Ehrgeiziges Projekt in der Region Wagram startet. „Der vorliegende Fund einer Ausstattung eines Alchemistenlabors in Oberstockstall ist international einmalig, die Präsentation im Alten Rathaus benötigt dringend Maßnahmen der Sanierung, die einerseits die Innenräume, andererseits die Präsentationsqualität der Objekte betreffen“, sagt Franz Aigner, geschäftsführender Gemeinderat der Marktgemeinde Kirchberg und Obmann der Region Wagram.

Von Günter Rapp. Erstellt am 16. Mai 2021 (03:59)
Bürgermeister Wolfgang Benedikt und Regionsobmann Franz Aigner vor dem im Umbau befindlichen Alchemistenmuseum, wo die Funde künftig präsentiert werden sollen.
Alfred Haubner, Alfred Haubner

Anlässlich des Jubiläums 500 Jahre Marktgemeinde Kirchberg wurde 1993 im Alten Rathaus am Marktplatz der Wagrammetropole das Alchemistenmuseum eröffnet. Die Alchemie befasste sich unter anderem mit der verlockenden Kunst Gold herzustellen. Fachlich begleitet hat die Ausstellung die in Oberstockstall wohnhafte fachkundige Historikerin Sigrid von Osten bis zur Schließung des Zentraldepots im Alten Rathaus im Jahr 2018.

„Wir hoffen auf eine andere Art von Ausstellung, damit der wirklich wertvolle Fund auch richtig präsentiert werden kann.“ Birgit Salomon

Der Gemeinderat hat nun den Grundsatzbeschluss gefasst, gemeinsam mit Familie Salomon als Besitzer des Gutes Oberstockstall, der Wissenschafterin Sigrid von Osten, dem Bundesdenkmalamt sowie dem Land Niederösterreich diesen international einmaligen Fund aus der zweiten Hälfte des 16 Jahrhunderts adäquat zu präsentieren. Franz Aigner: „Dazu sind mit allen Beteiligten eine ganze Reihe gemeinsamer Vorgespräche nötig gewesen.“

Zusammenarbeit mit Gemeinde wird begrüßt

Die Projektbetreiber arbeiten jedenfalls eng mit der Gutsbesitzerfamilie Salomon zusammen. „Wir sind sehr interessiert. Wenn es zu einer neuen Ausstellung kommt, dann soll alles entsprechend aufbereitet werden“, sagt Birgit Salomon. „Wir hoffen auf eine andere Art von Ausstellung, damit der wirklich wertvolle Fund dieses Alchemistenlabors künftig auch richtig präsentiert werden kann.“ Restaurant, Weingut und Gästezimmer im Gut Oberstockstall, aber auch Gastronomen und Winzer in der ganzen Region, könnten durch die Besucher der Ausstellung ebenfalls profitieren.

Fritz Salomon war der Entdecker des Fundes

Die Alchemie sei als Vorläufer der Chemie aber weit mehr gewesen, als die bislang bekannte Kunst, Gold herzustellen, ist Fritz Salomon überzeugt. Er war es auch, der vor mehr als 30 Jahren als Junge beim Spielen gemeinsam mit seinem Vater den einmaligen Fund einer Alchemistenwerkstatt in der Sakristei der historischen Schlosskapelle im Familiengut Oberstockstall gemacht hat.

Mit den Besprechungsergebnissen wurden ein Konzept und ein zeitlicher Fahrplan für eine Neuaufstellung des Museums erstellt. So könnte bereits im Jahr 2024 gemeinsam mit der Schallaburg ein kulturelles Projekt auf Schiene gebracht werden. Mit dem einstimmigen Grundsatzbeschluss des Gemeinderates für dieses ehrgeizige Projekt zeigt die Marktgemeinde, dass sie dieses Projekt gezielt angehen möchte. Gleichzeitig wurde die Nachinventarisierung, Digitalisierung und restauratorische Fachbegutachtung des überaus wertvollen Fundes mit über 1.000 Einzelstücken in Auftrag gegeben.

Fritz und Birgit Salomon – hier an der Fundstelle in der Schlosskapelle – sind äußerst interessiert, dass dem Alchemist von Oberstockstall auch künftig viel Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Rapp, Rapp

„Des Weiteren werden nun erste Pläne für die Innenrenovierung des Alten Rathauses erstellt sowie mit dem Land Niederösterreich und dem Bundesdenkmalamt Fördermöglichkeiten für eine internationale Präsentation des Alchemistenschatzes besprochen“, weiß Kirchbergs Bürgermeister Wolfgang Benedikt. Es handle sich um ein gemeinsames Projekt, wo es gelungen ist mit Familie Salomon, mit der Wissenschafterin Sigrid von Osten, die den Fund seit 40 Jahren fachlich betreut, mit dem Land Niederösterreich und dem Bundesdenkmalamt eine für alle Seiten geradezu optimale und vor allem zukunftsorientierte Lösung zu finden.