20 Jahre danach: Rückblick auf Jahrhunderthochwasser 2002 in Tulln

Erstellt am 28. Juni 2022 | 11:59
Lesezeit: 5 Min
Am Montag, blickten Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf im NÖ Feuerwehr- und Sicherheitszentrum Tulln auf 20 Jahre Hochwasser 2002 zurück. Damals waren weite Teile Niederösterreichs betroffen. Tausende Häuser wurden überflutet, Menschen verloren ihr Hab und Gut.
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„Mir geht es wie jeder und jedem von ihnen: ich habe leider nach wie vor die Bilder aus dem Jahr 2002 im Kopf, wo ganz Niederösterreich, vor allem der Donauraum, betroffen war. Schäden im Ausmaß von 1,2 Milliarden Euro“, erinnerte sich die Landeshauptfrau gleich zu Beginn. „Aber, was positiv abzuleiten ist, ist der Zusammenhalt und das Zusammenstehen und ich glaube, das verbindet uns immer wieder. Katastrophen binden und halten die Menschen zusammen, bilden Solidarität.“

Durch die Hilfe tausender Freiwilliger konnten 2002 die unmittelbaren Folgen rasch beseitigt und mit dem Wiederaufbau begonnen werden. „Aber wir haben auch die Lehren daraus gezogen“, so Landeshauptfrau Mikl-Leitner weiter, „nämlich ordentliche Strategien, was den Hochwasserschutz betrifft – gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, den Gemeinden, dem Land und auch dem Bund. Wenn ich an das dritte Hochwasserpaket denke, das wir zwischen Land und Bund abgeschlossen haben, 470 Millionen wurden und werden entlang der Donau von 2002 bis 2030 verbaut, da können wir unglaublich stolz sein, dass all das letztendlich auch passiert.“

Mit dieser Summe wurden unter anderem Schutzprojekten in Form von Mauern, Dämmen und Rückhaltebecken ausgebaut - stets im Blick dabei die ökologische Bedeutung der Flüsse und Bäche. Niederösterreich habe außerdem moderne Prognosesysteme, die mithilfe von Echtzeitpegel, Überwachung und laufendem Monitoring Hochwassergefahren frühzeitig erkennen, damit im Katastrophenfall schnell reagiert werden kann. Es wurden regionale und örtliche Gefahrenzonenplänen unter Einbindung der regionalen Bevölkerung bearbeitet und Katastrophenschutzpläne erarbeitet, damit Behörden, Einsatzorganisationen, Infrastrukturbetreiber und auch die Bevölkerung bei Hochwässern rasch und effizient handeln können. 

Derartige Projekte lassen sich nur gemeinsam umsetzen, ist sich LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf sicher: „Wir sitzen alle im selben Boot und es ist sehr beeindruckend, was in Niederösterreich geschafft wurde seit dem Hochwasser vor 20 Jahren.“ Pernkopf machte dies an der Hochwasserschutzanlage Ybbs an der Donau fest: „Ich kann mich noch gut erinnern, als mich 2013 der Bürgermeister von Ybbs angerufen und sich bedankt hat, weil beim damaligen Hochwasser keine Schäden entstanden sind.“ 2002 hat die Flut hier einen Schaden in der Höhe von rund 39 Millionen Euro verursacht – dem gegenüber standen Baukosten für den Hochwasserschutz in der Höhe von 23 Millionen Euro.

Pernkopf gab darüber hinaus einen Ausblick: „Wir werden weitere 250 Hochwasserschutz-Projekte verwirklichen, dabei werden wieder 225 Gemeinden Hochwasser-sicherer gemacht. Es sind über 50 weitere LIFE-Projekte in Planung, die zur Hälfte von der Europäischen Union gefördert werden und die Hälfte davon findet auch in Niederösterreich statt.“

In Niederösterreich werden täglich über 20 Hochwasserprojekte neu gestartet beziehungsweise abgeschlossen, laufend befinden sich rund 50 Maßnahmen in der Bauphase.

Gemeinsam warfen die Landeshauptfrau und ihr Stellvertreter einen Blick in die Zukunft. „Wir haben uns viel vorgenommen, Stichwort Energie- und Klimafahrplan: den CO2 Ausstoß bis 2030 um 36% reduzieren, Strom aus Photovoltaik verzehnfachen, Windkraft verdoppeln – ganz viele Ziele, die wir uns gesetzt haben und natürlich den Hochwasserschutz auch weiterhin zu stärken, um vor allem die Bürgerinnen und Bürger zu schützen“, sagte Mikl-Leitner.

Beide waren sich einig, dass es dabei Feuerwehr, Polizei, Bundesheer, Samariterbund und Rotes Kreuz brauche, aber auch die Beamtenschaft das Um und Auf sei. Sie bedankten sich bei der niederösterreichischen Sicherheitsfamilie. Stephan Pernkopf merkte außerdem an: „Das Bild hat sich geändert: wir haben mit Starkregen zu tun, wir haben mit Dürre zu tun bis hin zu Black Out und wir müssen uns bestmöglich dafür rüsten. Und hier zählt vor allem die Kraft der kleinen Einheiten, denn das ist im Notfall die beste und schnellste Hilfe vor Ort. Deshalb ein herzliches Dankeschön den Gemeinden, Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern und dem Katastrophenschutz vor Ort.“

Weiter zu Wort kamen unter anderem Heinz Stummer, ehemaliger Bau-Stadtrat in Krems und Obmann des Krems-Donau-Kamp-Hochwasserschutzdamm-Wasserverbandes, der sich in Erinnerung an das Hochwasser sicher ist: „Alles, was bei einem Hochwasser wirklich hilft, ist die Präventionsarbeit, die man geleistet hat.“

Auch Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner betonte, dass sich in den letzten 20 Jahren viel bewegt hat: „Wir haben nach den Hochwässern 2002 und auch 2013 bei der Feuerwehr vor allem mit Gerätschaften und Einsatztaktik reagiert. Wir haben beispielsweise die Anzahl unserer Kolleginnen und Kollegen beim Katastrophendienst aufgestockt, wo 6000 Freiwillige innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung stehen.“

Bei der Veranstaltung im NÖ Feuerwehr- und Sicherheitszentrum Tulln kamen unter anderem auch noch der NÖ Gemeindebundpräsident Johannes Pressl, ORF-Meteorologin Christa Kummer, Rektorin der BOKU Eva Schulev-Steindl und weitere Ehrengäste zu Wort.

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