„Grüne“ Lehre eröffnet beste Zukunftschancen. Die Land- und Forstwirtschaft wird in den nächsten Jahren viele junge, gut ausgebildete Fachkräfte brauchen. Derzeit stehen 15 Lehrberufe zur Auswahl, weitere Ausbildungsmöglichkeiten sollen bald hinzukommen.

Erstellt am 16. November 2020 (14:35) – Anzeige

Die Land- und Forstwirtschaft unterliegt seit Jahren wie kaum eine andere Branche einem rasanten Veränderungsprozess. Nicht zuletzt aufgrund des Trends zu größeren Betriebsstrukturen haben sich viele bäuerliche Familienbetriebe längst zu Klein- und Mittelbetrieben weiterentwickelt. „Wir sehen die Entwicklung, dass die Landwirtschaft als Arbeitsplatz vor allem in ländlichen Regionen enorm an Bedeutung gewinnt. Immer mehr Landwirte sind mittlerweile zu Arbeitgebern geworden. Gleichzeitig tun sich viele schwer, gut ausgebildetes Personal für ihren Betrieb zu finden. Der Facharbeitermangel macht sich auch in der Landwirtschaft bemerkbar“, schildert NÖ Landarbeiterkammer-Präsident Andreas Freistetter seine Eindrücke.

Lehre als Antwort auf Facharbeitermangel

Als Lösungsansatz richtet Freistetter einen Appell an die Betriebe: „Wir brauchen mehr Betriebe, die bereit sind, Lehrlinge auszubilden“, so der NÖ LAK-Präsident. Insgesamt stehen in der Land- und Forstwirtschaft immerhin verschiedene 15 Lehrberufe zur Auswahl (siehe Infobox).

Groß ist die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeiter/innen vor allem im Weinbau. Einer, der sich für einen land- und forstwirtschaftlichen Lehrberuf entschieden hat, ist Volker Schindler. Der 17-Jährige aus Langenlois absolviert seit November 2019 eine Lehre zum Weinbau- und Kellerwirtschaftsfacharbeiter im Weingut Schmid in Gobelsburg. „Ich habe schon als Kind im Weinbaubetrieb meiner Großeltern bei der Weinlese und beim Putzen der Stämme mitgeholfen. Die Arbeit in der Natur macht mir Spaß, einen Job im Büro könnte ich mir nicht vorstellen“, erzählt der 17-Jährige und weiß den Vorteil, dass er jeden Tag mit dem Moped nur wenige Minuten zur Arbeit braucht, zu schätzen.

Für seinen Chef und Ausbildner Winzer Andreas Schmid ist es das erste Mal, dass er einen Lehrling in seinem Betrieb ausbildet: „Leider gibt es zu wenige Lehrplätze. Ich bin der Meinung, dass man den Jungen eine Chance geben muss. Natürlich ist geplant, dass uns Volker, wenn es für beide Seiten passt, nach seiner Lehre als Facharbeiter im Betrieb erhalten bleibt“, sieht Schmid die Ausbildung seines Lehrlings als Zukunftsinvestition für seinen Betrieb.

Möglichkeiten der Ausbildung erweitern

Geht es nach der NÖ Landarbeiterkammer, sollen in den nächsten Jahren neue Lehrberufe das bestehende Angebot ergänzen. Bereits intensiv verhandelt wird über die Umsetzung einer neuen österreichweit einheitlichen Ausbildung zum Berufsjäger. Dazu gibt es auch erste Überlegungen, im Bereich von Buschenschanken eine neue, moderne Ausbildungsmöglichkeit zu schaffen.

Als mögliche Ausbildungsbetriebe kommen neben Gärtnereien, Baumschulen sowie Weinbau- und Gutsbetrieben auch größere Unternehmen wie der Maschinenring NÖ-Wien oder die Österreichischen Bundesforste infrage. Einen Überblick über offene Lehrstellen findet man auf der Website der Land- und Forstwirtschaftlichen Lehrlings- und Fachausbildungsstellen (LFA) unter www.lehrlingsstelle.at oder (für den Gartenbau) auf der Website des Bundesverbandes der österreichischen Gärtner unter www.beruf-gaertner.at.

NÖ LAK unterstützt Fachkräfte von morgen

Wer seine Lehre in einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb begonnen hat, der kann von Beginn an auf die Unterstützung der NÖ Landarbeiterkammer zählen. In Anspruch genommen werden kann eine Lehrlingsbeihilfe (150 Euro), die jeder Lehrling beim Start und auch beim erfolgreichen Abschluss seiner Lehre beantragen kann. Darüber hinaus gibt es eine Führerscheinbeihilfe (150 Euro), die alle Lehrlinge bis zu 21 Jahren als Zuschuss zur Erlangung ihres B-Führerscheins erhalten. „Die Lehrlinge sind unsere Fachkräfte von morgen. Auf diesem Weg wollen wir sie so tatkräftig wie möglich unterstützen“, so Freistetter.