28-Jähriger bedrohte Stiefvater mit "Waffen aller Art". Ein 28-Jähriger aus dem Vezirk Tulln bedrohte seinen Stiefvater mit Machete, Pistole, Messer und Wurfbeil. „Er hat mich nie akzeptiert“, sagte der Sohn. Das Urteil: Therapieweisung und bedingte Haft.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 24. Januar 2021 (03:06)
Symbolbild

Es ist acht Uhr früh, Ende November und ein junger Mann hat seit dem Vorabend getrunken: eine halbe Palette Bier, eine Zweiliterflasche Wein, dazu Tabletten. Geschlafen hat er nicht, als er in die Küche kommt. Der Streit, den er am Vorabend mit seinem Stiefvater hatte, bricht erneut aus. „Ich lasse dich bluten“, sagt der Sohn und verlässt die Küche. Als er zurückkommt, hat er eine Machete, ein Wurfbeil, ein Militärmesser und eine Gaspistole dabei. Er schießt ein Loch in die Decke und geht mit den Fäusten auf seinen Stiefvater los. Erst als seine Mutter weint und seine Halbbrüder ihn zu Boden ringen, lässt er von ihm ab, entschuldigt sich und geht.

„Mir wurde zu viel, was er in den Tagen zuvor zu mir gesagt hat. Er hat mir nie das Gefühl gegeben, dass ich zur Familie gehöre. Es hat sich einiges aufgestaut in all den Jahren“, sagt der 28-Jährige vor dem Richter. „Mein Verhalten war komplett falsch. Ich will auf jeden Fall eine Therapie machen“, zeigt sich der junge Mann einsichtig, der seit Jahren mit einer Suchterkrankung kämpft. Zuerst Drogen, dann Alkohol. „Mein Stiefvater sagt, ich simuliere. Er hat mich nie ernst genommen.“

„Er wollte mich nicht hier haben. Er hat mir nie das Gefühl gegeben, dass ich zur Familie gehöre.“ Der Angeklagte, der seinen Stiefvater attackierte.

Auch während der Tat war der 28-Jährige vollkommen berauscht, nicht zurechnungsfähig, bestätigt der gerichtliche Gutachter. Die Erinnerungen des Angeklagten an jenen Morgen sind schemenhaft, seine Mutter hat ihm das meiste im Nachhinein erzählt. Aber weder sie noch sein Stiefvater oder seine Halbbrüder wollen vor Gericht gegen ihn aussagen. Dass er dem Stiefvater mit dem Tod gedroht hat, daran kann er sich nicht mehr erinnern. „Ich wollte ihm nur Angst machen“, sagt er. „Mit bluten lassen habe ich finanziell ausbluten gemeint“, fügt er hinzu. „Ich würde ihn nie umbringen wollen.“

Am Abend zuvor habe ihm der Stiefvater vorgeschlagen, ihm sein Erbe auszuzahlen, damit er geht. Am Morgen danach wollte er ihm das Erbe aber nicht mehr geben, so der Sohn. „Es ging mir nie um Geld, ich wollte akzeptiert werden wie ich bin“, sagt der 28-Jährige leise.

„Die Angst um sein Leben war aber trotzdem naheliegend, wenn Sie aus dem Zimmer gehen und mit Waffen zurückkommen“, sagt der Richter und betrachtet die Lichtbilder aus dem Krankenhaus, die Schwellungen und Hämatome des Stiefvaters nach dem Angriff zeigen. Der Gutachter bezeichnet die Kombination aus Alkohol und Tabletten als Ursache für die Tat. Ohne Therapie würde es wieder zu Drohungen und Körperverletzungen durch den Angeklagten kommen, meint er.

Angeklagter sieht Urteil als Chance

Der Richter verurteilt den 28-Jährigen schließlich zu einem Jahr gänzlich bedingter Haft und zu einer bedingten Einweisung in eine Anstalt für entwöhnungsbedürftige Rechtsbrecher nach Haftentlassung. Für beides gilt eine dreijährige Probezeit. Weiters erhält er eine Weisung, eine sechsmonatige stationäre Therapie zu machen und danach zweimal monatlich in die Suchtberatung zu gehen sowie Bewährungshilfe in Anspruch zu nehmen. „Ich sehe das nicht als Druck, sondern als Chance“, sagt der dankbare Angeklagte. „Ich möchte mich entschuldigen … bei allen.“