Daniela Stöger: Die Chemie stimmt

Daniela Stöger absolviert bei Metadynea eine Lehre als Chemieverfahrenstechnikerin – ein Beruf mit viel Abwechslung und Verantwortung.

Erstellt am 03. Dezember 2021 | 18:10
Lesezeit: 4 Min
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Chemie und Physik waren Daniela Stögers Lieblingsfächer in der Schule.
Foto: Jolly Schwarz

Ratlose Blicke, die sind zunächst immer an der Tagesordnung, wenn Daniela Stöger erzählt, dass sie eine Lehre als Chemieverfahrenstechnikerin macht. „Viele wissen gar nicht, dass es den Beruf gibt, oder können sich nichts darunter vorstellen. Aber sobald ich es erkläre, finden es die Leute immer sehr spannend.“ Und sie selbst sowieso am meisten.

„Meine Chemielehrerin hat mich damals auf die Möglichkeit einer Lehre bei Metadynea aufmerksam gemacht.“ Mit der Oberstufe im Gymnasium hat sich Daniela Stöger schwergetan. „Ich wollte einfach nicht mehr Latein lernen“, schmunzelt sie. Chemie und Physik, das waren jedoch die Fächer, die sie in der Schule am meisten interessiert haben. Daher entschied sie sich für eine Lehre, für diese Lehre. Das war 2018, mittlerweile ist die 20-Jährige im vierten Lehrjahr als Chemieverfahrenstechnikerin, die Abschlussprüfung wird sie im März ablegen. 3,5 Jahre dauert nämlich die Lehre. „Es ist ja auch eine sehr umfangreiche und abwechslungsreiche Ausbildung“, sagt Lehrlingsbeauftragter Michael Meneder.

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Teamarbeit ist in der täglichen Arbeit besonders wichtig, das wissen auch Daniela Stöger und ihr Lehrlings-Kollege Raphael Starkl.
Foto: Wachsmann Verlags-GmbH

Und worum geht es denn nun? Um ganz viel Chemie auf jeden Fall. Metadynea stellt Leime und Kunstharze sowie Feinchemikalien, Flammschutzmittel und Lackrohstoffe her. „Was wir hier am Standort Krems produzieren, kann man nicht direkt im Geschäft kaufen, aber wenn man zum Beispiel in ein Möbelhaus geht, dann ist man von unseren Produkten umgeben“, erklärt es Meneder. Und ein Chemieverfahrenstechniker ist somit zuständig für die Vorbereitung, Durchführung und Kontrolle von Produktionsprozessen. „Überwachen, messen, steuern, regeln, das machen wir“, so Daniela Stöger. Ein verantwortungsvoller Beruf also, aber auch ein vielseitiger. Zu den täglichen Aufgaben gehört etwa die Qualitätskontrolle, da werden Proben von Rohstoffen und Endprodukten entnommen. Auch die Produktionsanlagen müssen gewartet werden.

Wie nach einem Rezept kochen

Sehr viel wird auch am Computer erledigt. „Wir arbeiten aber nicht mit Programmen wie Word oder Excel, sondern mit Betriebsleitsystemen, die visualisieren, was in einer Anlage gerade passiert.“ Man könne das auch mit Kochen vergleichen. Im Hintergrund läuft ein Rezept ab, daran muss man sich halten. Und der Kochtopf ist dann der sogenannte Reaktor, in dem die chemischen Prozesse ablaufen. „Am Computer können wir das überwachen und eingreifen.“ Besonders spannend findet Daniela Stöger es, wenn etwas nicht nach Plan läuft. „Das sind dann Situationen, in denen man am meisten dazulernt.“

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Der österreichische Standort von Metadynea in Krems an der Donau fungiert als Kompetenzzentrum für Produktentwicklung und Anwendungstechnik.  
Foto: Metadynea Austria

In der Lehrzeit lernt man alle Bereiche des Unternehmens kennen. Zunächst ist man ein halbes Jahr lang im betriebseigenen Labor und lernt dort das chemische Know-how. Ein weiteres halbes Jahr fokussiert man sich auf die Technik. Hierfür arbeitet man mit dem Instandhaltungsunternehmen Bilfinger zusammen. In der dortigen Werkstätte lernen angehende Chemieverfahrenstechniker, wie eine Pumpe funktioniert oder wie eine Rohrleitung aufgebaut ist.

Die restliche Lehrzeit ist dazu da, die Anlagen bestmöglich kennenzulernen. „Da versuchen wir aber auch, auf die Interessen der Lehrlinge einzugehen“, sagt der Lehrlingsbeauftragte. Daniela Stöger ergänzt: „Ich habe mich in der Halle 17 am wohlsten gefühlt, daher bin ich hier auch aktuell wieder und möchte nach meiner Lehrzeit dort weiterarbeiten.“ In der Halle 17 werden „Melamin- und Harnstofftränkharze“ hergestellt, erklärt Stöger. Diese dienen zur dekorativen Beschichtung von Möbeloberflächen.

An den Schnuppertag kann sie sich auch noch gut erinnern. „Ich bin damals nach diesem Tag ins Auto meiner Mama eingestiegen und wusste bereits, dass mir die Lehre gefallen wird.“ Beim Schnuppertag sowie beim praktischen Teil des Bewerbungsgesprächs geht es darum, einen guten Einblick in zu erhalten. „Man soll schließlich wissen, was einen erwartet. Chemie kann ja auch stinkend und pickig sein.“

Für den theoretischen Teil muss aber kein Wissen gepaukt werden, obwohl natürlich ein Grundinteresse für Chemie und Technik vorhanden sein sollte. „Das Periodensystem muss man nicht auswendig können“, lacht Meneder. Und: Schulnoten sind nicht das Allerwichtigste. „Viel wichtiger ist die Motivation.“

„Wir wollen Türen öffnen“

Genommen werden nach den Bewerbungsverfahren, das auch ein persönliches Gespräch beinhaltet, nur so viele Lehrlinge, wie nach Ende der Lehrzeit auch im Unternehmen behalten werden können.

Nach Lehrabschluss stehen einem viele Karrieremöglichkeiten offen, sagt Michael Meneder. „Wir wollen mit der Ausbildung Türen für die Lehrlinge öffnen.“ Betriebsleiter und Anlagenmeister sind zwei Beispiele für hohe Sprossen auf der Karriereleiter.
Der „Senior Process Engineer“, so Meneders Berufsbezeichnung, hat übrigens selbst als Chemieverfahrenstechnik-Lehrling bei Metadynea begonnen und später noch studiert. Auch Daniela Stöger kann sich gut vorstellen, sich nach der Lehre weiterzubilden, aber erst einmal kommt die Lehrabschlussprüfung auf sie zu.

Ganz in ihrem Element ist die 20-Jährige nicht nur in der Arbeit, sondern auch bei der Feuerwehr. Bei der Freiwilligen Feuerwehr in Hausheim-Noppendorf (Bezirk St. Pölten-Land) hilft sie genauso aus wie bei der Betriebsfeuerwehr der Metadynea, wo sie erst kürzlich das Modul Atemschutzgeräteträger absolviert hat. „Man sollte alle Chancen nützen, die einem geboten werden“, lautet ihr Fazit.