Daten sind das Öl der Zukunft. Mit dem Technologiezentrum in Ardagger setzen die Firmen Heitec und EPLAN ein Zeichen fürdie technologische Innovationskraft der Region. Geschäftsführer Jürgen Hörlendsberger und Martin Berger im Interview.

Erstellt am 31. Oktober 2019 (11:43)
HANS SCHODER, MOSTROPOLIS.AT/BABSI
Die Geschäftsführer Jürgen Hörlendsberger (HEITEC) und Martin Berger (EPLAN) sind die treibenden Kräfte hinter dem Technologiezentrum in Ardagger, das auf 3.500 m2 Bürofläche und 1.500 m2 modernster Produktionsfläche insgesamt Platz für rund 120 Mitarbeiter bietet.

Seit Kurzem ist das Mostviertel, respektive der Großraum Amstetten um ein wirtschaftliches Juwel reicher. Am Rande der Bezirkshauptstadt hat der international führende Automatisierungs- und Digitalisierungspezialist HEITEC (über 20 nationale und europäische Standorte, mehr als 1.100 Mitarbeiter) im Gemeindegebiet von Ardagger auf einem Grundstück von rund 13.000 Quadratmetern ein innovatives Technologie-Zentrum errichtet mit 3.500 Quadratmetern Bürofläche und modernsten Produktionsflächen auf 1.500 Quadratmetern.

HANS SCHODER, MOSTROPOLIS.AT/BABSI

Mit der EPLAN Software & Service GmbH (Marktführer im elektrischen Engineering) sowie die CIDEON Software & Service GmbH (Spezialist für mechanische Konstruktionssysteme), zwei Unternehmen der weltweit agierenden Friedhelm Loh-Group, sind vom Start weg namhafte Technologie-Partner mit an Bord.
Daneben eröffnet der Weltmarktführer im Werkzeugmaschinenbau DMG MORI im Gebäude eine neue Niederlassung, um vor allem Automatisierungs- und Digitalisierungslösungen hautnah zu präsentieren.
Zur Eröffnung standen Geschäftsführer Jürgen Hörlendsberger (HEITEC) und Martin Berger (EPLAN) NÖN-Verkaufsleiter West Hans Schoder Rede und Antwort.

Vier Betriebe, zwei Initiatoren und eine Idee: Welche Philosophie steckt hinter dem Technologie-Zentrum in Ardagger?
Martin Berger: HEITEC und EPLAN sind Unternehmen, die am Markt stark sind und gewisse Alleinstellungsmerkmale haben. HEITEC war schon immer ein EPLAN-Kunde. Irgendwann hat sich aus der Situation, dass wir persönlich gute Kontakte untereinander pflegen, die Chance ergeben, dass wir in ein neu errichtetes HEITEC-Gebäude einziehen können. Natürlich stand der Hintergedanke Pate, dass wir dann unsere Technologien noch stärker zusammen bringen. Das ist das, was heute am Markt gefordert ist. Auf der einen Seite ein produzierendes Unternehmen, das im Engineering sehr stark ist – speziell im Sondermaschinenbau. Auf der anderen wir, die die ganzen Softwarelösungen entlang der Wertschöpfungskette dazu anbieten. Dazu kommt, dass Zukunftstechnologien in Richtung Digitalisierung, Industrie 4.0 usw. heute nirgendwo anschaulich darstellbar sind. Im Technologiezentrum können wir das. Wir können unseren Kunden Digitalisierung live erleben lassen.

Jürgen Hörlendsberger: Wichtig ist dabei: Jeder arbeitet völlig selbstständig für sich. EPLAN entwickelt Tools, die wir brauchen, damit wir Anlagen entwickeln können. Man kann sagen, im Technologie-Zentrum hat man alles von der Software, die es zur Entwicklung einer Anlage braucht, bis zur fertigen innerbetrieblich vernetzten Maschine. Es ist ein Riesen-Technologie-Know-how, das nicht mit öffentlichen Mitteln, sondern rein aus unternehmerischen Initiativen entstanden ist. Im Grunde genommen stehen Privatunternehmer hinter dem Projekt – Richard Heindl (HEITEC) in erster Linie und Dr. Friedhelm Loh (EPLAN) stieg mit ein.

