum Höhepunkt der Krise ist das die deutlichste Reduktion von allen Altersgruppen (Haupterwerbsalter 7,3 %; Ältere 9,0 %). Die Zahl der jobsuchenden Jugendlichen (5.221) liegt aber mit einem Plus von 16,9 % deutlich über dem September des Vorjahres.

Die Zahl der beim AMS gemeldeten freien Lehrstellen sank im September im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 % (auf 904). Gleichzeitig nahm die Zahl der Lehrstellensuchenden mit einem Minus von 0,4 % (auf 1.279) geringfügig ab. Die Zahl der neu eingegangenen Lehrverträge ist im Monat September im Vergleich zum Vorjahr um minus 188 auf 1.363 gesunken.

Hinzu kommen deutliche Unterschiede zwischen Lehrstellenangebot und -nachfrage in Niederösterreich. Während im Weinviertel und im südlichen Niederösterreich ein großer Überhang an Lehrstellensuchenden im Vergleich zu den angebotenen Lehrstellen herrscht, gibt es im Mostviertel und Waldviertel weniger Lehrstellensuchende als bei den AMS-Geschäftsstellen gemeldete Lehrstellen.

Jugendliche auf wenige Berufsbilder fokussiert

Bei der Wahl der Lehrberufe zeigt sich eine Konzentration auf wenige Berufe. Knapp ein Drittel aller Lehrlinge entscheidet sich für nur drei Berufe: Einzelhandel, Elektrotechnik und Kraftfahrzeugtechnik. Zu den Top-3-Lehrberufen bei jungen Frauen zählen Einzelhandelskauffrau, Friseurin und Bürokauffrau. Bei den jungen Männern sind es Elektrotechniker, Kraftfahrzeugtechniker und Metalltechniker.

„Die Corona-Krise hat alle Menschen am Arbeitsmarkt getroffen. Besonders hart traf es junge Menschen, weil viele von ihnen kaum berufliche Erfahrung vorweisen können. Sie laufen Gefahr, dass das Tor zum Berufseinstieg und zu einem selbstbestimmten Leben für lange Zeit verschlossen bleibt. Wir müssen gemeinsam mit den Sozialpartnern und dem Land für junge Menschen wieder Perspektiven und Chancen schaffen“, so AMS-NÖ-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich.

So wurden in den ersten drei Quartalen des Jahres 2020 mehr als 7.800 junge Menschen mit einer Förderung des AMS unterstützt.