Marktgärtnerei Grand Garten: International und lokal geschätzt

Market Gardening, Gemüseanbau in Handarbeit, wird im Grand Garten praktiziert, beforscht und weiterentwickelt.

Erstellt am 09. Dezember 2021 | 04:10
Lesezeit: 2 Min
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Alfred Grand (r.) mit seinem „Winterteam“. 16 Praktikanten aus acht verschiedenen Ländern konnten bereits Einblick in die Arbeit in der Marktgärtnerei erhalten. 
Foto: Grandfarm

Vor zwei Jahren startete die Grand Farm mit ihrer Marktgärtnerei Grand Garten. Das ist vielfältiger Gemüseanbau in Handarbeit auf kleinen Flächen für die Direktvermarktung. Es gilt, die maximal mögliche Produktivität einer Fläche zu erreichen, aber immer auf Basis der ökologischen Landwirtschaft: ohne Pestizide, ohne Mineraldünger.

Mit der NÖN zog Alfred Grand Zwischenbilanz.

NÖN: Wie werden ihre Gemüsekisterln von den Bewohnern aus der Umgebung angenommen?

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Nach zwei Jahren Marktgärtnerei zieht Alfred Grand eine positive Zwischenbilanz.
Foto: Grandfarm

Alfred Grand: Wir beliefern mittlerweile 160-180 Kistlabonnenten über mehrere Verteilstationen. Zusätzlich beliefern wir Gastronomen, z. B. das Gasthaus Floh in Langenlebarn und den Bio-Lebensmittelhandel, nämlich Bio am Platz in Tulln, die auch eine Verteilstation für unsere Kistln sind. Auf dem Bauernmarkt Tulln in der Holzschuhpassage sind wir durch unseren Partner Thomas Wechselauer präsent.

Was gibt es Neues zu Ihrer Arbeitsweise?

Grand: Wir haben mittlerweile unsere Folientunnelfläche ein wenig erweitert und konnten dort heuer erstmals erfolgreich Ingwer und Kurkuma anpflanzen. Auch die frischen Schnittsalate für den Winteranbau haben dort ihr Zuhause gefunden.

Pflanzenbaulich lernen wir ständig dazu, so konnten wir durch verschiedene Maßnahmen, wie Komposteinsatz, Mulchen, usw. unseren Boden verbessern und hatten dadurch gesündere Pflanzen, die ohne jeglichen chemischen Pflanzenschutz auskommen.

Ist es gelungen, das Konzept Marktgärtnerei auch international bekannter machen?

Grand: Diesbezüglich sind wir nicht nur in Kontakt mit der EU-Kommission und der Europäischen Innovationspartnerschaft EIP Agri, sondern wir werden auch immer wieder eingeladen über Videokonferenzen unsere Arbeit auf der Grand Farm und im Garten vorzustellen. Zum Beispiel in Hawaii, Kanada und nächste Woche in Neuseeland. Im Jänner sind wir in Estland, Litauen, Ungarn und Deutschland eingeladen.

Parallel zur Grünen Woche in Berlin gibt es eine vom Deutschen Landwirtschaftsministerium organisierte Fachkonferenz, das GEFA (Global Forum for Food and Agriculture), das sich zentralen Zukunftsfragen der globalen Land- und Ernährungspolitik widmet. Dort wurde der Grand Garten als eines von sechs Projekten ausgewählt, die besonders bodenfreundlich wirtschaften.

Gibt es auch lokale Kooperationen?

Grand: Ja, einige. Aktuell arbeiten wir mit der KEM (Klima und Energie-Modellregion) Wagram an einer Ökobilanzstudie. Dabei wird die Klimawirkung des lokal und biologisch ausgerichteten Gemüseanbausystems am Beispiel unserer Marktgärtnerei mit dem im Lebensmitteleinzelhandel verfügbaren Gemüse inklusive Importen aus dem Ausland verglichen.

Außerdem haben wir ein Fledermausmonitoringprogramm mit der Koordinationsstelle für Fledermausschutz laufen, Wolfgang Pegler von Wagram Pur hat Schleiereulen ausgesetzt und der Naturschutzbund Niederösterreich hat ein Video über Mehrnutzungshecken bei uns gedreht. Wissenschaftlerinnen der Bio Forschung Austria besuchen uns mehrmals im Jahr, um ein Bienen-, Schmetterlings- und Laufkäfermonitoring durchzuführen.

Was sind Ihre nächsten Aktivitäten?

Grand: Zur Zeit haben wir auch drei Anträge für Forschungsprojekte in der Warteschleife: ein Landschaftsfondprojekt vom Land NÖ, eine operationelle Gruppe auf nationaler Ebene und ein Erasmus+ Projekt gemeinsam mit der Universität Wageningen und einem spanischen Partnerbetrieb. Und es gibt eine Einladung beim World Biodiversity Forum in Davos einen Vortrag zu halten.