HANS SCHODER, MOSTROPOLIS.AT/BABSI

Wer sind typische EPLAN oder HEITEC-Kunden?
Hörlendsberger: Unternehmen der verschiedensten Branchen - von der Automobilindustrie über den Medizin- und Pharmabereich bis hin zur Elektronik. Dafür entwickelt HEITEC Sondermaschinen oder Produktions-Software, die es meist so am Markt nicht gibt.
Berger: Unsere Kunden finden sich in allen Branchen wieder, wo Elektro- und Automatisierungstechnik ein Thema sind - über jede Unternehmensgröße hinweg.

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Gibt es da keine Überschneidungen?
Berger: Nein, wir sind einen Schritt davor. Wir bieten vielen Firmen wie der HEITEC unsere CAE-Tools für das Engineering an, damit dieses professionell IT-technisch erfasst und weiter verarbeitet werden kann. HEITEC entwickelt dann Softwarelösungen für die Maschinen selbst. Im besten Fall kann man diese Informationen natürlich koppeln, sodass ein direkter Datenaustausch passiert. Die Informationen aus dem Engineering können dann in unserer Software weiter verarbeitet werden. Daten sind einfach das Öl der Zukunft. Und die können wir durch unsere Kooperation entstehen lassen und gegenseitig austauschen.

Schwenken wir zu den Mitarbeitern. Wie sieht der Wunschkandidat für das Technologiezentrum aus?
Berger: Sehr unterschiedlich. EPLAN hat ja verschiedene Unternehmensbereiche. Wenn ich beim Technischen anfange: Hier setzen wir vorwiegend auf HTL und Fachhochschule. Wir beschäftigen aber auch Mitarbeiter im kaufmännischen und Assistenzbereich – im Prinzip alles, was aus HAK, HAS, HLW und weiterführenden Schulen kommt. Dann gibt es da noch einen dritten Bereich – das ist Personal-Marketing mit speziellen grafischen Schwerpunkten.


Hörlendsberger: Bei uns ist das sehr ähnlich. Einzig kommen in der Produktion die klassischen Berufe Schlosser, Elektriker und Anlagenmonteur dazu - bis hin zum Werksmeister. In der Entwicklung generieren wir unsere Mitarbeiter zu 70 % aus der HTL - speziell aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Automatisierungstechnik. Die HTL ist überhaupt für uns beide eine Schulform, die ganz, ganz wichtig ist. Meine Kollegen in Deutschland beneiden uns um diese Möglichkeit. Darüber hinaus reicht die Bandbreite über den kaufmännischen und Assistenzbereich bis hin zu unseren Köchinnen.
Berger: Vielleicht interessant: Im Technologiezentrum arbeiten Leute, die alle direkt angestellt sind. Das gilt für die Küche genauso wie für die Gebäudereinigung.

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Eine Frage zu Ihnen beiden persönlich. Woher kommen Sie und wie zeichnet sich Ihr beruflicher Werdegang?
Hörlendsberger: Also ich bin gebürtiger Waidhofner, hab dort die HTL abgeschlossen im Fachgebiet Automatisierungstechnik. Nach 20 Jahren als Produktmanager in einem großen Mostviertler Unternehmen bin ich im Frühjahr 2016 als Geschäftsführer bei HEITEC gelandet. Interessanterweise ist unser Firmengründer Richard Heindl auch ein gebürtiger Ybbstaler und HTL-Absolvent. Er ist vor 40 Jahren nach Deutschland ausgewandert und hat HEITEC gegründet – ein Unternehmen mit heute weltweit über 1.100 Beschäftigten. Der Standort hier in der Mostviertler Heimat ist – wenn man es so sagen darf – der krönende Höhepunkt seines Berufslebens.
Berger: Ich habe EPLAN 1996 in Amstetten gegründet - damals noch Wiechers & Partner. Davor habe ich auch die HTL Waidhofen, Fachrichtung Elektrotechnik absolviert, ergänzt sich also auch so perfekt mit der Ausbildung von Jürgen. Danach war ich einige Jahre bei einem internationalen Unternehmen der Elektrotechnik in Wien. Bei EPLAN hab ich dann begonnen, für das deutsche Mutterunternehmen den Software- und Dienstleistungsbereich in Österreich aufzubauen.

