Mehr Rechtsfragen durch Coronavirus im Bezirk Tulln. Arbeiterkammer verzeichnet Rekordzuwachs bei Telefon- und E-Mail-Beratung. Lob gibt es für Modell der Kurzarbeit.

Von Thomas Peischl. Erstellt am 16. Februar 2021 (17:45)
Vizepräsident Peter Stattmann und Bezirksstellenleiter Günter Kraft präsentierten die Arbeiterkammer-Bilanz 2020: Insgesamt konnten für Arbeitnehmer aus der Region rund 2,8 Millionen Euro gesichert werden.
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Covid-19 prägte auch das Arbeiterkammerjahr 2020. „Wir waren in ganz Niederösterreich arbeitsrechtlich sehr gefordert“, sagte AK-Vizepräsident Peter Stattmann in seiner Bilanz. Neben Kurzarbeit, „ein tolles Instrument“, wie Stattmann betonte, „damit konnten auch große Firmen ihre Mitarbeiter halten“, ging es häufig um Homeoffice und zuletzt vermehrt um den Themenbereich Impfungen. Neben arbeitsrechtlichen Fragen waren die Experten der AK aber auch in Sachen Kinderbetreuung, Lehrlings-, Jugend- und Konsumentenschutz oder Pensions- und Arbeitslosenversicherung gefordert.

Alleine im Bezirk Tulln wurde mehr als 13.000 Mal beraten, konkret in exakt 6.457 Problemfällen. „Dabei mussten auch wir unsere Arbeitsweise umstellen“, wie Bezirksstellenleiter Günter Kraft erklärt. Bei E-Mail-Beratungen verzeichnete man ein Plus von 226 Prozent, telefonisch wurde um 2.200 Mal häufiger beraten als im Vorjahr. Insgesamt konnten für Arbeitnehmer aus der Region rund 2,8 Millionen Euro gesichert werden.

„Dabei mussten auch wir unsere Arbeitsweise umstellen“

Worum es dabei gehen kann, verdeutlicht ein Beispiel aus dem Bezirk: Eine Sachbearbeiterin eines Versicherungsunternehmens hatte nach mehr als 25 Dienstjahren Ende April aus dem Nichts die Kündigung ausgesprochen bekommen. „Zum Glück reagierte die Frau rasch. Denn um beim Arbeits- und Sozialgericht im Fall einer Kündigungsanfechtung wegen Sozialwidrigkeit Klage einzubringen, gilt eine Frist von 14 Tagen“, sagt Kraft. Die AK vertrat die Frau vor Gericht. Am Ende wurde ein Vergleich über 20.000 Euro geschlossen.

Stattmann unterstrich abschließend die AK-Forderung nach einem 1.000-Euro-Gutscheinheft für jeden Haushalt: „Damit könnte der Konsum sinnvoll angekurbelt werden.“