Wissbegierige Rauchfangkehrerin. Meisterin und Master: Janine Petermann hat nach ihrer Rauchfangkehrer-Lehre die Meisterprüfung absolviert und im Sommer 2020 auch ein Masterstudium abgeschlossen.

Von Sophie Kronberger. Erstellt am 12. November 2020 (12:25)
Seit 14 Jahren arbeitet Janine Petermann als Rauchfangkehrerin und erweitert dabei ihr Fachwissen regelmäßig.
Barbara Pullirsch

„In der Pubertät habe ich noch nicht ganz so gerne gelernt, das hat sich dann im Erwachsenenalter komplett geändert“, erzählt Janine Petermann. Nach der Hauptschule in Lilienfeld besuchte sie zunächst die HLW in Türnitz, bis sie eine Lehrstelle fand und daher die Schulausbildung abbrach. Eine AMS-Stellenanzeige hat sie auf den Beruf der Rauchfangkehrerin gebracht. „Ich konnte mir anfangs überhaupt nichts darunter vorstellen, war aber sehr neugierig.“ 2006 fing sie dann eine Lehre bei Rauchfangkehrermeister Helmut Jandl in Hainfeld an. Die Lehrzeit sei spannend, lehrreich, aber auch fordernd gewesen, vor allem die Anreise zum Arbeitsplatz: „Ich bin in meiner Lehrzeit um 4.30 Uhr mit dem Bus von Türnitz nach Lilienfeld gefahren. Weiter ging es mit dem Zug nach Traisen, wo ich noch einmal umsteigen musste. Dann gab es noch eineinhalb Kilometer Fußmarsch, bis ich um 6 Uhr Früh an meinem Arbeitsort in Hainfeld angekommen bin.“

Abwechslungsreich und fordernd

Ans Aufgeben hat die Kämpfer- und auch Frohnatur nie gedacht, auch wenn es oft schwer war als Frau in einer Männerdomäne. „Da hat sich zum Glück einiges getan in den letzten Jahren, denn der Beruf wird immer weiblicher. In meiner Berufsschule waren wir nur drei Frauen, und ich war damals der allererste weibliche Lehrling meines Chefs. Unser Team besteht nun auch aus vielen Frauen.“

An einen Streich aus ihrer Lehrzeit kann sich Janine Petermann noch gut erinnern: „Meine zwei Gesellen haben mich in den ersten paar Tagen meiner Lehrzeit reingelegt. Je schmäler man den Rauchfang aufkehrt, desto weniger raucht er, haben sie gesagt. Das stimmt natürlich nicht. Im Endeffekt bin ich in einer Rußwolke gestanden, war ganz dreckig. Das war schon gemein. Eine Stunde später habe ich aber darüber lachen können“, so die gut gelaunte Hafnerbacherin (Bezirk St. Pölten Land).

Wie man sich als Frau in dem Beruf durchsetzt? Ganz einfach: „Mit einem umfangreichen Wissen. Bildung ist mir einfach extrem wichtig. Man darf sich nichts gefallen lassen und kann dann am besten mit Fachwissen kontern“, so Petermann. Daher hat sie auch ihre Meisterprüfung abgelegt und später sogar beschlossen zu studieren. „Ich wollte unbedingt ein Studium abschließen und habe dann eine Zeitlang geschaut, welches zu meinem Beruf passen könnte, natürlich zeitlich, aber natürlich auch inhaltlich.“ Das berufsbegleitende Masterstudium „Fire Safety Management“ an der Donau-Universität Krems hat es ihr dann angetan. Seit dem Sommer 2020 kann sie sich nun Master of Science nennen. Ihr umfangreiches Wissen über Richtlinien und Brandschutz kann sie in der täglichen Arbeit anwenden. Genau das werde nämlich immer wichtiger. „Unser Berufsbild hat sich in den letzten Jahren sehr geändert. Wir sind nicht mehr nur die Kehrer, wir werden immer mehr zu Technikern.“

Kehrhaube, Zylinder und ein wenig Glück

Obwohl Janine Petermann ein großer Fan von lebenslangem Lernen ist, braucht sie nun eine Pause. „Ich genieße meine neu gewonnene Freizeit und habe auch ein neues Hobby begonnen, nämlich Golfen.“ Ihre Freizeit verbringt sie also gerne mit Sport, auch wenn der Beruf schon körperlich sehr anstrengend ist. „Einen Schrittzähler trage ich aber nicht, obwohl das schon spannend wäre.“ Auf die spezielle Kleidung der Rauchfangkehrer angesprochen, sagt sie: „Normalerweise tragen wir die weiße Kehrhaube, aber zu besonderen Anlässen auch schon mal den Zylinder.“ Das können Innungstagungen sein oder Florianifeiern. „Auch Fotos für die Zeitung zählen zu besonderen Anlässen“, schmunzelt Petermann. Nach 14 Jahren im Beruf findet sie es immer noch amüsant, wenn Menschen ihre Knöpfe drehen, wenn sie sie sehen. „Das soll ja Glück bringen.“ Weniger lustiger ist es für sie, ungefragt angefasst zu werden. „Man gewöhnt sich zwar daran, aber vorher gefragt zu werden, wäre schon schön.“ Coronabedingt passiere das aber aktuell sowieso nicht ...

„Man sollte in diesem Beruf generell gut mit Menschen können, das lernt man natürlich mit der Zeit. Man sollte aber schon vor Lehrbeginn ein offener Mensch sein. Und schwindelfrei zu sein, wäre nicht schlecht“, lacht Petermann.