AMS Tulln setzt weiter auf Bildung. Die NÖN sprach mit AMS-Chef Hans Schultheis über das Corona-Krisenjahr und seinen Ausblick für 2021.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 14. Januar 2021 (03:43)
Hans Schultheis: „Wir helfen mit Qualifizierungsangeboten.“
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Hans Schultheis: „Wir helfen mit Qualifizierungsangeboten.“
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2020 stellte auch das Arbeitsmarktservice vor besondere Herausforderungen. So wurde etwa innerhalb weniger Tage auf Distance-Betreuung der Kunden umgestellt und das Thema „Langzeitarbeitslosigkeit“ bleibt ein trauriger Dauerbrenner. Für das neue Jahr zeigt sich Geschäftsstellenleiter Hans Schultheis dennoch vorsichtig optimistisch.

Mit den vorübergehenden Lockerungen im Sommer 2020 hatte die Erholung der Wirtschaft an Fahrt gewonnen. Neuerliche Einschränkungen bremsten den Erholungsprozess deutlich und wirkten sich unmittelbar auf den Arbeitsmarkt aus. Im Dezember ortet Schultheis einen Hoffnungsschimmer: „Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Bezirk Tulln ist mit 17,1 % trotz einsetzender Saisonarbeitslosigkeit der bisher geringste Monatsanstieg im Krisenjahr.“

„Es kam nie zu Ski-Lift-Zuständen, 95 % kommunizierten mit uns über Telefon und Internetservices.“ Hans Schultheis lobt die Disziplin der AMS-Kunden

Die Langzeitarbeitslosigkeit ist und bleibt auch weiterhin ein besonderer Schwerpunkt der AMS-Agenda. Viele der Betroffenen haben gesundheitliche Einschränkungen, mitunter eine nicht mehr nachgefragte Ausbildung, sind Wiedereinsteiger, ältere Jobsuchende und auch die persönliche Mobilität spielt eine große Rolle. Das AMS unterstützt Jobsuchende aus dieser Gruppe vor allem über Qualifizierungs- und Beschäftigungsförderungsprogramme - die Mittel dafür kommen aus dem Corona-Arbeitsmarktpaket.

Das Arbeitsmarktservice Tulln setzt verstärkt auf Telefon, Internetplattform und eAMS.
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„Dort, wo es mit der Jobsuche und Vermittlung nicht funktioniert, helfen wir mit der Finanzierung von Qualifizierungsangeboten in nachgefragten Berufsbereichen“, sagt Schultheis. Ein besonderer Schwerpunkt sei hier die Ausbildung im Gesundheits- und Pflegebereich, in technischen Berufen und die betriebsnahe Ausbildung.

Mitte März musste das AMS Tulln quasi von Freitag auf Montag auf Distance-Betreuung umstellen. „Zum Schutz der Gesundheit unserer Kunden und Mitarbeiter verlagerten wir unsere Services auf Telefon, Internetplattform und eAMS-Konto. Das ist unglaublich schnell und sehr gut gelungen“, berichtet Schultheis.

Eine weitere Herausforderung war die Bearbeitung und Anweisung von Arbeitslosen- und Notstandshilfegeldern, während gleichzeitig viele Kurzarbeitsanträge einlangten. „Unsere Tullner AMS-Belegschaft hat hier auch in Wochenendschichten dafür gesorgt, dass Existenzsicherung und Kurzarbeitsunterstützung rasch ausgezahlt wurden“, lobt Schultheis sein Team, das sich auch 2021 der Corona-Challenge stellt. So stehen unter anderem landesweit 17.000 Aus- und Weiterbildungsplätze für die Qualifizierung von arbeitssuchenden AMS-Kunden zur Verfügung.

Für 2021 erwartet Hans Schultheis einen Konjunkturschub mit nachfolgendem Beschäftigungsaufschwung, „wenn die pandemiebedingten Einschränkungen endgültig beendet werden können. Dazu bedarf es aber auch einer hohen Impfbereitschaft der Bevölkerung.“