Ein Schloss für Kinder. Blick hinter ein Bildungskonzept, das die herkömmlichen Grenzen sprengt, zeigt das es auch ganz anders geht - und das, Mitten in Baden.

Erstellt am 23. September 2019 (00:01) – Anzeige
zVg ein Schloss für Kinder

Wenn man das „Schloss für Kinder“ in der Trostgasse in Baden das erste Mal betritt, ist man zunächst einmal vom enormen Garten auf 6.000m2 eingenommen. Es fällt leicht sich vorzustellen, dass Kinder hier gerne Toben, Spielen und Klettern. Nicht minder beeindruckend die Jahrhundertwende-Villa aus 1896, die auf rd. 1.750m2 Platz für ein Bildungskonzept bietet, dass alle Bedürfnisse für Kinder von 0 – 10 Jahren unter einem Dach vereint.

Wir treffen das Ehepaar Brookhouse, das das Haus seit Sommer 2018 führt. „Alle Eltern eint der Wunsch, dass ihre Kinder den Herausforderungen des Lebens stark begegnen können, weil wir alle wissen wie knallhart das Leben manchmal wirklich sein kann. Wir wollen den Kindern hier im Schloss ein echtes zweites Zuhause sein. Ein Ort wo Kinder, wirklich noch Kinder sein dürfen, wilden Spass haben, Freunde finden, hervorragende Grundbildung erfahren und am Ende mit einem Rüstzeug an Werten und Fähigkeiten hinaus gehen, dass es ihnen ermöglicht diesen Herausforderungen stark, selbstbestimmt und sozial umsichtig zu begegnen. Die Basis dafür legt man genau in dieser, für die Entwicklung eines jeden Menschen so wichtigen und nachhaltig prägenden ersten Lebensdekade.“

Die Stimmung im Haus wirkt enorm familiär. Geschäftsführerin Iris Brookhouse, die bis zu Ihrem Wechsel in leitender Funktion im Casa Marienheim im Baden tätig war, spricht von hoher Kontinuität im Mitarbeiterteam, als entscheidenden Faktor. Außerdem hebt sie die fließenden Übergänge im Haus hervor: von den „Kleinsten“ (0-2 Jahre) geht es zunächst zu den „Kleineren“ (2-3 Jahre), alles auf einer Ebene im Erdgeschoß. Sind die Kinder entwicklungsbedingt individuell bereit, geht es einfach einen Stock höher zu den Kindergartenkindern (2,5 – 6 Jahre).

Im letzten Kindergartenjahr besuchen die Kinder wöchentlich die „Lernwerkstatt“ in der privaten Volksschule, wiederum einfach nur einen Stock höher im Dachgeschoß des Hauses. Die oft von Eltern, aber vor allem den Kindern empfundenen „Umstiege“ gibt es nicht, hier sind es „Aufstiege“. „Die Kinder empfinden das ja ganz natürlich: von der behüteten Familie geht es bei uns zu den Kleinsten, ebenso noch behütet, vertrauensvoll und von der Gruppengröße bewusst klein gehalten. Sie bewegen sich jetzt das erste Mal außerhalb von Mama und Papa, nehmen sich als Teil einer Gemeinschaft war, was für die Entwicklung enorm wichtig ist – schließlich ist der Mensch ein Herdentier und sein Sozialverhalten der wesentliche Erfolgsfaktor im Laufe der Evolution gewesen.

Die Kinder beobachten, erleben und imitieren auch die Größeren und freuen sich ehrlich, wenn auch sie dann zu den nächst Größeren gehören. Dort gibt es dann wieder „Vorbilder“ und das zieht sich bis ans Ende der Volksschule so durch. Für die Kinder ist das daher eine ganz normale Entwicklung. Schon die Kleinsten kennen die Kindergartenpädagogen und die Volksschullehrer – und umgekehrt natürlich genauso. Es ist eine besondere Qualität, wenn die Volksschullehrerin ein Kind bereits im Kindergartenalter erlebt und wahrnimmt. Und natürlich sind im Haus die Kommunikationswege sehr kurz, wenn es etwas auszutauschen gibt.