Vielleicht ein paar Eckdaten zum Gebäude selbst.
Hörlendsberger: Wir haben ein sehr modernes und innovatives Betriebsgebäude. Die Ausstattungsliste erstreckt sich von LED, Vollklimatisierung und BUS-System über viel Tageslicht, Überlüftungssysteme, reichlich Parkplätze, Tiefgarage, E-Anschluss für Autos und Fahrräder, eigenem Fahrradraum bis hin zur Kantine mit Riesenterrasse – einfach alles, was man sich als Mitarbeiter wünschen kann.

HANS SCHODER, MOSTROPOLIS.AT/BABSI

Die Kantine ist ja eine kleine Besonderheit, oder?
Hörlendsberger: Ja, darauf sind wir sehr stolz. Bei uns wird täglich frisch gekocht. Alle Preise werden vom Betrieb unterstützt. Kaffee ist komplett kostenlos.
Berger:  Wir setzen voll auf lokale Produkte und Kooperationen. Säfte liefert unser Nachbar Hannes Zarl. Bei Bewirtungen gibt es Mehlspeisen und Jausen vom Hauer, ebenfalls ein Nachbar. Für Gästenächtigungen arbeiten wir mit dem Hotel Gürtler, dem Hotel Exel und anderen Hotels und Pensionen in unmittelbarer Umgebung zusammen.

Wieviele Mitarbeiter beschäftigt das TechnologieZentrum derzeit in Summe?
Hörlendsberger: Alle zusammen halten wir bei knapp 80 Beschäftigten. Tendenz steigend. Wir reden da schon von bis zu 120 Mitarbeitern in absehbarer Zeit. Darüber hinaus gibt es auch Planungen für mögliche Erweiterungen.

Berger: Dazu brauchen wir auch das Know-how, das draußen unterwegs ist. Heißt: Wir haben nicht nur für Schulabgänger ein offenes Ohr, sondern auch für erfahrene Profis am Markt. Mit ihrem Know-how können wir uns alle weiterentwickeln. Wir sind jetzt dabei, ein Kompetenzzentrum für Elektrotechnik, Automatisierungstechnik, Maschinenbau, IT-Technologien und Digitalisierung aufzubauen. Da werden wir mit fleißigen, kreativen Händen schon einen Meilenstein setzen.

Besonders eindrucksvoll ist der Empfangsbereich. Soll das Haus nach der großartigen Eröffnung auch für Events und Kundenveranstaltungen genutzt werden?

HANS SCHODER, MOSTROPOLIS.AT/BABSI


Berger: Ganz bestimmt. Seitens EPLAN hatten wir zum Beispiel bislang immer eine große Kundenveranstaltung im Technologie-Zentrum der Voest. Heuer haben wir zum Efficiency-Day erstmals nach Ardagger geladen und da auch Partnerfirmen präsentiert – natürlich in erster Reihe auch HEITEC. Und dann haben wir noch ergänzende Partner eingeladen – im Sinne einer kleinen Fachmesse. Insgesamt hatten wir über 200 Teilnehmer der technischen Industrie aus ganz Österreich. So eine Ansammlung von hochkarätigen Wirtschaftsvertretern hat Amstetten sicher noch nicht so oft gesehen. Das ist der ureigene Sinn eines Technologie-Zentrums und soll hier in Zukunft noch stärker passieren. Und das hat Wert für die Region.
Hörlendsberger: Der Kreis schließt sich mit unserem jüngsten Neuzugang im Zentrum, der Firma DMG-MORI. Der Weltmarktführer im Bereich der zerspanenden Bearbeitungsmaschinen ist ein Partner von uns, errichtet bei uns seinen Österreich-Vertriebsstandort und wird sicher noch weitere Technologie und neue Kunden zu uns ins Betriebsgebiet bringen. Gleichzeitig treten wir noch stärker international bei den ganz großen Messen auf.

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