Bezirk Tulln: Material knapp und sehr teuer. Lieferschwierigkeiten und Preiserhöhungen erschweren Bautätigkeiten. Händler: „Schlittern in eine Katastrophe.“

Von Monika Gutscher und Helga Urbanitsch. Erstellt am 28. April 2021 (04:00)
Daniela Lawitschka und Sabine Preitensteiner in Langenlebarn.
Urbanitsch, Urbanitsch

„Seit März ist es extrem, es gibt große Engpässe besonders bei Styropor, Styrodur, aber auch bei Eisen und Ziegeln“, zeigt sich Nicola Nicic von Baustoffe Bayerl in Moosbierbaum entsetzt. „Dazu kommt noch eine saftige Preiserhöhung.“

Besonders schlimm ist es zurzeit für Häuslbauer, „die ja alles von Anfang an kalkulieren müssen, zeitgerecht fertig sein wollen und jetzt noch mit bis zu 20 Prozent Preiserhöhung oder mehr rechnen müssen“, weiß Nicic. Außerdem seien die Prognosen nicht rosig, „wenn es so weiter geht, kommt es zum Stillstand.“

Wirtschaft in China und den USA boomt extrem

Von einer „katastrophalen Situation“ spricht Herbert Nast Beratungsprofi der Baustofffirma Gutscher in Sieghartskirchen. Dort ist man mit extrem langen Lieferzeiten von Kanalrohren, Dämmstoffen und Stahl konfrontiert. „Es gibt Preiserhöhungen bis zu 60 Prozent innerhalb der letzten vier Monate“, so Herbert Nast.

Die Ursache liegt laut Nast bei mehreren Komponenten. „Die Wirtschaft in China und den USA boomt extrem, dort wird alles aufgekauft.“ Somit kommen die benötigten Rohstofflieferungen nicht in Europa an. Auch der Rohstoffmangel spielt eine große Rolle. Denn die Granulate, die zur Herstellung von Kunststoff gebraucht werden, sind ein Abfallprodukt des Kerosins beim Flugverkehr und der kam im letzten Jahr fast zum Stillstand.

„Wir schlittern bald in eine wirtschaftliche Katastrophe“, fürchtet Herbert Nast.

Metalltechnik-Bundesinnungsmeister Harald Schinnerl beobachtet eine Preiserhöhung von 30 bis 60 Prozent und erklärt: „Es gibt ein massives Beschaffungsproblem, gewisse Profile bekommen wir gar nicht mehr.“ Auch er sieht eine der Ursachen im starken Wachstum am chinesischen Markt, „sie exportieren nicht mehr. Außerdem war der Stahlpreis über viele Jahre viel zu niedrig“, ist sich Schinnerl sicher. Mit einer Entschärfung der Situation rechnet der Innungsmeister aber erst im Spätherbst.

„Es gibt ein massives Beschaffungsproblem und eine Preis- erhöhung bis zu 60 Prozent.“ Harald Schinnerl, Metall- technik-Bundesinnungsmeister

Baustoff-Außendienst-Mitarbeiter Walter Haydu vom Baustoffhandel Preitensteiner in Langenlebarn erlebt die Problematik hautnah: „Wie man sich vorstellen kann, sind die Häuslbauer nicht sehr erfreut, da sie gewohnt sind, dass die Preise, die man abgibt, für das selbe Jahr Gültigkeit haben.“

Durch die Lieferverzögerungen von manchen Baumaterialien können natürlich die Bauzeiten, die sich der Bauherr vorgenommen hat, nicht eingehalten werden.

„Dadurch können zum Teil größere Probleme auftreten wenn der Kunde eine Wohnung gekündigt hat und zu einem vereinbarten Termin ausziehen muss“, weiß Walter Haydu. Weiter erklärt er, dass es zurzeit für die Händler eine schwierige Zeit sei, die Kunden zur vollsten Zufriedenheit bedienen zu können.

Elisabeth Lukas Salzgeber vom „Wohnen in Tulln-Projekt“ in der Bahnhofstraße ahnte das Problem der Materialknappheit und ist „nirgends aktiv betroffen.“ Vorausschauend wurden hier genug Baumaterialien rechtzeitig gekauft.

Auch Baumeister Karl Dietrichstein aus Tulbing hat zwar viel auf Lager, jedoch „muss man teilweise tagesaktuell nachfragen.“

Nicht nur die Preise für Kunststoff und (Bewährungs-)eisen sind rapide in die Höhe geschossen, sondern auch die Lieferzeiten von mindestens vier Wochen seien extrem. „Während eine Tonne Altstahl im Vorjahr noch 25 Euro kostete, beträgt heute der Preis 175 bis maximal 205 Euro.“ Dies betrifft den Bausektor, denn, z.B. um neue Bewährungsmatten zu produzieren, wird auch Altstahl dafür eingeschmolzen. „Außerdem befinden sich viele Produzenten Corona-bedingt in Kurzarbeit, dadurch wird die Produktion reduziert, obwohl die Nachfrage immens hoch ist“, ergänzt Dietrichstein.

Bei der Firma Brucha finden sich auch aufgrund des extrem starken Auftragseinganges sehr lange Lieferzeiten am Markt wieder.

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