Das alles führt einfach dazu, dass die Kinder wirklich individuell bestmöglich begleitet werden können.“ Individuell meint aber nicht exklusiv für den Einzelnen „optimiert“, wie Iris Brookhouse betont. „Es geht darum die individuelle Entwicklung eines jeden Kindes bewusst wahrzunehmen und entsprechend zu begleiten. Dabei ist es aber mindestens genauso wichtig, den Kindern einen ganz natürlichen Rahmen zu bieten, in dem sie sich sozial in die Gruppe einfügen, sich als Teil einer Gemeinschaft wahrnehmen und sozial lernen können.“ Das pädagogische Konzept von den Kleinsten zu den Größten orientiert sich dabei immer an einem „best-of“ reformpädagogischer Ansätze, aus dem man sich je nach Kind wie aus einem Werkzeugkasten bedient, wie erklärt wird.

Die Pädagogen sind daher vielseitig ausgebildet – Kindergarten- und Volksschullehrerdiplom ohnedies, daneben Aus- und Weiterbildungen in den Konzepten nach Montessori, Waldorf, Freinet, Pikler uäm. In der Schule erfolgt der Unterricht individualisiert in den Kernfächern Lesen, Schreiben und Rechnen, dh die Kinder erarbeiten mit den Lehrern individuell den öffentlichen Lehrplan. Klassenübergreifend werden Sachunterricht und Projekte erarbeitet. Alle Kinder sind gewohnt mit Wochenplänen zu arbeiten, was zu nachhaltig höherer Selbständigkeit und Selbstorganisation führt. Der Betreuungsschlüssel in der Volkschule beträgt 1:8, dh auf eine Lehrerin entfallen im Schnitt 8 Schüler – ein Schlüssel, der sonst nur in der Kleinkindbetreuung erreicht wird. Wirft man einen Blick auf die Aktivitäten, die mit den Kindern gesetzt werden, ist man erstaunt: Schwimmen, Wandern, Skifahren, Eislaufen, Projektwochen – bereits im Kindergarten, wohlvermerkt.

Das „Schloss“ betreut rund 90 Kinder mit einem Team von 20 Pädagogen und Mitarbeitern, wie Iris Brookhouse erklärt. „Die Nachfrage im Kleinkindbereich und der Volksschule ist wirklich enorm, im Kindergarten ist man da in der Regel platzmäßig flexibler.“ Die Gründe für die hohe Nachfrage sieht Iris Brookhouse zum einem im Konzept, das alle Bedürfnisse der Kinder im Alter von 0 – 10 Jahren einfach unter einem Dach abdeckt. „Zum anderen ist es aber sicherlich so, dass der Druck in der Arbeitswelt nicht kleiner geworden ist und die Eltern Betreuungsmöglichkeiten suchen, die sich mit den Arbeitszeiten vereinbaren lassen. Unser Haus hat täglich von 6:30h in der Früh bis 18h geöffnet, Freitag bis 16h – dh wir bieten 65 Stunden Betreuung in der Woche auf qualitativem Höchstniveau – und das nahezu 365 Tage im Jahr!“

Auf Nachfrage erfährt man, dass den Sommer über durchgehend geöffnet ist, einzig über Weihnachten/Neujahr sind 14 Tage und zu Ostern für eine Woche geschlossen. Die abschließende Frage nach der Motivation und dem Wunsch so ein Haus zu betreiben beantwortet das Ehepaar Brookhouse so: „Die Familie ist ein Wert, den es hochzuhalten gilt und der gerade in schwierigen Zeiten wieder wichtiger wird. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, die technischen Entwicklungen im Bereich Digitalisierung und Automatisierung wirken nicht nur auf die Arbeitswelt, sondern ziehen tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft nach sich und machen dabei auch vor Familien keinen Halt. Wir sind für die Familien da, wollen einen Rahmen bieten, in dem Kinder wirklich noch Kinder sein dürfen, wilden Spass haben und gleichzeitig ein Wissens- und Wertefundament vermittelt bekommen, dass ihnen alle Chancen für die Zukunft offenhält.

Unsere Kinder werden in einer im Vergleich zu uns klar veränderten Welt leben. Der beste Weg Herausforderungen und Veränderungen zu begegnen ist die Bildung.“ Und dann fällt zum Abschluss ein Satz, der nachwirkt: „Bildung ist extrem wichtig für einen Menschen. Sie gibt Halt und Orientierung, selbst in düsteren Zeiten. Sie befreit aus der Not und führt aus der Enge der Vorurteile, sie ermöglicht den Aufstieg und fördert das soziale Miteinander. Die Kinder haben ein Vorrecht auf eine hervorragende Bildung. Wir haben das Glück in einer Region auf dieser Erde zu leben, wo es keine Ausreden geben kann, dass wir hier etwas versäumt haben.“