Kontinuität über Jahrzehnte. Die Firma Eaton aus Schrems schreibt das Thema Lehre groß. Seit 1971 gibt es ein Lehrlings-Ausbildungszentrum, in dem bis heute bereits 681 junge Menschen ausgebildet wurden.

Erstellt am 16. November 2020 (12:05)
Maschinen per Computer bedienen: EDV-Kenntnisse gehören bei der Firma Eaton in allen Lehrberufen dazu.
Eaton

„Letztes Jahr ging ein Mitarbeiter in Pension, der vor 50 Jahren bei uns seine Lehre begonnen hat“, erzählt Josef Hackl, Leiter der Lehrlingsausbildung und des Ausbildungszentrums bei der Firma Eaton in Schrems. Das Unternehmen, das auf das Managen von elektrischer Energie spezialisiert ist, legt besonderen Wert auf die Lehre als Ausbildungsform.

Die Zahlen sprechen für sich: Seit 1971 gibt es eine eigene Lehrwerkstätte, in der bisher 681 Lehrlinge zu Fachkräften ausgebildet wurden. „Rund die Hälfte unserer Belegschaft sind ehemalige Lehrlinge“, zeigt sich Hackl stolz. Derzeit bildet die Firma Eaton 51 Lehrlinge (sieben weibliche) in sieben verschiedenen Lehrberufen aus.

Ausbildung mit hohem Qualitätsanspruch

So auch Jennifer Straßer. Die 19-Jährige hat 2015 die Lehre zur Werkzeugbautechnikerin und Kunststoffformgeberin begonnen und vor kurzem erfolgreich abgeschlossen. Die Ausbildung dauert vier Jahre und schließt mit einem Doppelberuf ab – das bedeutet auch zwei Lehrabschlussprüfungen. „Gerade die zwei Prüfungen am Ende der Lehre waren natürlich schon herausfordernd, ich wurde von der Firma aber ideal darauf vorbereitet“, erzählt Jennifer. Denn Eaton bietet mit dem Lehrlingsausbildungszentrum (bestehend aus Lehrwerkstätte, Seminarraum und Labor) zusätzlich zur Berufsschule und der Praxis auch Theorieunterricht samt Prüfungen an.

„Wir haben damit keine normale Lehrausbildung, sondern wollen am Ende wirklich rundum kompetente Fachkräfte ausgebildet haben“, meint Werksleiter Thomas Graf. Dazu gehören beispielsweise Englischkurse, die dem Zweck dienen sollen, dass sich die Lehrlinge in dem international vernetzten Unternehmen bestens zurechtfinden. Die Bemühungen machen sich bezahlt: Jedes Jahr gebe es viele ausgezeichnete Erfolge bei den Berufsschul- und Lehrabschlussprüfungen und Gewinner bei diversen Lehrlingswettbewerben, so Hackl.

Technisches Interesse von Vorteil

Doch für wen ist die Ausbildung bei der Firma Eaton nun das Richtige? „Technisches Interesse, solides mathematisches Verständnis, ein gutes Vorstellungsvermögen sowie handwerkliches Geschick sind Dinge, die unsere Lehrlinge mitbringen sollten“, erklärt Hackl. Wer also sein Moped selbst repariert oder gerne an Elektrogeräten herumschraubt, ist an der richtigen Adresse. Besteht Interesse an einer Lehrausbildung bei Eaton, lädt die Firma zunächst zu Schnuppertagen ein. „Oft haben junge Menschen sehr eingeschränkte Vorstellungen davon, wie sich die Praxis und die Lehrausbildung gestalten.

Deshalb laden wir alle Interessenten dazu ein, drei bis fünf Tage bei uns zu schnuppern, um sich ein Bild von unserem Unternehmen zu machen“, erklärt Hackl. Das sei auch jetzt unter erweiterten Covid-19-Schutzmaßnahmen möglich. Wer sich dann für eine Lehre bei Eaton entscheidet, muss einen Eignungstest sowie ein Bewerbungsgespräch absolvieren. Beides läuft nach einem strikten Punktesystem ab. „Wer vorher bei uns schnuppern war und sich geschickt angestellt hat, kann bereits hier Bonuspunkte für den Eignungstest sammeln“, so Hackl. Der Test, bei dem unter anderem auch Rechenaufgaben ohne Hilfsmittel gelöst werden müssen, besteht hauptsächlich aus Multiple-Choice-Aufgaben.

„Ob jemand eine Lehre machen möchte, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Ich sehe diese Ausbildungsform als großen Vorteil gegenüber der Schule, weil ich die gesamte Theorie lerne – und dazu gleich die Praxis“, meint Jennifer. Für sie sei immer klar gewesen, dass sie den Ausbildungsweg einer Lehre gehen wird. Ihre Lehrzeit hat die junge Frau sehr genossen. „Wir wurden berufsbezogen jeweils für zwei Monate in allen Abteilungen eingesetzt und haben so einen guten Überblick über die Firmenstruktur bekommen“, sagt Jennifer. Wichtig sei auch die Zusammenarbeit zwischen den Lehrlingen. „Wir sehen unsere Lehrlinge als Gesamtheit“, betont Hackl in diesem Zusammenhang. Besonderer Fokus werde daher auf das Vermitteln gewisser Grundwerte wie Teamfähigkeit und Kommunikation gelegt.

Besonderes Angebot: Studieren in Wien

Damit nicht genug, unterstützt die Firma Eaton Lehrlinge, die die „Lehre mit Matura“ oder weiterführende Fachkurse und Meisterkurse absolvieren möchten. Auch jene, die die Matura abgeschlossen haben und in Wien studieren möchten, werden von der Firma tatkräftig gefördert. Die jungen Menschen haben die Möglichkeit, neben dem Studium in der Entwicklungsabteilung der Firma in Wien weiterzuarbeiten. „Viele kommen dann nach dem Studium wieder zu uns zurück nach Schrems und übernehmen die Leitung bestimmter Fachbereiche und Abteilungen“, zeigt sich Hackl erfreut.

Was Hackl jungen Menschen, die gerade vor der Entscheidung stehen, was sie in Zukunft machen wollen, rät? „Seid neugierig und schaut über den Tellerrand hinaus. Informiert euch und schnuppert bei verschiedenen Betrieben, entscheidet euch nicht für das, was am einfachsten ist, sondern für das, wo die Qualität am höchsten ist.“