Tullner Becken & Marchfeld im historischen Vergleich: Kurator erzählt

Erstellt am 25. Mai 2022 | 04:18
Lesezeit: 3 Min
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Schloss Plankenberg in den 1940er-Jahren.
Foto: privat
Das Marchfeld und das Tullner Becken über drei Jahrhunderte auf Aquarellen, Fotografien, Gouachen und Skizzen. Ein Gespräch mit dem Ausstellungskurator.
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Foto: NOEN

Die Landesbibliothek und das Landesarchiv Niederösterreich in St. Pölten gewähren mit der Ausstellung „Dörfer, Kirchen und Schlösser: Marchfeld und Tullner Becken im Vergleich“ Gelegenheit zu einer historischen Reise in die beiden mit der Zeit sich wandelnden Gegenden.

Städte, Dörfer, Kirchen und Adelssitze waren beliebte Darstellungsmotive und wurden immer wieder abgebildet. Diese Abbildungen erweitern die manchmal nicht vollständigen historischen Überlieferungen. Das zeitliche Spektrum der Darstellungen reicht dabei von den 1670ern bis in die 1970er, also über drei Jahrhunderte niederösterreichische Geschichte.

Anlass dieser Ausstellung ist die aktuelle Landesausstellung im Schloss Marchegg, welche sich insbesondere mit dem Marchfeld beschäftigt. Die NÖN sprach mit dem Kurator Ralph Andraschek-Holzer.

Inwiefern bilden Adelssitze und Klöster den vergangenen Alltag im Tullner Becken ab?

Andraschek-Holzer: Klar ist, dass diese Abbildungen mit dem Alltag der Menschen in weiten Teilen nur wenig zu tun haben. Erst ab dem späten 18. Jahrhundert findet der Alltag seinen Weg in solche Darstellungen. Bis dahin haben wir es mit einer stark stilisierten Bildsprache zu tun, die uns dennoch viel über die Vergangenheit erzählt.

Was ist das Besondere an Ansichten aus dem Tullner Becken?

Andraschek-Holzer: Im Vergleich zum Marchfeld, wo die großen Bischofssitze und Klöster fehlen, ist besonders die Tullner Sakraltopographie hervorzuheben. Die Klöster und Kirchen haben das Bild der Städte früher noch viel mehr dominiert als heute. Dazu gab es in Tulln große Klöster der Dominikanerinnen, Minoriten und Kapuziner.

Auf welches Objekt sind Sie besonders stolz?

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Schloss Plankenberg 1903.
Foto: Marie Schuster-Sieger

Die Gouache des Schlosses Plankenberg. Durch ihr Alter, ihre hervorragende Qualität und die besonders interessante Darstellungsweise ist sie ein hervorzuhebendes Kleinod unserer Sammlung.

Als weitere Glanzlichter der Ausstellung kann man die Schlosskapelle Grafenegg mit ihrer reichen Bildüberlieferung ansehen. Ebenso nachvollziehen kann man den langsamen Wandel des Interesses der Menschen an den Darstellungen – so vollzog sich im Lauf der Jahrzehnte und Jahrhunderte ein immer stärkeres Interesse an der Darstellung von Innen- gegenüber Außenräumen. Neben den repräsentativen Momentaufnahmen ergänzen die Akten des NÖ Landesarchivs das Bild der Vergangenheit.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, den Besucher gratis mitnehmen dürfen.

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