Junger Römer auf großer Tour im Bezirk Tulln. Geza Frank schlüpfte in die Rolle eines römischen Grenzsoldaten.

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:00)
Geschichte zum Angreifen – Karli und Paul begegneten Geza Frank vor dem Tullner Salzturm.
Firmkranz

Einer ungewöhnlichen Herausforderung hat sich Geza Frank, Musiker, Unternehmer und Milizoffizier aus Hadersfeld, gestellt. Der Experte für römische Geschichte hüllte sich in die Kleidung eines römischen Grenz- und Flussmarinesoldaten aus dem 4. Jahrhundert und begab sich 14 Tage lang für zwölf Stunden täglich voll adjustiert auf eine Reise in die Vergangenheit. Dabei war der 33-Jährige um größtmögliche Authentizität bemüht.

„Ich nahm ausschließlich Essensrationen der römischen Armee, zubereitet nach antiken Kochbüchern, zu mir“, berichtet der 33-Jährige. Aufgenommene Kalorien und körperliche Veränderungen, Essenszubereitung sowie Training wurden genau dokumentiert. So konnte er für 14 Tage die Strapazen im Alltag eines römischen Grenzsoldaten nachvollziehen.

„Geschichte lebendig machen“ ist das große Anliegen von Geza Frank. Zahlreiche Initiativen hat er bereits ins Leben gerufen, darunter Großveranstaltungen, wie etwa Festivals in Carnuntum. Seiner Meinung nach wird das von den Römern „durchaus spektakuläre“ Erbe zu wenig geschätzt. „Das kommt daher, dass diese aufgrund veralteter Museums- und Vermittlungsvorstellungen meist nur Kennern, Liebhabern und zwangsbeglückten Volksschülern zugänglich sind“, nimmt er sich kein Blatt vor den Mund.

„Geschichte muss lebendiger werden!“ Geza Frank

Bei diversen Museumsveranstaltungen zeige sich immer wieder, dass gelebte Geschichte mittels engagierter Geschichtsdarsteller ein sehr breites Publikum aus allen Gesellschaftsschichten erreicht und für die Auseinandersetzung mit Geschichte begeistern kann. Dazu soll auch das von Frank initiierte Projekt der Donau-Universität Krems „Living Danube Limes“ beitragen. Ziel: Mit ineinandergreifenden und nachhaltigen Maßnahmen – etwa Virtual-Reality-Rekonstruktionen, Museumskooperationen und Veranstaltungen – den Donaulimes sichtbar und erlebbar zu machen.

Das Projektkonsortium umfasst 19 universitäre, staatliche und privatwirtschaftliche Projektpartner aus zehn Ländern. Dazu kommen 27 assoziierte strategische Partner aus den Bereichen Archäologie, Altertumsforschung, Technik, Architektur, Tourismuswirtschaft und Kulturgüterschutz. Das Projekt ist mit 3,2 Millionen Euro budgetiert und erstreckt sich von Deutschland bis ans Schwarze Meer.

Erstmals seit dem vierten Jahrhundert soll ab nächstem Jahr wieder ein römisches Flussschiff die Donau befahren und so Verbindungen zwischen den einzelnen Anrainerstaaten herstellen.
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Derzeit ist ein original rekonstruiertes römisches Donauschiff in Bau, mit historischen Werkzeugen ohne Zuhilfenahme moderner Mittel. Ursprünglich wäre Tulln als Standort für die dafür nötige „Werft“ vorgesehen gewesen. „Im Wasserpark hätten wir schon einen geeigneten Platz gefunden“, berichtet Historiker und Direktor des Tullner Römermuseums, Christoph Helfer. „Die Entscheidung der Stadtgemeinde sollte sehr kurzfristig fallen. Zu kurzfristig für die nötigen Bescheide und Bewilligungen.“ Daher wird das historische Flussschiff jetzt in Deutschland gebaut. Ab Juli 2022 soll es die Donau als sichtbares Zeichen und Botschafter des Nationen verbindenden Projektes mit authentisch ausgestatteten Crews befahren werden.

Ein „Heimathafen“ irgendwo an der Tullner Donaulände wäre wünschenswert und angebracht, schließlich war im einstigen Comagenis neben dem Reiterlager auch eine römische Flotte stationiert.

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